«Es wird am falschen Ort gespart»

Am 24. September berät das Gossauer Parlament über ein Sparpaket, mit dem ab 2014 jährlich knapp 2,2 Millionen Franken eingespart werden sollen. Eine Umfrage bei Passanten zeigt: Sparen ja, aber am richtigen Ort.

Merken
Drucken
Teilen

Leo Schäfler, 74,

Rentner, Gossau

Ich finde die Sparmassnahmen übertrieben. Man sollte nicht erst dann sparen, wenn man kein Geld mehr hat, sondern schon dann, wenn noch genügend vorhanden ist. Ich war während 31 Jahren Bademeister, deshalb stört mich am meisten, dass beim Schwimmunterricht gespart werden soll. Die Stadtpolizei zu streichen, finde ich auch unsinnig. Wer beschützt uns dann noch? Es wäre besser, wenn die Verwaltung den Rotstift bei sich selbst ansetzen würde. Soviel ich weiss, wurden alleine 120 000 Franken dafür ausgegeben, um herauszufinden, wo man sparen könnte.

Roger Niklaus, 24,

Student, Gossau

Auch in Gossau ist es jetzt an der Zeit, Sparmassnahmen einzuleiten. Der Fehler liegt aber darin, dass die Massnahmen mittels «Rasenmäher-Methode» aufgestellt werden. Statt Prioritäten zu setzen und zu schauen, wo es das Geld wirklich braucht und wo nicht, wird dort gespart, wo sich Mehrheiten finden lassen. So ist am Ende niemand zufrieden. Wenn man beispielsweise bei der Stadtpolizei spart, dann tut man das am falschen Ort. Meiner Meinung nach dürfte man für die Sicherheit sogar eher mehr ausgeben. Bei der Zentrumsgestaltung hätte man jedoch sparen können. Mit dem Geld, mit welchem wir einen Kreisel gebaut haben, wurden in Uzwil gleich mehrere erstellt. Auch bei der Kultur frage ich mich, ob diese von der Stadt finanziert werden soll.

Kurt Rechsteiner, 59, Werbetechniker, Flawil

Ich fahre oft durch Gossau und muss einfach sagen, dass an den falschen Orten gespart wird. Ein Zentrum mit «Pünktli» und einer speziellen Beleuchtung zu gestalten, nur damit sich einer künstlerisch profilieren kann, das ist fraglich. Viele Freunde von mir wohnen hier und die beklagen sich oft darüber. Zudem finde ich es schlimm, dass man bei der Spitex sparen will. Weil es immer mehr alte Leute gibt, wird diese ja immer wichtiger. Auch die Stadtpolizei ist wichtig. Ein Freund wohnt in der Nähe des BBC, und dort gibt es immer wieder Lärmklagen. Bis dann die Polizei dort wäre, würde es wohl ewig dauern.

Marianne Conscience, 36, Hausfrau, Gossau

Es ist immer schwierig zu sagen, wo man sparen soll. Zum Beispiel können grössere Schulklassen Vor- und Nachteile haben. Für die Kinder ist es sicher schön, in einer grossen Klasse zu sein. Aber die Lehrperson hätte dann auch weniger Zeit für das einzelne Kind. Auch Schwimmen lernen könnten die Kinder sonst irgendwo. Doch wenn bei solchen Dingen gespart wird, fällt immer auch ein Ausgleich weg, den die Schüler zum normalen Unterricht haben.

Nico Egger, 70,

Arzt, Gossau

Ich bin mit den vorgeschlagenen Sparmassnahmen absolut einverstanden. Damit befindet sich Gossau sicherlich auf dem richtigen Weg. Ich war bis vor einem Jahr Kantonsrat und weiss, was es heisst, sparen zu müssen. Wichtig ist, dass man Notwendiges von Wünschenswertem unterscheidet. Mit den Massnahmen wurde nun einmal eine gute Ausgangslage geschaffen, die man dann beurteilen muss. Sicherlich gibt es gewisse Punkte, die man noch anschauen muss. Einer davon betrifft die Kürzung des Beitrags für das Gymnasium Friedberg. Für den Standort Gossau ist dieses sehr wichtig.

Natali Pereira, 29,

Reinigung, Gossau

Ich habe selbst einmal Hilfe von der Spitex beansprucht. Wenn der Beitrag für diese nun gekürzt wird, befürchte ich, dass man selbst noch mehr für die Spitex bezahlen muss. Beiträge für die Bildung sind nie hinausgeworfenes Geld, deshalb sollte dort nicht gespart werden. Einsparungen beim Zoo oder den Schwimmbädern würde ich schon eher verstehen. Ich selbst arbeite im Sommer im Schwimmbad. Und die Leute dort sagen, sie kommen, um zu schwimmen und dafür brauche es keinen Luxus.

Rosmarie Kuhn, 65,

Rentnerin, Gossau

Ich bin einfach der Meinung, dass am falschen Ort gespart wird. Wir brauchen kein Glasfasernetz und keinen Bushof. Aber bei der Musikschule, den Sportanlagen oder der Bildung darf man nicht sparen. Das wäre einfach verkehrt. Dass man einen höheren Steuerfuss abgelehnt hat, rächt sich nun. Der jetzige Steuerfuss ist tief, deshalb habe ich auch für eine Erhöhung gestimmt. Nun muss halt gespart werden.

Tanja Eberle, 29,

Hausfrau, Gossau

Die Sparmassnahmen, die die Bildung betreffen, finde ich überhaupt nicht gut. Grössere Klassen bedeuten auch weniger Aufmerksamkeit für den einzelnen. Auch die Polizei braucht es, denn bei Fussballspielen hat es oft viele auswärtige Fans am Bahnhof. Die Stadt hätte besser beim Verkehr gespart. Für die «Tüpfli» sind wir mittlerweile weltbekannt, aber gebraucht hätte es sie nicht.

Isabelle Mosberger, 21, Zugbegleiterin, Gossau

Je nachdem, wo man spart, ist es auch mehr oder weniger angemessen. Für mich persönlich sind der Zoo oder das Schloss Oberberg Kulturgüter, die unterstützt werden sollen. Aber auch dort müssen die Beiträge abgewogen werden. Anderswo gäbe es sicher Sparpotenzial. Man muss sich beispielsweise fragen, ob es für das Hallenbad einen Neubau braucht. Eine Sanierung würde wohl günstiger kommen.

Sandro Helfenberger, 22, Schreiner, Arnegg

Bei einigen Massnahmen muss man sich schon fragen, ob sie auch sinnvoll sind. Wo sollen beispielsweise Kinder schwimmen lernen, wenn sie in der Schule nicht mehr genug Möglichkeiten dazu haben? Bei grossen Klassen sind dann die Lehrer wohl irgendwann überfordert. Und wenn es keine Stadtpolizei mehr gibt, kann dann jeder machen, was er will? Die Stadt hätte besser an anderen Orten gespart. Zum Beispiel bei den Punkten im Zentrum oder dem farbigen Belag. Für den hat man, so viel ich weiss, extra eine spezielle Putzmaschine kaufen müssen. Text: Flavio Dal Din

Bilder: Linda Müntener