«Es war ein florierendes Städtli»

Die Firma Eggenberger Wohnen GmbH zieht nach 35 Jahren von Rheineck nach Widnau. Ivo Eggenberger erklärt, warum er seine Zelte in Rheineck abbricht und wie er die Zukunft im Städtli sieht.

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Ivo Eggenberger wird sein Geschäft an der Hauptstrasse 17 in Rheineck Ende März schliessen. (Bild: Susi Miara)

Ivo Eggenberger wird sein Geschäft an der Hauptstrasse 17 in Rheineck Ende März schliessen. (Bild: Susi Miara)

Ein seit 35 Jahren in Rheineck ansässiges Geschäft zieht nach Widnau. Warum?

Ivo Eggenberger: Ich habe vor vier Jahren das Geschäft von meinem Vater übernommen. Zuerst waren noch Wohnungen im Haus. Später hat mein Vater das Geschäft ausgebaut. Heute gehören drei Stockwerke zum Geschäft. Damals war Rheineck ein touristisches, florierendes Städtli, das von vielen Leuten besucht wurde. Wir waren sehr erfolgreich, haben sogar ins Ausland verkauft. Seit Rheineck renoviert und verschönert wurde, ziehen immer mehr Läden weg. Die Geschäfte laufen schlecht. Nachdem Coop letztes Jahr weggezogen war, wurde es noch schlimmer. Für mich war es der richtige Zeitpunkt, mich neu zu orientieren.

Haben die Behörden Ihre Anliegen nicht erkannt?

Eggenberger: Im Gegenteil. Wenn im Städtli etwas lief, wie zum Beispiel am Martinimarkt oder am Jakobimarkt, wurden meine Schaufenster durch Marktstände verdeckt. Wir konnten unser Sortiment an den Tagen mit viel Publikum nicht präsentieren. Ich hatte das Gefühl, die Stadt machte dies aus Trotz, denn gegenüber, wo es keine Geschäfte gibt, standen keine Marktstände. Ich habe mit der Stadtverwaltung Kontakt aufgenommen und gefragt, ob sie mich aus Rheineck vertreiben wollen. Ihre unbefriedigende Antwort war dann für mich ausschlaggebend, zu gehen.

Hat der Wegzug von Coop die Situation im Städtli verschärft.

Eggenberger: Natürlich. Früher kamen Leute aus Thal und sogar aus Walzenhausen zum Einkaufen. Jetzt spielt sich alles ausserhalb des Stadtkerns ab. Niemand kommt mehr und irgendwann werden die kleinen Läden ganz vergessen. Ich denke, dass für unseren Stadtrat wichtig war, dass Coop in Rheineck bleibt. Egal, zu welchem Preis.

Wie sehen Sie Rheinecks Zukunft?

Eggenberger: Ich glaube, Rheineck wird sterben. Am Schluss werden noch die drei Grossverteiler bleiben. Für Rheineck sehe ich keine grosse Chance, ein touristisch attraktives Städtli zu bleiben. Die Stadt wird vermutlich in Zukunft eine Wohnstadt, mit nur noch wenigen oder gar keinen Geschäften.

Warum ist es so weit gekommen?

Eggenberger: Aus meiner Sicht sind Leute am Ruder, die sich selbst verwirklichen wollten und falsche Strategien verfolgten. Ein Beispiel: Es fahren eine halbe Million Menschen mit dem Velo um den Bodensee. Diese halbe Million muss durch Rheineck fahren. Früher fuhren all diese Velofahrer durchs Städtli. Sie haben Restaurants und Geschäfte belebt. Diese Leute werden heute über die Holzbrücke nach Vorarlberg geleitet. In Restaurants in Vorarlberg muss man eine halbe Stunde anstehen, wenn man ein Mineralwasser trinken möchte. In Rheineck sind die Restaurants im Sommer leer. Dies nur, weil man sie bei der Planung nicht berücksichtigt hat.

Wo wird man Sie in Widnau finden?

Eggenberger: In den Räumen von Büchel Wohnkultur. Im Januar hat mich Clemens Büchel aus Widnau gefragt, ob ich nicht sein Geschäft übernehmen möchte. Damals habe ich noch verneint. Nach dem Briefwechsel mit der Gemeinde habe ich mir es jedoch anders überlegt und zugesagt. Im Herz tut es mir weh. Ich bin aber sicher, dass es der richtige Zeitpunkt ist. Für den Verkaufsladen lege ich jeden Monat drauf. Mit der Polsterei, den Vorhängen und Bodenbelägen kann ich den Laden finanzieren. Schade finde ich, dass unsere Kunden ein weiteres Geschäft in Rheineck verlieren werden. Sie verstehen zwar unsere Situation, viele sind aber überzeugt, dass das Städtli heute schon tot ist.

Warum haben Sie sich für Widnau entschieden?

Eggenberger: Ich habe eine Studie durch die Fachhochschule machen lassen. Sechs Studenten haben mein Geschäft analysiert und verschiedene Standorte in St. Gallen, Rorschach, Rheineck, Au, Heerbrugg und Widnau getestet. Widnau war ihrer Ansicht nach die florierendste Region. Spätestens am 11. März möchte ich in Widnau eröffnen.

Werden Sie das Geschäft in Rheineck vermissen?

Eggenberger: Natürlich. Wir haben sehr viele gute Kunden in Rheineck und der Umgebung. Ich habe versucht, einiges zu machen, damit ich in Rheineck bleiben kann, doch leider ohne Erfolg. Ich freue mich jetzt auf unseren neuen Standort in Widnau und hoffe, dass unsere Kundschaft uns auch dort besuchen wird. Wir verlassen den Standort, nicht unsere Kunden.

Werden Sie das Lokal in Rheineck vermieten?

Eggenberger: Wir suchen einen Mieter oder Käufer für die ganze Liegenschaft. Es gab auch schon Interessenten, die das Haus kaufen wollten. Ihre Preisvorstellungen waren jedoch unrealistisch. Möglich ist, dass wir unsere Produkte im Schaufenster ausstellen. Sonst bleibt der Laden leer.

Interview: Susi Miara