EVERGREEN: Die flackernde Lichtgestalt

Armin Veh galt in seiner deutschen Heimat als «der neue Franz Beckenbauer». Verletzungen warfen ihn jedoch zurück – und führten ihn für ein Jahr zum FC St.Gallen.

David Gadze
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Armin Veh spielte in der Saison 1983/84 beim FC St. Gallen. (Bild: Archiv St. Galler Tagblatt)

Armin Veh spielte in der Saison 1983/84 beim FC St. Gallen. (Bild: Archiv St. Galler Tagblatt)

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

«Der neue Franz Beckenbauer»: Armin Veh eilt schon als Teenager ein grosser Ruf voraus. Ende der 1970er-Jahre ist er ein Senkrechtstarter im deutschen Fussball. Bereits mit 17 Jahren gelingt dem Libero beim FC Augsburg der Sprung in die 2. Bundesliga. Sein Talent bleibt auch den grossen Clubs nicht verborgen: Trainerlegende Jupp Heynckes holt ihn im Sommer 1979 zu Borussia Mönchengladbach, dem frischgebackenen Sieger des Uefa-Cups (heute Europa League). Ab der Saison 1980/81 kommt er auch regelmässig zu Einsätzen und etabliert sich schliesslich als Stammspieler bei den «Fohlen».

Doch der filigrane Spieler kämpft immer wieder mit Verletzungen. Nachdem er fast die komplette Rückrunde der Saison 1982/83 verpasst, leiht Gladbach den 22-Jährigen nach 60 Einsätzen in der Bundesliga im Sommer dem FC St. Gallen aus, der sich erstmals für den Uefa-Cup qualifiziert hat. Beim FCSG soll er Spielpraxis sammeln. «Einen Wechsel zu einem Konkurrenten aus der Bundesliga liess Gladbach nicht zu», erzählt Veh. Und FCSG-Trainer Helmuth Johannsen will den technisch versierten Libero mit einer guten Spiel­übersicht als Nachfolger von Jerzy Gorgon, nachdem sich die Verpflichtung von Ladislav Jurkemik zunächst zerschlägt. Dass in St. Gallen alles eine Nummer kleiner und un­professioneller ist, stört Veh nicht. «Ich wollte einfach Fussball spielen und mein ­altes Niveau erreichen.»

Immer wieder von Verletzungen gebremst

Sein Können kann Veh allerdings nur selten zeigen. Bereits im dritten Saisonspiel macht ihm eine alte Verletzung an der Achillessehne zu schaffen. Zwei weitere Spiele später ist die Hinrunde für ihn gelaufen. Nach einer «brutalen» Vorbereitung in der Winterpause – «Johannsen liess uns viermal am Tag trainieren, so etwas habe ich nie erlebt» – kommt er bis Ende Saison immerhin auf 18 Einsätze für die «Espen» und kehrt zu Borussia Mönchengladbach zurück. Doch nach nur fünf Spielen zieht sich Veh im ­Oktober 1985 erneut eine Ver­letzung zu. Diese zwingt ihn, ­seine Profi­karriere vorerst zu beenden. «Ich hätte besser trainieren müssen, um meine körper­lichen Schwächen wettzumachen und robuster zu werden», resümiert der 55-Jährige heute.

Danach schliesst er sich ­wieder seinem Stammverein FC Augsburg an, der in der Bayern­liga – damals die dritthöchste Liga – spielt. Nach einer halben Saison beim Lokal- und Ligarivalen TSV Schwaben Augsburg absolviert er zwischen 1987 und 1990 über 50 Spiele in der 2. Bundesliga für die SpVgg Bayreuth, wo er 1990 mit 29 Jahren seine Karriere als Fussballspieler definitiv beendet – aufgrund einer Verletzung.

Mit 19 Jahren Trainingseinheiten notiert

Unmittelbar danach übernimmt er den FC Augsburg als Trainer. «Mir war relativ früh klar, dass ich diesen Weg einschlagen möchte. Ich habe mir schon als 19-Jähriger immer die Trainingseinheiten notiert.» Diese Akribie zeichnet ihn später auch als Trainer aus. Veh ist detailversessen. Das Spektakel ist ihm dennoch lieber als nüchterner Resultatfussball. «Ich gewinne lieber 4:3 als 1:0.» Unter seiner Führung schafft der FCA 1993/94 den ­Aufstieg in die neu geschaffene Regionalliga, die dritthöchste Klasse. Mit der SpVgg Greuther Fürth (1997) und dem SSV Reutlingen (2000) steigt er in die 2. Bundesliga auf. Sein Meisterstück gelingt ihm aber beim VfB Stuttgart. Nach fast eineinhalb Jahren ohne Job beerbt er im Februar 2006 Giovanni Trapattoni als Trainer der Schwaben und führt die Mannschaft in der Saison 2007/08 völlig überraschend zum Meistertitel. Auch bei Eintracht Frankfurt feiert er ab ­Sommer 2011 Erfolge. Er führt die Mannschaft zum sofortigen Wiederaufstieg in die Bundesliga und in der folgenden Saison gleich in die Europa League.

Weniger Glück hat Veh mit den Rückkehren an die alten Wirkungsstätten. In Augsburg wird er 2004 entlassen. Beim VfB Stuttgart tritt er in der Saison 2014/15 bereits nach dem zwölften Spieltag wegen Erfolglosigkeit zurück. Im Sommer 2015, nur ein Jahr nach seinem Abgang, heuert er wieder bei Eintracht Frankfurt an. An die alten Erfolge kann er jedoch auch dort nicht anknüpfen. Nach dem Sturz auf den Relegationsplatz wird er im März dieses Jahres entlassen.

Rückkehr erst im nächsten Sommer

Zu seiner Zukunftsplanung will sich Armin Veh nicht äussern. Er war als Trainier der rumänischen Nationalmannschaft sowie zuletzt beim TSV 1860 München im Gespräch. «Ich habe mich entschlossen, die Auszeit diesmal durchzuziehen. Vor dem nächsten Sommer sieht man mich nicht im Fussballgeschäft.» In welcher Funktion er zurückkehren möchte, lässt er offen.

Matchtip Armin Veh:

FC St. Gallen – FC Sion 4:3

morgen, 16 Uhr, Kybunpark