Es ist noch ein langer Weg

Der 48jährige Tscheche Vaclav Lanca ist Trainer der zweiten Mannschaft von Fortitudo Gossau. Ab morgen trifft sein Team in zwei Finalspielen auf die Kadetten Schaffhausen II und spielt um den Aufstieg in die 1. Liga.

Hans-Caspar Kellenberger
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Vaclav Lanca stieg als Trainer bereits dreimal mit einem Team auf – nun will er es ein viertes Mal schaffen. (Bild: Luca Linder)

Vaclav Lanca stieg als Trainer bereits dreimal mit einem Team auf – nun will er es ein viertes Mal schaffen. (Bild: Luca Linder)

HANDBALL. Vaclav Lanca kennt das Kribbeln, die Anspannung, wenn sich die Chance ergibt, mit einer Mannschaft aufzusteigen. Als er auf die Saison 2009/2010 Fortitudo Gossau II übernahm, war das erklärte Ziel der Aufstieg in die 2. Liga. Nun kämpft die Mannschaft ab morgen um den Aufstieg in die 1. Liga. Lanca weiss, wie man aufsteigt. Er hat es als Trainer bei Arbon von der 2. Liga bis in die NLB geschafft und zuvor – als langjähriger Profispieler – Erfahrungen gesammelt. Zahlreiche NLA-Einsätze in der Schweiz hat er hinter sich, an den Olympischen Spielen 1992 spielte er als Teil der tschechischen Nationalmannschaft mit.

Lange, intensive Profikarriere

Angefangen hatte alles in der tschechischen Stadt Ostrava, wo Lanca und seine Kollegen sonntags immer Fussball spielten. Ein ortsansässiger Handballtrainer wurde auf die Fussballspieler aufmerksam und so wechselten sie vom einen Tag auf den andern zum Handball. «Von Sonntag auf Montag wurde ich zum Handballspieler», sagt Lanca. Von den fünf Jungen wurde aber nur er am Ende ein Profi. Nachdem der gebürtige Tscheche vier Jahre in Spanien verweilte, ging er zurück nach Tschechien und nahm an der Handball-EM 1998 in Italien teil. Danach wollte er noch einmal ins Ausland, die Schweiz hatte ihm damals zugesagt. Lanca sieht es nicht als ein «in der Schweiz hängengeblieben» an, sondern eher als «am Ball geblieben». Dies ist der 48jährige ehemalige Profi auf jeden Fall. Nach Stationen in der Schweizer NLA und NLB wollte er sich weiterbilden und Trainer werden.

Den Anreiz dazu, Trainer zu werden, begründet Lanca damit, dass man als Spieler manche spannende Facetten einer Partie gar nicht sehen kann, wenn man darin involviert ist. Lanca ist in seiner Trainerkarriere schon dreimal aufgestiegen. In der NLB war aber immer Schluss, weil er keine Lizenz für die Liga hatte. An dieser arbeitet er nun, um Profitrainer zu werden. «Es ist ein langer Weg, Papierkram ist nicht so meine Welt. Ich weiss aber, dass es dazugehört», sagt er. Auch mit dem Sprung zu einer höherklassigen Mannschaft hat Lanca keine Eile: «Dafür sind andere Leute zuständig. Ich will mir nicht etwas aufzwingen. Wenn ein Angebot kommt, werde ich schauen.» Vorerst bleibt Lanca bei Fortitudo Gossau II und konzentriert sich auf die kommenden Aufgaben. Schon morgen muss seine Mannschaft gegen die Kadetten Schaffhausen II zum ersten Finalspiel antreten. Gossau spielt um den Aufstieg in die 1. Liga. Überrascht ist Lanca weniger, er sieht die Chance eher als eine logische Konsequenz aus der harten Arbeit der vergangenen vier Jahre. «Die Spieler sind erfahrener und auch physisch kräftiger», sagt er. Der Tscheche ist ein akribischer Arbeiter und verlangt seinen Spielern viel ab. Vor einer Partie wie der gegen die Schaffhauser hat der Trainer nach Lancas Meinung vor allem eine Aufgabe: die Fitness der Spieler auf dem jetzigen Niveau zu halten. «Die Taktik beherrschen wir. Es bringt nichts mehr, sie lange zu üben. Die Physis steht nun im Zentrum. Ich muss dafür sorgen dass die Spieler arbeiten. Ich habe die Aufgabe, sie fit zu halten», sagt Lanca. Der Trainer muss die Spieler dazu bringen, Höchstleistungen abzurufen, sagt Lanca.

Vieles ist noch offen

Was sich im Falle eines Aufstiegs für das Team und den Trainer verändern würde, weiss Lanca nicht genau. Vereinsintern wurde darüber noch nicht diskutiert. «Ich weiss nicht, ob sich der Verein einschaltet und uns zum Beispiel einige Spieler zur Verstärkung gibt», sagt er. Vieles ist für die Zukunft noch offen. Sicher ist: «Wir haben einen Lauf momentan, wir profitieren vom Klima in unserem Team», sagt Lanca. Egal, wie es am Ende ausgeht, er weiss: «Das Team ist begeistert, der Geist ist da.»

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