EVP will ihren Sitz verteidigen

Einer der beiden Kantonsräte der EVP kommt aus dem Wahlkreis St. Gallen-Gossau. Am 28. Februar ist das Ziel in diesem Wahlkreis, die Wiederwahl von Jascha Müller zu sichern. Die Verantwortlichen sind zuversichtlich.

Ruth Frischknecht
Drucken
Teilen
Auch Jungpolitiker Samuel Stübi und Kantonsrat Jascha Müller stellen sich auf der EVP-Liste zur Wahl. (Bild: Ruth Frischknecht)

Auch Jungpolitiker Samuel Stübi und Kantonsrat Jascha Müller stellen sich auf der EVP-Liste zur Wahl. (Bild: Ruth Frischknecht)

«Wir sind uns bewusst, dass es für uns diesmal nicht einfach wird, den Sitz zu halten», sagt der bisherige Amtsinhaber selber. Jascha Müller ist 50 Jahre alt und Kommandant der Milizfeuerwehr St. Gallen. Seine Analyse beruht nicht nur auf der Tatsache, dass die EVP mit rund drei Prozent Wähleranteil eine der kleineren Parteien im Wahlkreis ist. Bei den letzten Wahlen von 2012 fiel der EVP das Restmandat zu. Für die nächste Amtszeit werden im Wahlkreis St. Gallen-Gossau nicht mehr 30 wie bisher, sondern nur noch 29 Kantonsratssitze vergeben. Was bedeutet, dass es den Sitz, den die Evangelische Volkspartei vor vier Jahren noch verteidigen konnte, nun nicht mehr gibt.

Treue Wählerschaft

«Trotz dieser Ausgangslage glauben wir daran, dass es uns gelingt, den Sitz zu halten», sagt Müller. Damit er im Kantonsrat weiter mitwirken kann, setzt die EVP nicht auf Plakate und Inserate, sondern auf persönliche Kontakte. «Wir können auf eine treue Wählerschaft zählen. Nun geht es darum, diese zu mobilisieren», sagt Samuel Stübi. Der 26jährige Jusstudent belegt den vierten Platz auf der Kantonsratsliste für den 28. Februar.

Im Rest des Kantons tritt die EVP in drei weiteren Wahlkreisen an: in Rorschach, im Toggenburg und im Werdenberg. In letzterem verfügt sie sogar über zwei Listen, einer Haupt- und einer jungen Liste. Im Wahlkreis Werdenberg hält die EVP mit Hans Oppliger zudem ihren zweiten Sitz im Kantonsparlament. Dort hat die EVP eine Fraktionsgemeinschaft mit der CVP.

Zu klein, um Themen zu setzen

Die politische Ausrichtung der EVP fasst Samuel Stübi zusammen: «Wenn es um den Menschen geht, stehen wir eher links, in wirtschaftlichen Fragen eher rechts der Mitte.» Die EVP betreibe insbesondere Familien-, Gesellschafts- und Umweltpolitik. «Wir wollen die bestmöglichen Voraussetzungen für Familien schaffen, wir setzen uns für soziale Gerechtigkeit ein und wir möchten Gottes Schöpfung schützen», sagt Jascha Müller. Mit zwei von 120 Kantonsratssitzen sei es der Partei jedoch kaum möglich, Themen selbst zu setzen. «Wir tun unsere Meinung in Diskussionen stets kund, und ich merke, dass sie wahrgenommen wird», sagt Müller. Für eine kleine Partei sei es besonders wichtig, Partner zu finden, um Anliegen durchzusetzen.

Klar definierte Werte

Die Politik auf die Bibel zu stützen, sei nicht antiquiert, sagt Stübi. «Die christlichen Werte haben unsere Gesellschaft schon weit gebracht. Ich bin überzeugt, dass sie uns auch in Zukunft zum Fortschritt verhelfen werden.» Ausserdem sei die Politik der Partei dadurch transparent: «Der Wähler weiss, dass wir die christliche Ethik als Grundlage für unser politisches Handeln nehmen und welche Interessen wir vertreten», sagt Müller.

Daraus ergebe sich gegenüber bestimmten Themen (wie beispielsweise der Präimplantationsdiagnostik) eine klare, aus der Bibel begründete Haltung. «In vielen anderen Fragen orientieren wir uns zwar an christlichen Werten. Eine vordefinierte Meinung liefern diese uns aber nicht», sagt Müller.

Keine Platzhalter

Nicht nur im Parteiprogramm, sondern auch auf der Liste schlägt sich der religiöse Hintergrund der EVP nieder. Auffallend sind die Berufe: Unter 17 Personen findet sich ein Diakon, ein Pfarrer und ein Pastor. 4 Frauen und 13 Männer treten zu den Wahlen an. 3 der 17 Kandidaten sind jünger als 30 Jahre. «Für uns ist es nicht einfach, die Liste zu füllen. Alle ins Rennen gegangenen Kandidaten machen dies aber aus Überzeugung und nicht als Platzhalter», sagt Müller.

Stübis dritte Kandidatur

Jascha Müller ist im Jahr 2010 für Reto F. Denoth in den Kantonsrat nachgerückt. Der 50-Jährige ist Mitglied der Staatswirtschaftlichen Kommission. Samuel Stübi bekleidet zwar noch kein Amt, ist aber trotzdem kein politischer Neuling. Er kandidiert im Alter von 26 Jahren bereits zum drittenmal für einen Sitz im Kantonsrat.

Aktuelle Nachrichten