Es hagelt Fragen im Gemeindesaal

Markus Peter ist seit 2001 als Gemeindepräsident im Amt. Seinen Herausforderer, Kurt Hartmeier-Stamm, kannten bisher viele nur von Flyern. Am Donnerstag stellten sich beide den Fragen der Bürger. Und diese wollten einiges wissen.

Corinne Allenspach
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EGGERSRIET. Kurz vor 22 Uhr wird es einem Eggersrieter zu bunt. Schlagwörter und allgemeine, unverbindliche Fakten. Dies sei alles, was er bisher gehört habe. Er aber will Prioritäten. Erstens, zweitens, drittens. «Von wem zuerst?», möchte Moderation Ruth Belz, Richterin aus Rorschach, wissen. Dem amtierenden Gemeindepräsidenten Markus Peter (CVP) oder Herausforderer Kurt Hartmeier-Stamm (parteilos)? «Das ist mir egal», sagt der Votant, und setzt sich wieder.

Kurt Hartmeier, 58, Gewerbevereinspräsident, Inhaber einer Beratungsfirma und Mitglied der GPK der Gemeinde, macht den Anfang. «Priorität eins, Information im Gemeindeblatt; zwei, Bioenergiedorf; drei, Möglichkeiten für attraktives Seniorenwohnen schaffen.» Markus Peter, 44, seit elf Jahren im Amt, will in erster Linie das Wachstum der 2200-Seelen-Gemeinde sicherstellen, als zweites das Dorfzentrum aufwerten und drittens das Gemeinwesen und die Vereinsstrukturen fördern.

Veruntreuungsfall gibt zu reden

Einfach macht es die Bevölkerung den zwei Kandidaten am Donnerstagabend im Gemeindesaal nicht. Über 100 Eggersrieter und Gruber – von knapp volljährig bis längst pensioniert –, sind gekommen. Nicht nur, um sich zu informieren, sondern auch, um Fragen zu stellen. Wobei die Anwesenden mit Kritik nicht sparen, die Stimmung eher misstrauisch-fordernd denn wohlwollend ist. So erinnert der von der CVP organisierte Anlass zuweilen mehr an eine «Chropf-Leerete» als an eine Podiumsdiskussion.

Insbesondere, als es um den Veruntreuungsfall geht, bei dem ein Mitarbeiter die Gemeinde über Jahre um insgesamt 2,16 Millionen Franken betrogen hat. Die Bevölkerung sei «besorgt und interessiert», wohin das Geld gegangen sei, empört sich ein Votant: «Wir sind in all den Jahren nie konkret informiert worden.» Er fordert Peter auf, zuzugeben, dass er Fehler gemacht habe beim Unterschreiben von Rechnungen. Der Gemeindepräsident bleibt gelassen, erklärt, dass ihn erwiesenermassen keine Schuld treffe, das Ganze «sehr komplex vertuscht» worden sei. Mehr als die Hälfte der Veruntreuungen seien zudem vor seinem Amtsantritt passiert. «Es hatte damals schon nichts mit dem Gemeindepräsidenten zu tun und heute auch nicht.»

Unterschiede und Gemeinsames

Weniger gelassen bleibt Ruth Belz. Der Veruntreuungsfall sei tragisch. «Aber es kann nicht sein, dass dies heute abend das Hauptthema ist», sagt die Moderatorin. Sie bittet die Anwesenden nachdrücklich, andere Themen anzusprechen, «um die Unterschiede der Kandidaten herauszuspüren».

Und diese werden bis zum Schluss auch hier und da sichtbar. Während Peter seine Dossierkenntnis und Sachkompetenz im Gemeinwesen unter Beweis stellt, hat Hartmeier keine Angst, «aber grossen Respekt» vor der Einarbeitungszeit. Der 58-Jährige setzt dafür auf Bürgernähe. Mit «einem offenen Ohr und offener Tür jederzeit» statt festgelegten Sprechstunden wie bisher. Und während Peter nach dem Grundsatz handelt, dann zu informieren, «wenn wir etwas Handfestes zu sagen haben», verspricht Hartmeier, bei einer Wahl eine aktive Kommunikationspolitik zu betreiben. Mit einem Mitteilungsblatt «von, für und mit der Gemeinde», in dem nicht nur Gottesdienste und Schiesszeiten publiziert werden. Und beim Thema Energie setzt Peter auf regionale Zusammenarbeit wie den Abwasserverband oder die Abfallregion, Hartmeier will aus Eggersriet-Grub ein Bioenergiedorf machen.

Aber auch Gemeinsamkeiten zeigen sich. So ist beiden Kandidaten wichtig, die Jugend zu unterstützen und sich für ein massvolles Wachstum der Gemeinde einzusetzen. «Um ein grösseres Investitionspotenzial zu erreichen», wie Peter sagt. Aktuell liegt dieses bei gerade einmal 500 000 Franken pro Jahr.

Auswahl, aber keine Wahl

Eineinhalb Stunden reiht sich Frage an Frage, gefolgt von etlichen Anmerkungen der Bürger. Als einer die Kundenfreundlichkeit der Verwaltung bemängelt, speziell des Bauamts, und Peter betont, er sei «stolz auf unser Verwaltungsteam, das für die Bürger da ist», geht ein Raunen durch den Saal, begleitet von Kopfschütteln.

Und am Schluss, wissen die Bürger, wen sie am 23. September wählen? «Das haben wir schon vorher gewusst», sagt ein älteres Ehepaar vielversprechend. Namen will es aber keine nennen. Wie die anderen Befragten auch nicht. Ein Bürger gibt zu bedenken, das Volk habe zwar eine Auswahl, «aber nicht wirklich eine Wahl». Worauf ein Dritter erklärt, was er bei beiden Kandidaten vermisst: Dass sie «zu wenig unternehmerisch denken».

Eine Wahlempfehlung gibt es dennoch, von Ruth Belz. Sie sagt, wie sie sich einen guten Gemeindepräsidenten vorstellt. «Er muss bescheiden und gesellig sein, den Puls der Bevölkerung fühlen. Er sollte Visionen haben, aber auch auf dem Boden bleiben.»

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