Eurokrise ist angekommen

GOSSAU. Die Euroschwäche macht sich auch in Gossau bemerkbar: Während Fachgeschäfte in Inseraten ihrer Kundschaft hofieren, gibt sich die Handels- und Industrievereinigung kämpferisch.

Johannes Wey
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Rabatte kommen meist aus der eigenen Kasse. (Bild: Johannes Wey)

Rabatte kommen meist aus der eigenen Kasse. (Bild: Johannes Wey)

Seit die Nationalbank vor einem Monat den Euromindestkurs aufgehoben hat, ist die Frankenstärke, die man auch Euroschwäche nennen kann, immer wieder in den Schlagzeilen. Einzelne Gossauer Gewerbler haben schon vor Wochen darauf reagiert, dass ihre Konkurrenz im Euroraum plötzlich um rund 15 Prozent günstiger ist. Ungewöhnlich ist, dass dieser Tage mit den Fachgeschäften Gossau-Arnegg und der Handels- und Industrievereinigung Gossau (siehe Kasten) zwei Gewerbeverbände fast gleichzeitig laut auf sich aufmerksam machen.

Preissenkungen schlagen durch

«Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nahe liegt?», lautet die rhetorische Frage auf zwei Inserateseiten in der «Gossauer Zeitung». Der Text ist umrahmt mit Fotos von Gewerblern. Zudem wird versichert, dass die Preise für Produkte aus dem Euroraum angepasst worden seien.

Laut Julian Stoob von der Sonnen-Drogerie werden diese Preisanpassungen kontinuierlich vorgenommen. Die wenigen Artikel, welche er direkt in Deutschland einkaufe, seien schon länger günstiger. Preisnachlässe von Importeuren, vor allem bei Kosmetika, seien in den vergangenen Tagen nach und nach gewährt worden. «Jeden Tag kommen Preissenkungen dazu», sagt Stoob. Diese können bis zu 20 Prozent ausmachen. Ansonsten merke man wenig von der Euroschwäche, das Einkaufsverhalten sei ähnlich wie vor einem Monat.

Rabatte auf eigene Kosten

Praktisch nur Import-Produkte aus dem Euroraum, vor allem aus Italien, verkauft Alfonso Sarnelli in der Enoteca-Grapperia Vino è Arte. Vom starken Franken profitiert er im Einkauf bislang noch nicht. Mehr als die Hälfte der Produkte kaufe er von Schweizer Zwischenhändlern. Diese hätten die Preise bislang noch nicht gesenkt. In seinem Schaufenster verspricht ein Schild zehn Prozent Eurorabatt. «Die Kunden haben nicht selber danach verlangt, das ist eher Werbung», sagt Sarnelli.

Die Aufhebung des Euromindestkurses von Anfang an stark gespürt hat Alda Mango, Leiterin der Gossauer Filiale der Modekette Mewis. «Vor allem an den Samstagen haben wir weniger Kunden.» Seit gut einer Woche hängt deshalb auch bei ihr ein Schild mit der Aufschrift «15 Prozent Eurobonus» im Fenster. Diesen Rabatt gewähre Mewis selber, da der überwiegende Teil der Ware von Schweizer Zwischenhändlern komme, die kaum Kulanz zeigten. «In St. Gallen oder Wil sind Rabatte verbreitet. Da müssen wir ja mitziehen», sagt Mango.

In anderen Läden spricht man ungern über die Auswirkungen der Euroschwäche. Ein Geschäftsführer sagt: «Wir können froh sein, dass Gossau nicht näher an der Grenze liegt.» So kommen die Kunden trotzdem.

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