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ESSEN: Kein Zucker für die Kleinen

Für die Kitas in der Region Rorschach ist eine ausgewogene Ernährung der Kinder ein zentrales Thema. Wegen des hohen Zuckergehalts ist jetzt auch die allseits beliebte Banane vermehrt tabu.
Rossella Blattmann
Kinder im Tageshort Rorschach-Rorschacherberg essen gemeinsam mit den Erzieherinnen zu Mittag. (Bilder: Rossella Blattmann)

Kinder im Tageshort Rorschach-Rorschacherberg essen gemeinsam mit den Erzieherinnen zu Mittag. (Bilder: Rossella Blattmann)

Rossella Blattmann

rossella.blattmann@tagblatt.ch

Man ist, was man isst. Die Ernährung der Kinder spielt in den Kindertagesstätten, -horten und -krippen in der Region eine immer grössere Rolle. Ein Augenschein im Raum Rorschach zeigt, dass Mädchen und Buben im Laufe der Zeit immer seltener Lebensmittel zu essen bekommen, die Zucker enthalten. Aufgrund des hohen Fruchtzuckergehalts sind mancherorts sogar Bananen verboten. Daneben stellen Gluten- und Laktoseintoleranzen der Kinder sowie der Verzicht von Schweinefleisch aus religiösen Gründen die Kitas bei der Menuplanung teilweise vor Herausforderungen. Dabei zeigt sich, dass die soziale Akzeptanz der Kinder von grosser Bedeutung ist.

Im Tageshort Rorschach-Rorschacherberg in der Stadt Rorschach gibt es aufgrund des hohen Fruchtzuckergehalts der gelben Frucht für die Kleinen ebenfalls keine Bananen. Bei Babys und Kleinkindern bis eineinhalb Jahre hingegen mache man eine Ausnahme, sagt Hortleiterin Karin Gubser. Denn: «Bananen enthalten Stoffe, die für die Frühentwicklung wichtig sind.»

«Kinder könnten sich schnell benachteiligt fühlen»

Im Tageshort Rorschach-Rorschacherberg wird über das Früchteangebot hinaus gänzlich auf Zucker verzichtet. «Für die Kinder gibt es keine süssen Desserts, und zum Trinken gibt es keinen Eistee und keinen Sirup», sagt Gubser. Früher sei das anders gewesen, ergänzt die Hortleiterin mit 25 Jahren Berufserfahrung. Heute werde viel mehr auf ausgewogene Kinderernährung geachtet. «Seit ein paar Jahren machen wir auch beim Projekt Fourchette verte des Amtes für Gesundheitsvorsorge St. Gallen mit.» Dabei handelt es sich um ein Gesundheitslabel, das ausgewogene, fettarme und zuckerfreie Ernährung fördert.

«Heute geben immer mehr Eltern als früher an, dass ihre Kinder eine Gluten- oder Laktoseintoleranz haben», sagt Karin Gubser. Vor allem letztere sei bei ihnen ein Thema. Für die betroffenen Kinder koche man auch speziell. «Wir haben auch Kinder hier, die aus religiösen Gründen kein Schweinefleisch essen», ergänzt die Hortleiterin. In diesem Fall gebe es einen entsprechenden Ersatz. «Wir kochen ohnehin sehr wenig mit Schweinefleisch, da es das ungesündeste Fleisch ist.»

«Regionale und saisonale Küche ist uns hier im Tageshort Rorschach-Rorschacherberg sehr wichtig», sagt Gubser. Dazu legt man grossen Wert darauf, dass die Kinder verschiedene Geschmäcker kennen lernen. Ebenfalls sollen sie erfahren, wie ihr Essen zubereitet wird sowie woher es kommt. «Zweimal pro Woche organisieren die Kinder ihren Zvieri von A bis Z selber. Wir gehen mit ihnen einkaufen, wählen die Lebensmittel gemeinsam aus, und bereiten zusammen den Zvieri für alle vor.» So würden die Buben und Mädchen einen gesunden Umgang mit Ernährung und Lebensmitteln lernen, sagt Gubser. Dies sei in der heutigen schnelllebigen Zeit besonders wichtig. Heute greife man oft gezwungenermassen viel auf Fertigprodukte aus der Tüte zurück. «Die Kinder sollen wieder lernen, wie selbst gemachter Kartoffelstock schmeckt.»

