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EVERGREEN: Stumpengeniesser mit Stürmerblut

Heinz Rütti war ein typischer Fussballer seiner Zeit, hin- und hergerissen zwischen Sport und Beruf. Keineswegs störend war, dass mit Edy Naegeli der Besitzer einer Tabakladenkette eine Rolle spielte.
Fredi Kurth
Heinz Rütti 1972 im Dress des FC St. Gallen auf dem Espenmoos. (Bild: Franz Krüsi)

Heinz Rütti 1972 im Dress des FC St. Gallen auf dem Espenmoos. (Bild: Franz Krüsi)

Fredi Kurth

stadtredaktion@tagblatt.ch

Es war Sommer, Sommer 1969. Heinz Rütti war gerade aus den Ferien von der Insel Rab in Jugoslawien zurückgekehrt und seiner Sache sicher: Im Alter von 21 Jahren sollte seine Fussballerlaufbahn beendet sein. Ausgerechnet Tabakfass-Besitzer Edy Naegeli, auch Präsident des FC Zürich, hatte befunden, dass ihm Rütti als Filialleiter in der Bahnhofpassage Zürich-HB wichtiger wäre als auf dem Fussballplatz. Das war zuvor anders gewesen: Rütti hatte als gelernter Verkäufer schon bei Naegeli gearbeitet und gleichzeitig als 18-Jähriger beim grossen FC Zürich debütiert, dabei auf dem Letzigrund gegen Lugano die Flanke auf Torjäger Fritz Künzli zum 2:1-Sieg hereingeschlagen. Zürich wurde Meister und Cupsieger. Doch im Starensemble mit Köbi Kuhn und Rosario Martinelli war die Konkurrenz für einen Stammplatz sehr gross, auch wenn Rütti von der Stürmer- in die Abwehrposition zurückrutschte. Die berufliche Ausrichtung anstelle einer Fussballer-Laufbahn war eindeutig festgelegt.

Seinen Transfer aus der Zeitung erfahren

Und nun das. Heinz Rütti hatte die Koffer noch kaum ausgepackt, da las er in der Zeitung: «Rütti spielt nächste Saison beim FC St. Gallen». Schnurstracks erschien der junge Mann bei Naegeli im Tabakfass, der aber nur kurz an seinem Stumpen zog und meinte, das mit dem Filialleiter könne noch etwas warten. Am Tag darauf stand St. Gallens Trainer Albert Sing am St. Galler Bahnhof und empfing Rütti mit dessen Sporttasche. Unverzüglich ging es hinauf zur HSG zum Lauftraining. «Wir Spieler vorneweg, der Trainer mit dem Töffli hinterher», erinnert sich Rütti.

In St. Gallen wollte der Aussenverteidiger mit Stürmerblut unbedingt regelmässig spielen. Er legte ausserhalb des Teamtrainings Zusatzschichten ein. Sing war nicht mehr allzu lange Trainer, aber Coach Kurt Schadegg sagte zu Rütti: «Du bist tiptop, nur etwas fehlt noch.» Zu häufig nämlich landeten Rüttis Flankenbälle hinter dem Tor im Schrebergarten – auch zum Ärger der Espenmoos-Hobbygärtner. Einstündiges, individuelles Training war jeweils angesagt, und relativ schnell wurde aus Rütti ein kleiner Flankengott. So legte er bald einmal seinem Teamkollegen Rolf Blättler den Ball perfekt auf den Kopf zum 2:1-Sieg auf der Pontaise in Lausanne.

Der FC St. Gallen war in Rüttis erster Saison im Cup der Cupsieger engagiert. In der ersten Runde wurde Frem Kopenhagen aus der Konkurrenz geworfen. Danach war Levski Spartak Sofia zu stark und die 0:4-Niederlage eine zu grosse Hypothek für das Rückspiel. «Der Schnee lag meterhoch. Wir Spieler mussten das Feld räumen, aber an flüssige Kombinationen war nicht zu denken», erinnert sich Rütti an das logische 0:0. «Den Bulgaren mussten wir Strümpfe kaufen, damit sie in den kurzen Hosen nicht erfroren.»

Seine Kenntnisse als Tabakwaren-Experte konnte Rütti bei der Firma Wellauer erweitern. Er besorgte die Zigarren-Verzollungen. Wie aber liess sich das Flair für das Rauchen mit dem sportlichen Ehrgeiz verbinden? «Ich habe nie geraucht, ich habe bloss ab und zu eine Zigarre genossen.» Manchmal genehmigte er sich mit Teamkollege Jost Leuzinger ein Nikotinstündchen. Mit ihm hat er heute noch regelmässig Kontakt: Rütti und seine Frau Hanni waren Trauzeugen, als sich Leuzinger 1989 mit Petra vermählte.

Beim FC St. Gallen kein Spiel verpasst

1973, nach 126 Spielen ohne eine einzige Absenz und als Captain während drei Jahren, war die Zeit für den Abschied gekommen. Rütti übernahm im Alter von 25 Jahren am Stauffacher den Hauptsitz von Naegelis Firma, die zehn Filialen umfasste. Rütti arbeitete 23 Jahre bei Tabakfass, ehe er bei Jelmoli Chef der Sportabteilung wurde, in der Versicherungsbranche Fuss fasste und sich im Bettwarenhandel selbstständig machte.

Fussballerisch übernahm er unter anderem Traineraufgaben bei seinem Jugendverein Adliswil (2. Liga), wo es der Zufall wollte, dass im Jahr 1976 der FC-St. Gallen als Cup-Gegner kam und 6:0 gewann. Gemüsehändler und FC-Getreuer Max Locher überbrachte ihm damals zum Dank an seine Zeit in St. Gallen einen Früchte- und Gemüsekorb. An seinem neuen Wohnort Hausen am Albis wirkt Rütti seit 2002 im Kinderfussball mit. Zehn seiner Schützlinge spielen heute in der 1. Mannschaft (3. Liga).

Am 15. August 2015 schloss sich der Kreis. Der FC St. Gallen trat in Hausen zum Cupspiel an (und siegte 9:0). Präsident Dölf Früh war so begeistert von der Organisation, dass er Hausens Klubvertreter in zwei Cars zur nächsten Cuprunde St. Gallen gegen Luzern in die AFG-Arena einlud. «So etwas hatten wir noch nie erlebt, eine tolle Geste», sagt Heinz Rütti.

Tipp FC St. Gallen – FC Lugano morgen So, 16 Uhr, Kybunpark Matchtipp Rütti: 2:1

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