Es war einmal eine Vogelhecke

EGGERSRIET. 25 Jahre sind es her, seit der Verkehrsverein Eggersriet-Grub eine Vogelschutzhecke gepflanzt hat. Mit Erfolg: Jüngst quartierte sich dort sogar ein Neuntöter ein. Seit kurzem ist die Hecke aber praktisch tot. «Vergiftet», wie es heisst.

Corinne Allenspach
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Ein männlicher Neuntöter. (Bild: Fotolia)

Ein männlicher Neuntöter. (Bild: Fotolia)

Die Freude war gross. Vergangenen Sommer hat sich erstmals ein Neuntöter in der Hecke einquartiert, die am Fussweg zur Eggersrieter Höchi liegt. Dem in unserer Region kaum verbreiteten, wenige Gramm leichten Singvogel schien es im dichten Gestrüpp aus Pfaffenhütchen, Weissdorn, Schwarzdorn, Hundsrosen, Hartriegel und Schneeball zu gefallen. «Und wir alle haben uns riesig gefreut», sagt Ursi Bischof, Präsidentin des Verkehrsvereins Eggersriet-Grub SG. Mitglieder des Verkehrsvereins waren es, welche die Vogelschutzhecke vor 25 Jahren gepflanzt hatten. Und sie waren es auch, die im Herbst feststellten, dass mit der Hecke irgendetwas nicht stimmt.

Zu spät für einen Nachweis

Heute ist es nicht mehr die Freude, die bei Ursi Bischof gross ist, sondern die Enttäuschung. «Die Hecke ist zu 90 Prozent zerstört», sagt die Präsidentin. Wo früher saftig grüne Blätter sprossen, überwiegen heute abgestorbene, blattlose Äste. Das einst saftige Gras rund um die Hecke präsentiert sich in einem trostlosen Gelb-Braun. Für den Verkehrsverein ist klar: «Die Hecke wurde mutwillig vergiftet.» Nur: Beweisen lasse sich das kaum mehr. «Wir hätten damals im Herbst gleich Bodenproben nehmen müssen», sagt Ursi Bischof. Jetzt, ein halbes Jahr später, seien Pestizide nicht mehr nachzuweisen – oder nur für teures Geld.

«Ein Affront»

Vertreter des Verkehrsvereins und der Gemeinde waren kürzlich vor Ort, um sich den Schaden anzuschauen. Denn gemäss kommunaler Schutzverordnung ist die Hecke ein schützenswertes Naturobjekt. Auch das kantonale Amt für Umwelt und Energie (AfU) wurde beigezogen, konnte aber wenig ausrichten. «Es ist hoffnungslos, nach so langer Zeit noch ein Pestizid nachweisen zu wollen», heisst es seitens des Amts. Und, was Ursi Bischof besonders ärgert: Vertreter des AfU bezeichneten die Hecke als «etwas verwildert und nicht übermässig gepflegt». «Sie fragten, ob sie vielleicht falsch geschnitten worden sei», sagt Ursi Bischof. Für sie «ein Affront gegenüber all jenen, welche die Hecke seit Jahren pflegen». Ausserdem, gibt Ursi Bischof zu bedenken, könne es ja wohl nicht sein, dass wegen eines falschen Schnitts eine ganze Hecke absterbe. Ebenso wenig wie der harte Winter schuld sein könne. «Einheimische Sträucher gehen in der Kälte nicht kaputt.»

Gülle tötet keine Hecke

Für Ursi Bischof gibt es weiterhin nur eine Erklärung für den erbärmlichen Zustand der Vogelschutzhecke: Sie wurde vergiftet. Dies will man auch beim AfU nicht ausschliessen: «Vermutlich wurde ein systemisch wirkendes Herbizid angewandt.» Eines, das über die Wurzeln aufgenommen und im Saftstrom in der Pflanze verteilt werde. Was sicher nicht in Frage komme, sei Gülle. «Die tötet keine Hecke.» Ausgeschlossen werden könne auch, dass jemand etwas auf die Blätter gespritzt habe. Der Aufwand für eine ganze Hecke wäre zu gross. «Man müsste gleich mit einem Tank vorfahren.» Wie es mit der Hecke weitergehen soll, weiss derzeit niemand. «Klar ist nur, es wird Jahre dauern, bis sie wieder so ist, wie sie war», sagt Ursi Bischof. Auf eine Anzeige gegen Unbekannt will der Verkehrsverein verzichten. Stattdessen werde man wohl abwarten müssen und hoffen, «dass irgendwo doch noch eine Information durchdringt».

Gemeinde sucht Zeugen

Einen Aufruf, sachdienliche Hinweise zu melden, startete auch Gemeindepräsident Markus Peter im Mitteilungsblatt. Konkretes sei nicht eingegangen, sagt Peter. «Aber Tips, was wir noch abklären sollen.» Man werde jedem Hinweis nachgehen, schliesslich sei es auch Aufgabe der Gemeinde, zu schauen, dass die Hecke als eines von rund 100 geschützten Naturobjekten im Dorf wieder auf Vordermann gebracht werden könne. Bis es so weit ist, wird sich Ursi Bischof noch viele Male fragen: «Wem hat es genützt, die Hecke zu vergiften?»

Mehrheitlich braun statt saftig grün: Die Vogelschutzhecke am Weg zur Eggersrieter Höchi macht seit diesem Jahr einen trostlosen Eindruck. (Bild: Fredy Nold)

Mehrheitlich braun statt saftig grün: Die Vogelschutzhecke am Weg zur Eggersrieter Höchi macht seit diesem Jahr einen trostlosen Eindruck. (Bild: Fredy Nold)

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