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EVERGREEN: Der Cupsieger-Captain

Kurt Grünig ist einmalig. Auch weil der Cupsieg des FC St. Gallen anno 1969 einmalig war. Der Berner Oberländer ist aber auch vielseitig, weil er als Ausnahmetalent seiner Zeit keine andere Wahl hatte.
Fredi Kurth
Captain Kurt Grünig zeigt stolz den Cup-Pokal. (Bild: PD)

Captain Kurt Grünig zeigt stolz den Cup-Pokal. (Bild: PD)

Kurt Grünig erscheint gut vorbereitet zum Nostalgiegespräch. Er bringt einen 400-seitigen Wälzer mit, Breitformat, wobei schon die Höhe normales Buchformat umfasst. Das Titelbild zeigt ihn als Captain des FC St. Gallen, wie er im Berner Wankdorf-Stadion den Pokal in die Höhe drückt. «25000 Franken habe ich für die Herstellung ausgegeben. Es enthält ausschliesslich Medientexte und Bilder über meine Laufbahn», sagt Grünig.

Das Werk verdeutlicht die Bedeutung, die der 74-Jährige seiner Karriere und dem Erfolg mit dem FC St. Gallen beimisst. Was auf Gegenseitigkeit beruht: Grünig ist der einzige Cupsieger-Captain des ältesten Fussballvereins der Schweiz. Heute ergraute Anhänger erlebten das schon damals als einen Höhepunkt der Klubgeschichte, doch Grünig erkannte den Wert seiner sportlichen Leistungen erst, als seine Fussballschuhe am Nagel hingen: «Wir waren jung, und alles geschah so schnell.»

Als Star zum FC St. Gallen gewechselt

Nur zwei Jahre verbrachte Kurt Grünig in St. Gallen, wichtige Jahre: Aufstieg aus der Nationalliga B, Cupsieg und Ligaerhalt im «Oberhaus». Grünig wurde am Pfingstmontag 1969 neben dem zweifachen Torschützen Rudi Nafziger zur grossen Figur des Cupfinals. Zweimal legte er dem Deutschen den Ball auf zum 2:0-Sieg gegen Bellinzona. Grünig erinnert sich: «Viele Spieler hatten für den Fall eines Finalsieges keine Prämie im Vertrag. Da versprach mir der damalige Supporter-Präsident Bruno Graf 20000 Franken für die Mannschaft, die ich dann an die Spieler verteilte.»

Grünig war als Nationalspieler zum FC St. Gallen gekommen: Mit 17 Jahren feierte er Einstand beim FC Thun, nach dem Wechsel zu den Young Boys mit 20 Jahren, Debüt im Nationalteam mit zwei Toren beim 2:3 gegen Norwegen. Die Young Boys wollten ihn nicht zur Konkurrenz ziehen lassen und erhielten von Servette und Lugano bei einer Ablöseforderung von 360000 Franken die erwarteten Absagen. Damals konnten die Spieler von den Vereinen noch gesperrt werden, wenn es zu keiner Einigung kam. «St. Gallens Klubleitung erfuhr davon, und ich wechselte für den halben Betrag in die Nationalliga B», erinnert sich Grünig.

Fussballer, Tiefbauzeichner, Offizier, Beizer

Grünig arbeitete gleichzeitig als Tiefbauzeichner vollamtlich beim Kanton und war für die Signalisierung der N1 von Wil nach St. Gallen-Winkeln verantwortlich. Er war auch Oberleutnant der Schweizer Armee, rückte jeweils am Freitagabend mit Nagelschuhen ein und musste seinem Kommandanten eine Flasche Wein spendieren, damit er am Samstagabend zum Spiel erscheinen durfte. Grünigs Bandbreite mutet aus heutiger Sicht unglaublich an. Seinen Lebensunterhalt verdankte er schliesslich seiner Beschäftigung als Barbesitzer. Gerne hätte er in St. Gallen ein Restaurant eröffnet; dafür hätte er aber schon verheiratet sein müssen. Der FC Zürich engagierte ihn als Halbprofi, während er gleichzeitig die Wirtefachschule besuchte, ohne ein Training zu verpassen. FCZ-Präsident Edi Nägeli war aber nicht begeistert und zog ihm 1000 Franken von einem Monatsgehalt ab, Grünig wehrte sich beim Verband mit Erfolg.

Als er im Kreis 3 die Hockstübli-Bar eröffnete, meldeten sich die Moralisten: Ein Fussballer so nahe am Alkohol! Doch Grünig wurde nicht zum besten Kunden seines Lokals. Von seinem strengen Regime sich und den Gästen gegenüber, liessen sich nicht nur viele Fussballer überzeugen, sondern weite Kreise. Bernhard Russi, Roland Collombin, Ferdi Kübler und Hausi Leutenegger bildeten bloss Teil der illustren Gesellschaft. 34 Jahre, bis 2006, hatte die Bar unter Grünigs Leitung bestanden. Für einen Gas-tronomen eine Strecke von biblischem Ausmass.

Mal selbstbewusst, mal nachdenklich

Im Gespräch tritt Kurt Grünig mit dem Selbstbewusstsein eines erfolgreichen Unternehmers auf. Gegenüber seinen Mitspielern soll er einst zuweilen einen etwas militärischen Umgangston gepflegt haben, wie in seinem dicken Band nachzulesen ist. Aber Grünig flicht auch Nachdenkliches ein: «Ich hatte schlaflose Nächte. Der Lohn eines Fussballers reichte nicht für eine gesicherte Existenz. Mir erschien Barbesitzer die einzige und schliesslich richtige Lösung in jener Zeit zu sein.»

1972, vor seinem Wechsel zu Winterthur, war er der dienstälteste Nationalliga-Spieler; in 211 Nationalliga-A-Spielen hatte er 67 Tore geschossen. Grünig bestritt sieben offizielle und fünf damals übliche inoffizielle Länderspiele. Einen beständigen Lebensfluss pflegte er auch in der Ehe mit seiner Frau Katharina, mit der er seit 36 Jahren verheiratet ist. Sie haben einen Sohn und eine Tochter. Grünig war lange Zeit Vizepräsident der «Freunde der Nationalmannschaft», organisiert heute Plauschspiele für ehemalige FC-Zürich-Cracks und schwingt den Golfschläger mit Handicap 16.

Nicht zu vergessen: je zweimal wurde das Multitalent auch mit dem FC Zürich Cupsieger und Vizemeister. Der Klimax seiner Karriere war aber wohl jene Sekunde, als er im Wankdorf den Pokal die Höhe stemmen durfte.

Matchtipp
Sonntag, 16.00, Kybunpark,
FC SG – BSC Young Boys: 1:1.

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