Die Fiorino-Gruppe betreibt die Kinderkrippe Horn-Steinach-Tübach mit zwei Standorten, einem in Steinach und einem in Tübach. Jacques Hefti ist der Verwaltungsratspräsident der Fiorino AG. In den Fiorino-Kitas werde sehr darauf geachtet, dass Kinder einen gesunden Znüni und Zvieri erhalten. «Bananen gehören wegen des hohen Zuckergehalts auch bei uns nicht auf den Früchteteller», sagt er.

Gluten- und Laktoseintoleranz sowie weitere Allergien seien bei den Kindern heute immer mehr ein Thema, dass sie auch beschäftige, sagt Hefti. Dazu kämen die Wünsche der Eltern nach vegetarischer Ernährung oder der Verzicht auf Schweinefleisch. «Kinder könnten sich dadurch in einer Gruppe schnell benachteiligt fühlen, was es zu verhindern gilt», betont er. In den Fiorino-Krippen in Tübach und Steinach sowie an den anderen Fiorino-Standorten berücksichtige man deshalb in der Verpflegung Allergien und Lebensmittel-Unverträglichkeiten, oder wenn ein Kind kein Schweinefleisch oder gar kein Fleisch esse. «Dann steht für das betreffende Kind jeweils eine gleichwertige Alternative auf dem Menuplan», sagt der Präsident der Fiorino-Gruppe.

Am Geburtstag gibt es Kuchen

«Uns sind aus pädagogischer Sicht Rituale wie gemeinsames Essen, Geburtstage und dergleichen sehr wichtig», sagt Hefti. «Deshalb dürfen Kinder bei Kindergeburtstagen einen Kuchen mitbringen, und der darf auch Zucker enthalten.» Diesbezüglich mache man den Eltern keine Vorschriften.

Im Gegensatz zu den Kinderkrippen in Steinach und Tübach sowie dem Tageshort Rorschach-Rorschacherberg gibt es für die Kinder der Kita Goldach Bananen. «Zum Zvieri gibt es regelmässig einen Früchteteller. Dazu gehören auch Bananenrädli», sagt Krippenleiterin Margot Müntener. Ab und zu stehe auch ein Dessert wie zum Beispiel Vanillecreme auf dem Menuplan. Bisher hätten deswegen keine Eltern reklamiert. «Unser Ansatz ist: Süssigkeiten zu verbieten macht keinen Sinn», sagt Müntener. Es sei alles eine Frage des Masses. «Auf einem Ganztagesausflug zum Beispiel nehmen wir auch Gummibärli für die Kinder mit. Das gehört doch einfach dazu.» Auch in den Fiorino-Krippen gibt es für die Kinder ab und zu eine Ausnahme. «Das eine oder andere Mal im Jahr darf es auch mal Pommes frites geben», sagt Jacques Hefti. «Die Freude am Essen gehört zu unsrer Kultur. Das spüren auch die Kinder.»

Kinder ahmen oft ihre Mamis und Papis nach. Das weiss auch Margot Müntener. «Erwachsene haben eine Vorbildfunktion. Wir essen daher immer gemeinsam mit den Kindern. Darauf legen wir in der Kita Goldach grossen Wert.» Wenn die Kinder sehen, dass die Leiterinnen Salat essen, dann täten sie das auch, sagt Müntener.

Veganes für Kinder nicht sinnvoll

Im August soll in Frankfurt eine vegane Kita eröffnen, schreibt die «Frankfurter Allgemeine» online am 19. April. Bei der Fiorino-Gruppe hält man wenig von veganer Ernährung von Kleinkindern. «Vegane Ernährung von Kleinkindern erachten wir als nicht sinnvoll», sagt Jacques Hefti. Deshalb biete man auf Wunsch lediglich vegetarische Nahrung an. Bisher hätte die Fiorino-Gruppe auch kaum Anfragen bezüglich veganer Kinderernährung gehabt.

Auch wenn die vegane Kinderernährung die Region Rorschach noch nicht erreicht hat: In St. Gallen scheint sie zumindest Thema zu sein. «Ich habe ein paar weinige Kunden, die ihre Kinder vegan ernähren», sagt Sibylle Gutbub vom Vegantasia-Shop an der Spisergasse. Ob diese aus der Region Rorschach oder einem anderen Ort im Kanton St. Gallen stammen, wisse sie nicht. Doch sie biete in ihrem Laden keine vegane Kinderkost an. Dazu sei die Zielgruppe zu klein, sagt Gutbub.

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