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EVERGREEN: Er brachte Farbe ins Spiel

Guido Palatini ist älteren Semestern noch ein Begriff. Was sie kaum wissen: «Pala» ist der letzte Stammgoalie, der als eigener Junior des FC St. Gallen Bälle abwehrte.
Fredi Kurth
Guido Palatini (vorne mit Ball) ist mit dem FC St. Gallen im Jahr 1965 aufgestiegen. (Bild: pd)

Guido Palatini (vorne mit Ball) ist mit dem FC St. Gallen im Jahr 1965 aufgestiegen. (Bild: pd)

Fredi Kurth

stadtredaktion

@tagblatt.ch

Seit Guido Palatini hat es keiner mehr gepackt. Die Torhüter des FC St. Gallen, die regelmässig in der Stammformation eingesetzt wurden, hatten einen anderen Ursprungsverein. Sie kamen von weit her wie Jean-Paul Biaggi oder von umliegenden Vereinen wie Markus Schüepp oder Daniel Lopar. Einer, der Palatini beinahe nachgefolgt wäre, war Bruno Hafner, der zu Zeiten von Trainer Johannsen aber immer auf der Ersatzbank sass: «Als Knirps schaute ich mit der Nasenspitze über die Espenmoos-Bande. Pala war mein Vorbild. Alle bewunderten ihn und mochten ihn.»

Guido Palatini ist heute 76. Noch immer schaut er jeden Tag im Malergeschäft vorbei. (Bild: PD)

Guido Palatini ist heute 76. Noch immer schaut er jeden Tag im Malergeschäft vorbei. (Bild: PD)

Ja, Guido Palatini war eine besondere Erscheinung: Aufgewachsen im Hagenbuch im Haus, in dem sich später das Restaurant Schnäggehüsli befand, wäre der Weg zum SC Brühl viel kürzer gewesen. Doch Papa Karl war kategorisch: «Zu dä Chrönli gosch du niä.» Nach dem Grund hatte der kleine Guido nie gefragt. Aber mit kindlichem Tatendrang ging der Zwölfjährige schon mit geschnürten Kickschuhen über die Spinnereibrücke aufs Espenmoos zum Training. Immer wollte er Goalie sein. Er hatte kein Vorbild. «Aber ich verglich mich später mit Dino Zoff», erinnert er sich.

Der Torhüter ohne Handschuhe

Zumindest in Stil und Figur ähnelte «Pala» dem italienischen Idol. Die Beliebtheit bei den Anhängern verdankte er seiner unerschrockenen Art, Bälle abzuwehren und den Stürmern in die Parade zu fahren. «I bi en wilde Chaib gsi», sagt er mit immer noch vertrauter tiefer Stimme. Den Ball faustete er mit nackten Händen weg, auch weil es noch gar keine Torhüter-Handschuhe gab. «Meine Mutter hatte mir ab und zu ein Pärchen glismet.» Die benützte er, wenn sich das runde Leder mit Wasser vollsog und doppelt so schwer war wie sonst.

Den ersten Match im Fanionteam bestritt Guido Palatini 1959 in einem Freundschaftsspiel in Winterthur. Die zwei Ligen tiefer engagierten St. Galler gewannen gegen den NLA-Verein 6:5 nach einer 5:0-Führung. An sein erstes Meisterschaftsspiel erinnert sich Palatini nicht mehr, aber umso mehr an den Aufstieg sechs Jahre später, nach einem 3:2-Erfolg in Genf bei Etoile Carouge. Der heute legendäre Otto Pfister war Spielertrainer. Unter dem Mannschaftsfoto sind die Helden, wie damals üblich ohne Vornamen, aufgeführt: Coach Eugster, Pfister, Neuville, Feurer, Frick, Müller, Faccin, Masseur Scheiwiller, Spiko-Präsident Brunner, Küttel, Bauer, Reutlinger, Palatini, Hamel und Pusterla.

Bei Pusterla handelte sich um den zweiten Torhüter, der zu jener Zeit häufiger eingesetzt wurde als heutzutage. Palatini bekam die Konkurrenz in der Nationalliga B besonders zu spüren, als ihm plötzlich Strässle, ein Handball-Goalie von St. Otmar (!), vorgezogen wurde. Zwischen den Pfosten stand er jedoch in jenem Stadtderby, das 1965 auf dem Krontal 3:3 endete, dem ersten nach vielen Jahren und einem der dramatischsten. Unvergesslich für ihn auch das Freundschaftsspiel gegen Bayern München auf dem Espenmoos, an das ihn eine von Franz Beckenbauer unterschriebene Autogrammkarte erinnert. Torhütertrainer gab es damals noch keine, aber ein Torhüter-Training. Der technische Leiter Max Barras liess ihn jeweils Tennisbälle wegfausten – wer den kleinen Filzball trifft, trifft auch die Lederkugel.

Malergeschäft mit zehn Angestellten

Palatini brachte Farbe in Spiel, auch beruflich. In seinem Malergeschäft an der Fürstenlandstrasse erscheint er heute im Alter von 76 Jahren noch regelmässig. Die Leitung hat er vor gut zehn Jahren seinem Sohn Valentino übergeben. Sechs Frauen und vier Männer sind jeweils mit Pinsel und Farbkübel unterwegs. Tagwache in seinem Einfamilienhaus in Guggeien-Höchst ist jeweils um 4.20 Uhr. Eine halbe Stunde später liest der Vater von drei Kindern das Tagblatt (die beiden andern längst erwachsenen Sprösslinge sind Sandro und Petra).

«Palas» machte die Malerlehre bei Hans Richle und arbeitete bald zehn Stunden am Tag. Daneben 4 mal 400 Meter auf der Aschenbahn zu rennen, ohne Aussicht auf einen Stammplatz, war ihm zu viel. Im Alter von 35 Jahren beendeter seine Karriere auf höchstem Niveau.

Als Inhaber von zwei Tribünen-Dauerkarten verfolgt Guido Palatini heute noch ab und zu die Spiele im Kybunpark.

FC St. Gallen – FC Sion

Heute Sa, 19 Uhr, Kybunpark; Matchtipp Guido Palatini: 3:1

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