Es stimmt einiges nicht in dieser Bauverwaltung

«Politiker sprechen von Schlamperei», Ausgabe vom 23. Mai 2017

Hansueli Stettler
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Die Direktion Bau und Planung der Stadt St. Gallen lag in den Zeiten nach Stadtbaumeister Franz Eberhard, als von bürgerlicher Seite die Kompetenzen dieser Stelle massiv zusammengestrichen wurden, in den Händen von wenig erfahrenen oder allem auf Ästhetik abzielenden Stadtbaumeistern wie Martin Hitz und Wiebke Rösler sowie von Stadträtinnen, die kaum etwas in den Griff bekamen. Sie konnten oder wollten keine politischen und kaum technische Probleme bewältigen. Gerne erinnern wir uns für diese Zeit an allerlei Apéros mit äusserst fein ziselierten, anspruchsvollen Reden.

Das Athletik-Zentrum hat eine komplexe Baugeschichte: Gebaut wurde es 2004 bis 2007 unter Zeitdruck wegen terminierter Subventionen. Dazu kam der Druck einschlägiger Kreise für den Bau eines Parkhauses. Die nachträgliche Erweiterung des Projektes um die Parkgarage führte zu den bekannten Rutschungen in der Bürglistrasse mit Folgekosten in Millionenhöhe (Sicherungen, Mietausfälle, letztlich erzwungener Kauf der ganzen Häuserzeile durch die Stadt). Der orange Belag der aufklappbaren Rundbahn des Athletik-Zentrums musste (in den letzten zehn Jahren) von der ausführenden Firma Walo-Industriebeläge nach jedem Gebrauch (teilweise im 14-Tages-Rhythmus) sehr aufwendig neu erstellt werden, weil er sich wellte. Alle Experten hatten davor gewarnt. Auch anlässlich eines Reislis der Baukommission in den hohen Norden wurde abgeraten. Man machte es trotzdem. Und dann – das ist eine bekannte St. Galler Usanz – wartet man die zehn Jahre Garantiefrist ab, bis nichts mehr zu ändern ist.

Oder: Preisüberschreitungen werden als Unterhaltsmassnahmen in den nächsten Jahren verrechnet, was dazu führen kann, dass neuwertige (Notlösungs-) Linoleumböden nach kurzer Zeit wieder herausgerissen werden und teure Plattenbeläge eingebaut werden.

Oder man baut beim Jugendtreff Lachen das Dach neu, weil ein Sturm das ungesicherte Vordach weggerissen hat: Die Stützen wurden aus ästhetischen Gründen grad ausgewechselt... Klar, dass die Glasoblichter weggelassen wurden, das Dach eine hässliche Asymmetrie bekam und dafür auch hinten eine neue Dachrinne montiert wurde, wobei die bisherige Regenwasser-Versickerung dieses Gebäudes übersehen wurde.

Die Bauverwaltung braucht dringend eine Kur. Und zwar eine Bau-Kultur-Kur, die mit der neuen Crew hoffentlich gute Resultate bringt.

Hansueli Stettler

Lindenstrasse 132, 9016 St. Gallen

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