EXPERIMENT: Pizze, aber roh und ungebacken

Während dreier Monate hat sich Sarina Koller für ihre Maturaarbeit roh-vegan ernährt. Dafür hat die Schülerin nun den Preis für die beste naturwissenschaftliche Maturaarbeit des Kantons erhalten.

Nina Rudnicki
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Maturandin Sarina Koller in ihrem Garten. Der Salat ist wegen der Abschlussprüfungen ausgeschossen. (Bild: Nina Rudnicki)

Maturandin Sarina Koller in ihrem Garten. Der Salat ist wegen der Abschlussprüfungen ausgeschossen. (Bild: Nina Rudnicki)

Nina Rudnicki

stadtredaktion@tagblatt.ch

Für roh-vegane Pizza vermengt man gemahlene Körner mit Wasser, trocknet den Teig in einem Dörrgerät und belegt den so entstandenen Cracker mit Tomatensauce und rohem Gemüse. «Dann ist die Pizza fertig», sagt Sarina Koller. Die Fachmittelschülerin an der Kantonsschule am Brühl hat sich während dreier Monate nur von Rohkost ernährt und über dieses Experiment ihre Maturaarbeit geschrieben. Diese haben der WWF und die St. Gallische Naturwissenschaftliche Gesellschaft nun als beste naturwissenschaftliche Maturaarbeit des Kantons ausgezeichnet.

Nebst Pizza hat Sarina Koller auch andere Rezepte ausprobiert, beispielsweise vegane Schokolade, die während der Herstellung auf nicht mehr als 42 Grad erhitzt werden darf. Am meisten ass sie aber Salate mit roh-veganer Sauce, also solcher mit Apfelessig. «Es ist der einzige Essig, der unter Rohkost fällt. Die anderen Sorten werden mit zu hohen Temperaturen hergestellt», sagt die 18-Jährige.

Nicht das erste Ernährungsexperiment

Sarina Koller hat sich schon in der Zeit vor ihrer Maturaarbeit für verschiedene Ernährungsformen interessiert. Einmal ass sie eine Zeit lang nur basisch, ein anderes Mal vegan. Bei der basischen Ernährung wollte sie austesten, wie sich dadurch der PH-Wert ihres Urins verändert. «Ich finde es einfach spannend, wie sich unterschiedliche Ernährungen direkt auf den Körper auswirken», sagt die Schülerin.

Diese Frage sollte daher auch bei ihrer Maturaarbeit im Zen­trum stehen. Vor dem Selbstversuch liess sie ihre Körperwerte bei einem Arzt untersuchen, ebenso nach dem Experiment. «Die grösste Überraschung für mich war, dass meine Vitamin-C-Werte trotz all dem Gemüse und all den Früchten etwas schlechter waren. Die Werte für Eisen, Zink und Vitamin B12 waren sogar sehr schlecht. Ich hatte das Gegenteil erwartet», sagt sie. Dafür sei ihr Blutzuckerspiegel auf einen optimalen Wert gesunken und sie habe sich während der roh-veganen Ernährung besser gefühlt.

«Jetzt höre ich auf meinen Körper»

Diese Eigeninitiative, die sorgfältige Dokumentation sowie die Auswertung der Ergebnisse und die Beschreibungen ihrer Empfindungen überzeugten auch die Jury. «Obwohl ich viel Zeit in mein Experiment gesteckt habe, hätte ich nicht erwartet, dass ich gewinne», sagt die Oberuzwilerin. «Es gab andere nominierte Arbeiten über physische Phänomene und ätherische Öle, und ich war einfach nur beeindruckt davon.» Dass sie gewonnen habe, habe sie deshalb umso mehr gefreut. «Und das Preisgeld von 500 Franken spare ich für meine Weltreise, die ich bald machen möchte.»

Zunächst beginnt Sarina Koller nach den Sommerferien allerdings ein einjähriges Praktikum in der Pflegeabteilung im Spital Wil. Bezüglich ihrer Ernährung hat sie noch keine neuen Pläne, aber eine neue Erkenntnis. «Durch den Selbstversuch habe ich gelernt, dass eine eingeschränkte Ernährungsform nicht das Richtige für mich ist. Des­halb höre ich nun auf meinen Körper. Er sagt mir, was er braucht.» So spannend das Experiment mit der roh-veganen Ernährung auch gewesen sei, so froh sei sie ge­wesen, als sie es habe abschliessen können. «Es war einfach schwierig, mich konsequent einzuschränken, während meine Freunde Pasta, Hülsenfrüchte, Fleisch und Milchprodukte assen», sagt sie. Aufgrund der Ernährungsumstellung habe sie ausserdem Stimmungsschwankungen gehabt und ihre Familie genervt. Ihrem Appetit nachgegeben hat Sarina Koller allerdings kein einziges Mal, denn sie wollte die Resultate auf keinen Fall verfälschen.

Die Lust auf Avocados verloren

Nach dem Experiment hat die 18-Jährige ihre Ernährung wieder langsam ihren früheren Essgewohnheiten angepasst, um ihren Körper bei der erneuten Umstellung zu schonen. Eine kleine Einbusse hat die Maturandin allerdings davongetragen. Avocados, die sie früher liebte, mag sie heute nicht mehr besonders. Auch der Salat in ihrem Beet hinter dem Haus ist ausgeschossen. «Aber das ist passiert, weil ich gerade täglich für die Abschlussprüfungen an der Fachmittelschule lernen muss.»