Es gibt noch viele Stolpersteine

Platznot herrscht in der St. Galler Kulturszene keine. Räume für kulturelle (Zwischen-)Nutzungen gibt es in der Stadt zur Genüge, das wurde im diesjährigen «Stadt-Kultur-Gespräch» überdeutlich.

Roger Berhalter
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Platznot herrscht in der St. Galler Kulturszene keine. Räume für kulturelle (Zwischen-)Nutzungen gibt es in der Stadt zur Genüge, das wurde im diesjährigen «Stadt-Kultur-Gespräch» überdeutlich. Vom Kaffeehaus bis zum Sitterwerk, von der Olma-Halle bis zum Rümpeltum, vom Theater 111 bis zum «Palace»: Kultur findet heute vielerorts statt, ob für Massen oder in Nischen. Unmut ist vor allem aus der freien Szene zu hören. Es gibt viel mehr Rockbands als verfügbare Proberäume. Tänzerinnen und Theaterschauspieler klagen seit Jahren über fehlende Bühnen in der Stadt: Für sie kommen eigentlich nur die Grabenhalle und die Lokremise in Frage – wobei erstere oft undankbare Termine wie den Montagabend anbietet, und die Lokremise für kleine Compagnien schlicht unerschwinglich ist. Auch wenn sich die Kulturfachstelle bemüht, zwischen den Kulturschaffenden und der Verwaltung zu vermitteln, gibt es noch immer viele Stolpersteine. Schon ein falsch plaziertes Plakat hat eine Busse zur Folge. Wer einen Anlass abseits der Norm veranstalten möchte, begibt sich auf einen Spiessrutenlauf durch die Ämter. Und es ist erschreckend, welche negativen Vorurteile über Kulturschaffende noch immer kursieren, im öffentlichen wie im privaten Sektor. Man scheut das Risiko, nimmt lieber Mietausfälle in Kauf. Wie sonst ist es zum Beispiel zu erklären, dass das Ladenlokal im Union-Gebäude – an bester Passantenlage, mitten im Zentrum – seit über einem Jahr leersteht? An Ideen mangelt es jedenfalls nicht, auch das wurde am «Stadt-Kultur-Gespräch» deutlich. Einige der Anwesenden hätten im leeren Fabrikgebäude am liebsten gleich selber mit der Arbeit begonnen. Das war denn auch das Paradox, das über der Veranstaltung schwebte: Warum lässt die Stadt ein solch grosses Gebäude ohne lärmempfindliche Anwohner so lange leerstehen? Warum redet man an diesem Ort von Zwischennutzungen, statt einer solchen beizuwohnen? Der kulturelle Zug an der Haggenstrasse 45 sei abgefahren, heisst es, und das stimmt wohl auch. Zum Schluss deshalb lieber noch einen Blick voraus: Die Diskussion um die Zukunft des Parkplatzes vor der Grabenhalle ist lanciert.

roger.berhalter@tagblatt.ch