Es kam und kam keine SMS

Holz, Bambus, Plexiglas: Das sind die Ingredienzien für jenes Möbel, das am Schreinerwettbewerb an der Offa die Jury überzeugte. Geschaffen hat es die 20jährige Andwilerin Ramona Weber.

Marianne Bargagna
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Das siegreiche Fernsehmöbel von Ramona Weber. (Bild: pd)

Das siegreiche Fernsehmöbel von Ramona Weber. (Bild: pd)

andwil-gossau. In einer Schreinerei, da fliegen Späne, fallen manchmal auch rauhe Worte. Ein Ort, wo eine zierliche Frau wie Ramona Weber sich wohl fühlen kann? Die 20jährige Andwilerin lacht. Sie absolviert in der Schreinerei von Hans Rechsteiner an der Quellenhofstrasse 17 in Gossau eine Schreinerlehre. Einem Ort, wo dank des technischen Fortschrittes nicht mehr so viel Späne fliegen und auch nicht so viele rauhe Worte wie zum Beispiel auf dem Bau fallen, erklärt die zierliche Frau. Sie fühle sich wohl hier und lerne viel.

Man glaubt es ihr aufs Wort. Umsonst hat sie den Lehrlingswettbewerb für Schreiner nicht gewonnen. Dass seine Lehrtochter den ersten Preis holte, macht den Lehrmeister Hans Rechsteiner stolz. Zu Recht. Ramona Weber ist aber nicht der erste siegreiche Lehrling aus seiner Werkstatt. Bereits vor drei Jahren stand ein Rechsteiner-Lehrling auf dem Siegerpodest.

Holz ist mega schön

Doch zurück zu Ramona Weber, einer jungen Frau mit modischen Attributen wie silbernen Ohrringen. Ihre Hände sind feingliedrig. Sie können aber kraftvoll zupacken, wie sie an einer der grossen Hobelmaschinen demonstriert. So streng, wie die Arbeit des Schreiners vor einigen Jahren noch war, sei sie heute nicht mehr, sagt Hans Rechsteiner. Trotzdem ist Ramona Weber froh, dass sie in einem Kurs den Umgang mit grossen Sägen und Hobeln kennen lernen konnte. «Das war cool. So weiss man wenigstens, wie schön es heute ist mit all den Maschinen.»

Moderne Maschinen, die das Schreinerhandwerk erleichtern, sind das eine. Die Freude am Beruf das andere. Sie liebt ihren Beruf, die junge Schreinerin, die einst als Köchin, im Detailhandel und Gesundheitsbereich geschnuppert hat. «Aber alles sagte mir nicht so zu wie die Schreinerei.» Denn: «Holz ist ein mega schönes Material – und warm.»

Bangen und hoffen

Mit eben diesem warmem Material wollte sie arbeiten. Und sie tut es mit Erfolg, wie ihr 1. Rang am Lehrlingswettbewerb beweist. Angemeldet hatten sich dafür etwa 120 Lehrlinge aus dem St. Galler Verband, der Sektion Thur-Linth und aus dem Fürstentum Liechtenstein. Schliesslich haben etwa 100 Lehrlinge Arbeiten eingereicht, etwa 30 der Arbeiten wurden an der Offa ausgestellt. Die Konkurrenz war also gross. Das habe sie gewusst und sich trotzdem zum Ziel gesetzt, den 1.

Preis zu holen. Ramona Weber hat ihr Ziel erreicht – aber nicht ohne zwischendurch zu bangen. Das Bangen ist vorbei. Sie lacht befreit und erzählt: Den Teilnehmenden sei gesagt worden, dass ihnen, sollten sie die Hürde an die Offa genommen haben, dies per SMS mitgeteilt würde. «Und bei mir kam und kam lange keine SMS.» Das habe sie schon etwas traurig gemacht.

Zu Hause in Andwil hätten sie bereits die Stube ausgeräumt, weil sie gedacht habe, dass sie ihr Möbel sofort wieder mitnehmen könne. Es kam anders. Ramona Webers Möbel wurde an die Offa transportiert und sie selber durfte dort aufs Treppchen.

Etwas Spezielles

Ihre Augen strahlen, wenn sie vom Werdegang ihres Siegerstückes, eines Fernsehmöbels, erzählt. Im vergangenen November begann die Arbeit mit der Suche nach Ideen. «Ich wollte etwas ganz Spezielles machen.

» Im Dezember dann der Prototyp. Mitte März war das Prunkstück aus Holz, Bambus und Plexiglas fertig. Wie viele Stunden sie daran gearbeitet hat, weiss Ramona Weber nicht. Sie lacht verschmitzt: «Dass ich die Stunden nicht notiert habe, das war ein Fehler.» Über den Daumen gepeilt dürften es aber etwa 200 Stunden gewesen sein – Freizeitstunden.

Jetzt steht sie wieder in der Werkstatt und arbeitet vor allem mit Männern zusammen. Ein Umstand, der bei ihr zu Beginn der Lehre ein etwas mulmiges Gefühl ausgelöst habe. Dieses sei verschwunden. Ramona Weber lacht spitzbübisch: «Ich habe ja auch eine Unterstiftin. Und das ist gar nicht schlecht.»

Strahlende Gewinnerin: Ramona Weber aus Andwil an ihrem Ausbildungsplatz in der Gossauer Schreinerei Hans Rechsteiner AG. (Bild: Hanspeter Schiess)

Strahlende Gewinnerin: Ramona Weber aus Andwil an ihrem Ausbildungsplatz in der Gossauer Schreinerei Hans Rechsteiner AG. (Bild: Hanspeter Schiess)