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EVERGREEN: Vom Fussballer zum Professor

In St. Gallen erhalten Fussballer mehr Aufmerksamkeit als Architekten. Peter Quarella aber ist eher als Bauexperte bekannt geworden. Doch auch seine Karriere als Spieler des FC St. Gallen verlief ereignisreich.
Fredi Kurth
Peter Quarella (links) bei seinem Début in der 1. Mannschaft des FC St. Gallen am 9. Mai 1964 auf dem Espenmoos. Die Gegner waren die Junioren von Manchester United, die den Match gewannen. (Bild: PD)

Peter Quarella (links) bei seinem Début in der 1. Mannschaft des FC St. Gallen am 9. Mai 1964 auf dem Espenmoos. Die Gegner waren die Junioren von Manchester United, die den Match gewannen. (Bild: PD)

Fredi Kurth

stadtredaktion

@tagblatt.ch

Die 1960er-Jahre wurden in St. Gallen als wirtschaftlich boomend empfunden. Auch der FC St. Gallen hatte sich viel vorgenommen, und unser Zeitzeuge Peter Quarella erwähnt sogleich Präsident Elio Cellere: «Er hatte eine Vision. Er wollte den ältesten Fussballverein des Landes wieder dahin führen, wo er hingehört.» Als Quarella auf dem Espenmoos noch bei den Junioren agierte, dümpelte St. Gallen in der dritthöchsten Spielklasse, der damaligen 1. Liga. Rivale SC Brühl hingegen sonnte sich in der Nationalliga B. Schon damals durfte Quarella ab und zu im Fanionteam, wie es damals hiess, auflaufen. Sein Debüt gab er als 19-Jähriger im Freundschaftsspiel gegen die Junioren von Manchester United, die mit dem späteren Superstar George Best antraten.

Quarella kam nach dem ersten Aufstieg zu immer mehr Einsätzen, was nicht selbstverständlich war. Denn ein Kraftakt, wie er Bauunternehmer Cellere vorschwebte, war ohne das Engagement von auswärtigen Spielern nicht möglich. Nach der Rückkehr in die höchste Spielklasse verfasste das damals nur kurze Zeit existierende Boulevard-Blatt «Neue Presse» sogar einen Artikel mit dem Titel «Die Millio­narios». Weiter hiess es: «Mit Hunderttausenden von Franken stellte der FC St. Gallen ein Star-Team auf die Beine.»

Wie ein Lehrling mitten unter Stars

Quarella trug neben Spielern wie Kurt Grünig, Herbert Renner, Guido Schüwig und Peter Meier zum zweiten Aufstieg innert drei Jahren bei. Aber es gab eine klare Hierarchie: Während die Zugezogenen mit fetten Verträgen ausgestattet wurden, spielte Quarella gratis und franko, erhielt höchstens Punktprämien ausbezahlt. Sein Nebenspieler Salih Sehovic beschied ihm einmal: «Du läufst, ich spiele.»

Dabei hatte sich Quarella, als Strassenfussballer im Linsebüel-Quartier aufgewachsen, auch feines Ballgefühl angeeignet. Mit Richard Dürr vom SC Brühl, dem späteren Internationalen, fehlte es im Linsebühl-Quartier auch nicht an einem Vorbild. Und zusammen mit Teamkollege Leo Bauer übte er in den Pausen des Hadwig-Schulhauses Kopfbälle.

Quarella war dabei, als St. Gallen den FC Bern mit YB-Legende Geni Meier 10:1 besiegte. Und er liess sich im Juni 1968 wie seine Mitspieler in einer Kutsche in die «Hecht»-Bar fahren, als die Mannschaft nach dem entscheidenden Sieg für den Aufstieg in die Nationalliga A von einer riesigen Menschenmenge empfangen wurde. «Dort durften wir ein singendes Mädchen bewundern. Es hiess Paola del Medico.» War Fussball für ihn einfach ein Hobby? «Nein, es war mein Ein und Alles.» Ursprünglich hatte sein Papa Remo, der eine Metzgerei führte, den Beitritt zu einem Fussball-Klub untersagt.

Die Ausbildung zum Hochbauzeichner vernachlässigte Fussballfan Quarella so sehr, dass ihn der Lehrmeister zu entlassen drohte, falls er sich nicht überall um eine ganze Note verbessere. Weil der Bruder des Fachlehrers Juniorenbetreuer beim FC St. Gallen war, erreichte Quarella das Ziel ohne Anstrengung. «Die Lehre beendete ich dann ohne äusseren Beistand mit einem sehr guten Abschluss.»

Künstlerisches Flair setzte sich durch

Seine fussballerische Laufbahn endete abrupt, schon im Alter von 23 Jahren. Im Cupmatch auf dem Krontal, wohin der FC St. Gallen wegen des Tribüne-Neubaus im Espenmoos ausweichen musste, verletzte ihn ein Spieler der Grasshoppers mit einer rücksichtslosen Attacke schwer. Da bot auch der Sieg des NLB- gegen den NLA-Leader wenig Trost. Quarella entschied sich, auf den gelernten, einträglicheren Beruf zu setzen. Immerhin erschien er noch in der Kaderliste der NLA-Mannschaft und erhielt von Trainer René Brodmann im «Tagblatt» besonderes Lob: «Quarella gab nach seiner Verletzung nie auf, stand immer bereit und hat seine Chance wieder wahrgenommen.»

In der Stadt Spuren hinterlassen

Sein künstlerisches Flair am Zeichnungstisch setzte sich jedoch immer mehr durch. Der begabte junge Mann wurde Diplomassistent an der ETH in Zürich und am Istituto Svizzero in Rom, arbeitete in New York und an der ETH als Gastprofessor, später als Professor an der ZHAW in Winterthur. 35 Jahre lang leitete er last, but not least ein Architekturbüro in St. Gallen und übergab dieses vor vier Jahren seinen Nachfolgern.

Im Gegensatz zu Fussballern hinterlassen Architekten sichtbare Spuren ihres Wirkens. Quarella nennt die Zahl von rund 50 Bauten, primär öffentliche Gebäude und Schulhäuser in der Schweiz und in Österreich. In St. Gallen machte er unter anderem durch die Siedlung Russen, das kantonale Hochbauamt sowie die Renovation und Umnutzung der Rösslitor-Gebäude beim Bärenplatz auf sich aufmerksam. Verheiratet mit Marinella und Vater eines Sohnes, ­verfolgt er die Spuren des FC St. Gallen nur noch in den Tageszeitungen und im Fernsehen. Dennoch ist Peter Quarella beeindruckt von der enormen Entwicklung: «Auf der Holztribüne im Espenmoos liessen sich damals so um die 30 Zuschauer nieder.»

FC St. Gallen – Lausanne-Sport Morgen So, 16 Uhr, Kybunpark; Matchtipp Peter Quarella: 2:0

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