«Es ist überall sehr eng geworden»

An der Hochschule für Technik Rapperswil (HSR) herrscht seit Jahren Platznot. Am 23. September wird über den Bau eines neuen Forschungszentrums abgestimmt. Rektor Hermann Mettler ist zuversichtlich, dass das Projekt die entscheidende Hürde nimmt.

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Die HSR wird immer beliebter: In den vergangenen zwölf Jahren hat sich die Zahl der Studierenden mehr als verdoppelt. (Bild: Hochschule für Technik Rapperswil)

Die HSR wird immer beliebter: In den vergangenen zwölf Jahren hat sich die Zahl der Studierenden mehr als verdoppelt. (Bild: Hochschule für Technik Rapperswil)

Herr Mettler, am 23. September entscheidet das Stimmvolk, ob das neue Forschungszentrum an der HSR gebaut werden kann. Sind Sie nervös?

Hermann Mettler: Das ist eine schwierige Frage. Sagen wir's so, ich werde erleichtert sein, wenn die Abstimmung vorbei ist und die Vorlage angenommen wurde.

Glauben Sie die Leute auf Ihrer Seite?

Mettler: Ich bin optimistisch, dass wir diese entscheidende Hürde nehmen werden.

War es ein steiniger Weg bis hierhin?

Mettler: Ja, ein sehr schwieriger Weg. Am meisten Energie gekostet hat der komplizierte und langwierige politische Prozess. Ein schwerer Schlag war zudem der Austritt des Kantons Zürich aus der Trägerschaft der HSR. Den Mitarbeitern des St. Galler Hochbauamts muss ich aber ein Kränzchen winden. Sie haben das Projekt immer unterstützt und uns hochprofessionell begleitet.

Es hiess immer wieder, die HSR platze aus allen Nähten. Wie akut ist die Platznot wirklich?

Mettler: Es ist überall sehr eng geworden. In den vergangenen Jahren mussten wir Schulräume und Übungssäle blockieren, um mehr Platz für die Forschung zu schaffen. Studenten müssen sich fürs Selbststudium in die Gänge setzen. Eine architektonische Katastrophe sind auch die provisorischen Container, wo wir über 100 Arbeitsplätze für Masterstudierende und Forschende eingerichtet haben. Mit dem neuen Zentrum würden die blockierten Räume wieder für den Unterricht frei.

Wann hat sich die Platznot abgezeichnet?

Mettler: Schon vor acht Jahren habe ich aufgrund einer Zukunftsstudie vorausgesagt, dass die Situation unerträglich werden wird. 2003 waren in der Forschung 60 Mitarbeiter angestellt, heute sind es über 200. Die Zahl der Studenten hat sich seither verdoppelt. Zu den 1456 Bachelor- und Masterstudenten stossen Mitte September 430 Erstsemestrige.

Abgesehen von der Platznot – warum ist das neue Forschungszentrum für die HSR so wichtig?

Mettler: Erstens gehört es zu unserem Leistungsauftrag, anwendungsorientierte Forschung und Entwicklung zu betreiben, und dafür brauchen wir eine entsprechende Infrastruktur. Zweitens tragen wir dazu bei, die aktuell schwierige wirtschaftliche Situation zu meistern, indem wir mit den Unternehmen aus der Region zusammenarbeiten. Und drittens dient die Forschung jungen Leuten als Sprungbrett in die Arbeitswelt.

Welche Studienfächer sind besonders beliebt?

Mettler: Ein Dauerbrenner ist Informatik. Auch Maschinentechnik und der Studiengang «Erneuerbare Energien und Umwelttechnik» sind beliebt. Wir haben ihn wenige Monate vor dem Unglück in Fukushima eingeführt. Auch das Interesse an Landschaftsarchitektur ist in den vergangenen Jahren enorm gewachsen.

In welchen Bereichen soll im neuen Zentrum geforscht werden?

Mettler: Den grössten Teil machen die Institute der Maschinentechnik aus, dann Informatikforschung, Elektrotechnik und Erneuerbare Energien und Umwelttechnik. Derzeit sind über 270 Projekte am Laufen. Das neue Forschungszentrum soll den Studenten für die praktische Arbeit und das Experimentieren ebenfalls offenstehen.

Können Sie eines der Projekte beschreiben?

Mettler: Wir forschen zum Beispiel an neuartigen Heizsystemen, die 25 Prozent weniger Energie brauchen. Dazu braucht es thermische Sonnenkollektoren, kombiniert mit speziellen Wärmepumpen.

Wie sieht der Trend für die kommenden Jahre aus?

Mettler: Stark entwickelt hat sich etwa das Institut für Solarprüfung und -forschung. Weiterhin wird es an Ingenieuren mangeln. Ich erwarte, dass in den nächsten fünf Jahren die Zahl der Studierenden auf etwa 1800 ansteigt. Noch ist der Sog der Wirtschaft aber gross, nur die Hälfte aller Berufsmaturanden geht studieren. Das könnte sich bei der unsicheren Wirtschaftslage ändern.

Welchen Herausforderungen hat sich die HSR sonst noch zu stellen?

Mettler: Wir müssen uns im Hinblick auf die Entwicklungen in Asien alle Mühe geben, am Ball zu bleiben. Sonst geht die Zukunft an uns vorbei. Das gilt nicht nur für die HSR, sondern für die Schweiz als Forschungsstandort. Erst einmal warten wir aber den 23. September ab. Ich hoffe, es gibt an diesem Sonntag Champagner.

Interview: Janina Gehrig

Hermann Mettler Rektor Hochschule für Technik Rapperswil (Bild: Quelle)

Hermann Mettler Rektor Hochschule für Technik Rapperswil (Bild: Quelle)

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