"Es hat mich voll reingezogen"

ST.GALLEN. Marco Krapf hält den Wandel in der Stadt St.Gallen in Bildern fest. Auf seiner Internetplattform Memoria stellt er alte Aufnahmen exakt nach. Viele lassen sich jedoch gar nicht rekonstruieren.

David Gadze
Drucken
Teilen
Der Bahnhofplatz im Jahr 1909. (Bild: Sammlung Peter Uhler/memoria.sg)

Der Bahnhofplatz im Jahr 1909. (Bild: Sammlung Peter Uhler/memoria.sg)

«Ich bin kein Historiker. Ich mache das, weil es mir um die Stadt St.Gallen geht», sagt Marco Krapf. Auf seiner Seite Memoria erweckt er alte Ansichten der Gallusstadt zu neuem Leben. Der 30-Jährige stellt die Bilder nach, indem er eine exakte «Kopie» der Originalaufnahme macht.

Unzählige Stunden investiert

Die Idee kam Krapf, als er vor ein paar Jahren ein Foto sah, auf dem jemand einen alten Bildausschnitt über das heutige Ortsbild hielt. «Das hat mich inspiriert, nach alten Fotografien aus St.Gallen zu suchen. Nachdem ich die ersten Bilder rekonstruiert hatte, hat mich das Projekt voll reingezogen.» In seinem Elternhaus in Bernhardzell fand er kurz darauf eine 100jährige Aufnahme des Gebäudes. «Das hat mich in meiner Arbeit bestätigt.»

Seit rund zwei Jahren arbeitet Krapf in seiner Freizeit an Memoria. «Ich habe schon unzählige Stunden darin investiert.» Die Homepage und die iPhone-App hat der Webentwickler selbst gestaltet. Den Grossteil der Zeit beansprucht die Recherche, vor allem die Bestimmung des Ortes und der Aufnahmeposition.

Seine Sujets sucht er im Archiv der Kantonsbibliothek oder in privaten Sammlungen. Dabei interessieren ihn nur Bilder vor dem Jahr 1950. «Danach hat man bei der Architektur die Phantasie verloren.» Vier von fünf Aufnahmen liessen sich nicht «nachstellen», sagt Krapf. Entweder weil neue Gebäude, Bäume oder sonstige Hindernisse eine Rekonstruktion verunmöglichen. Oder weil sich das ganze Ortsbild so stark verändert hat, dass ein Vergleich gar nicht mehr möglich ist. «Der Wiedererkennungseffekt muss da sein. Die Bilder brauchen einen Zusammenhang», sagt Krapf.

Alt und Neu direkt vergleichen

Diesen kann man auf einigen Aufnahmen auf eindrückliche Art erleben: Manche Bilder hat Krapf übereinander gelegt. Mit einem Schieber lassen sich Alt und Neu direkt miteinander vergleichen.

Das Ziel sei, das Projekt später auf den ganzen Kanton auszudehnen. Doch allein von der Stadt St.Gallen gebe es noch genügend Bilder, die er rekonstruieren wolle. «Ich mache noch jene, die mir am Herzen liegen. Und dann hoffe ich, dass sich das Projekt gut weiterentwickelt.»

www.memoria.sg

Der Bahnhofplatz im Jahr 1924. (Bild: Sammlung Peter Uhler/memoria.sg)

Der Bahnhofplatz im Jahr 1924. (Bild: Sammlung Peter Uhler/memoria.sg)

Stadtveränderung auf dem Bahnhofplatz mit Ansichten von 1909, 1924 und 2012. (Bilder: Sammlung Peter Uhler/memoria.sg)

Stadtveränderung auf dem Bahnhofplatz mit Ansichten von 1909, 1924 und 2012. (Bilder: Sammlung Peter Uhler/memoria.sg)

Aktuelle Nachrichten