Experten warnen vor Zerfall

Das Gossauer Zentrum steht am Rande einer sich anbahnenden Krise. Zu diesem Schluss kommt eine Analyse des Netzwerks Altstadt. Grund dafür seien der Wandel im Detailhandel, die Nähe zu St. Gallen und der viele Verkehr.

Rafael Rohner
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Der Verkehr im Gossauer Zentrum schreckt gemäss einer Analyse allfällige Mieter und Investoren ab. (Bild: Benjamin Manser)

Der Verkehr im Gossauer Zentrum schreckt gemäss einer Analyse allfällige Mieter und Investoren ab. (Bild: Benjamin Manser)

GOSSAU. In der Gossauer Altstadt gibt es diverse Fachgeschäfte, Restaurants und Imbissbuden. Die Gebäude sind mehrheitlich in einem guten Zustand. Das könnte sich gemäss einer Analyse des Netzwerks Altstadt bald ändern. Mit dem heutigen Verkehrsaufkommen, so warnen die Experten, «werden einzelne Liegenschaften zu Problemfällen und die ganze Zentrumslage negativ beeinflussen». Es müssten daher Massnahmen ergriffen werden, die bereits heute wirken «und nicht erst in zehn oder 15 Jahren».

Ferner kommt das Netzwerk in seiner knapp 20seitigen Analyse zum Schluss, dass das heutige Zentrum entlang der St. Galler- und der Herisauerstrasse nur mit einem «erheblichen Effort» in der aktuellen Form erhalten werden könne. Letztlich werde Gossau nicht darum herum kommen, sich zu einem Zentrum zu bekennen, «das städtischen Ansprüchen genügt». Und dieses Zentrum werde sich wohl nicht mehr entlang der verkehrsreichen St. Gallerstrasse befinden, sondern im Bereich des heutigen Marktplatzes.

Wo soll das neue Zentrum hin?

Auch für Stadtentwickler Martin Schmid ist die Frage nach einem künftigen Zentrum in Gossau zentral. Wo sich dieses schliesslich befinden werde, sei von verschiedenen Faktoren abhängig. Zunächst sei es wichtig, diese und weitere Fragen zusammen mit den Betroffenen zu besprechen und Strategien für die künftige Nutzung des heutigen Zentrums auszuarbeiten.

Erstellt wurde die Analyse im Auftrag der Stadt Gossau. Sie ist laut Schmid die Grundlage für die Erarbeitung einer «Nutzungsstrategie». Abgeschlossen werden soll der Prozess Anfang 2014 mit einer öffentlichen Präsentation. Mit diesem Vorgehen will die Stadt frühzeitig auf strukturelle Veränderungen reagieren und Erfahrungen von anderen Städten nutzen.

«Zweifelhafte Ausstrahlung»

Die Analyse des Netzwerks Altstadt, das vom Bundesamt für Wohnungswesen unterstützt wird, hat es in sich: Zwar funktioniere die Stadt als Wohn- und Arbeitsort «sehr gut», schreiben die Autoren, das Zentrum stehe aber «am Rande einer sich anbahnenden Krise». Viele Flächen an bester Lage seien verkaufstechnisch schlecht besetzt oder sogar von zweifelhafter Ausstrahlung. Vergleiche man Gossau mit anderen Städten, müsse man damit rechnen, dass Teile der Altstadt immer weniger ein «Einkaufs- und Aufenthaltsgefühl» bieten würden. Die Autoren prophezeien ein düsteres Bild: «Läden werden leer stehen, durch minderwertige Nutzungen ersetzt und nicht mehr die Qualität anbieten, wie man sie heute kennt.»

Fluch und Segen zugleich sei dabei die Nähe zur Shopping-Arena in Winkeln. Die Versorgungsqualität sei dadurch «exzellent», die lokalen Geschäfte befürchteten jedoch zu Recht, dass Kunden abwanderten. Ganz hoffnungslos ist die Lage jedoch nicht: In der Altstadt könne eine verkleinerte Gruppe von Geschäften überleben, wenn die Aufenthaltsqualität gesteigert, die Läden konzentriert und die Zusammenarbeit intensiviert werde.

Investiert wird ausserhalb

Wenig Hoffnung hegen die Autoren auf eine rasche Verbesserung der Verkehrssituation: «Auf eine bauliche Lösung warten, ist keine Option.» Der Verkehr habe ein Ausmass angenommen, das viele Mieter oder Investoren abschrecke. Investiert werde deshalb vor allem ausserhalb. In der Altstadt bestehe die Gefahr, dass sich der Wohnbereich nicht entwickle. «Alte, einfache Häuser weisen bereits einen fortgeschrittenen Abstieg» auf. Gehe zusätzlich der Ertrag aus dem Erdgeschoss zurück, sinke die Rentabilität und der Unterhalt bleibe aus. Da in Gossau keine tiefgreifende Verkehrsentlastung möglich sei, stelle sich die Frage, was innert nützlicher Frist unternommen werden könne. Aufgrund der «eher Auto-orientierten Bevölkerung» seien die Möglichkeiten beschränkt. Trotzdem ist für die Autoren klar: «Gossau ist eine ideale Stadt für Langsamverkehr.»

Als positiv wird die neue Zentrumsgestaltung gewertet. Diese zeige, dass man die Altstadt nicht ihrem Schicksal überlasse. Nicht ideal sei der Standort der Migros. Ihr Umzug in ein neues Zentrum könne der Grundstein sein für eine neue Entwicklung.

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