«Es braucht keinen Marschhalt»

ST.GALLEN. Nach der zweiten Abfuhr an die Neugestaltung des Marktplatzes will der Stadtrat zuerst einmal durchatmen. Bei den Parteien stösst er damit auf Unverständnis: Statt die Faust im Sack zu machen, müsse er ungelöste Fragen klären.

Christina Weder
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Nach dem Nein zur Neugestaltung stellt sich die Frage: Wie geht es weiter mit dem Marktplatz? (Bild: Benjamin Manser)

Nach dem Nein zur Neugestaltung stellt sich die Frage: Wie geht es weiter mit dem Marktplatz? (Bild: Benjamin Manser)

Es war ein herber Schlag für den Stadtrat: Am Sonntag ist die Neugestaltung von Marktplatz, Bohl und Blumenmarkt zum zweiten Mal gescheitert. Nun will der Stadtrat das Abstimmungsergebnis zuerst einmal verdauen. «Es braucht jetzt einen Marschhalt», sagte Stadtpräsident Thomas Scheitlin am Sonntag.

Der Grossteil der Parteien sieht das anders. Vor allem die FDP und SVP, welche die Vorlage bekämpften, wollen die Neugestaltung nicht auf die lange Bank schieben. «Der Stadtrat muss jetzt vorwärtsmachen und seine Führungsrolle wahrnehmen», sagt FDP-Fraktionspräsident Roger Dornier auf Anfrage. «Es sollte möglich sein, bis im Januar 2019 ein neues Projekt auf die Beine zu stellen.» Auch bei einer Annahme der Vorlage wäre die Neugestaltung vor 2019 nicht in Angriff genommen worden.

Drei ungelöste Fragen

Für die FDP braucht es weder einen grossen Wurf noch einen teuren Projektwettbewerb. Auch müsse man nicht noch einmal bei null anfangen, sondern vor allem drei ungelöste Fragen klären: die Zukunft des ständigen Marktes, die Funktion des Taubenlochs und die Notwendigkeit einer WC-Anlage.

Die SVP ortet bei denselben drei Punkten Klärungsbedarf, wobei für sie bereits feststeht: «Eine WC-Anlage braucht es nicht», wie Fraktionspräsidentin Karin Winter-Dubs sagt. Wichtig sei vor allem, dass mit allen Betroffenen gesprochen werde – mit den Markthändlern, Taxibetreibern, Gewerblern und dem Quartierverein. Das sei bis jetzt versäumt worden. Für Winter-Dubs ist klar: «Es muss jetzt weitergehen – und zwar ohne Wettbewerb oder Vox-Analyse.»

Aufhebung der Parkplätze?

Auch ein Teil der Befürworter macht ein Fragezeichen hinter den angekündigten Marschhalt des Stadtrats. Daniel Kehl, Präsident der SP/Juso/PFG-Fraktion, äussert sich kritisch: «Was soll das bringen? Nach drei Jahren ist man wieder gleich weit.» Die Kritikpunkte lägen auf dem Tisch und müssten nun aufgearbeitet werden. Unabhängig von einem neuen Projekt hält die SP an ihrer Forderung fest, «die Parkplätze auf dem Marktplatz möglichst schnell aufzuheben». Die Äusserung des Stadtpräsidenten, die SP-Initiative für einen autofreien Marktplatz sei nach dem Nein vom Tisch, hält Kehl für nicht korrekt. «Denn dieser Teil der Vorlage war nie umstritten.»

Auch Cécile Federer, Präsidentin der Fraktion Grüne/Junge Grüne/GLP, fordert nach wie vor einen autofreien Marktplatz anstelle eines «Parkplatzes mit ein paar Marktständen». Nun müsse man sorgfältig überlegen, wie es weitergehe, sagt sie. Möglicherweise müssten die dringlichsten Probleme in Etappen angegangen werden: «Es regnet ins Taubenloch und die Strasse vor dem Hecht ist in üblem Zustand.»

Bis jetzt fehlt die zündende Idee

Enttäuscht vom Abstimmungsresultat ist Michael Hugentobler von der CVP-/EVP-/BDP-Fraktion. Er kann nachvollziehen, dass der Stadtrat das Projekt ad acta legt, bis sich die Köpfe abgekühlt haben: «Man hat so viel ausprobiert. Wenn niemand eine zündende Idee hat, muss man halt zuwarten.» Allerdings nicht zu lange, findet er. In zwei Jahren müsse man eine Auslegeordnung machen und möglichst viele Betroffene einbinden. Weil der Stadtrat nochmals bei null anfangen wolle, biete sich ein Wettbewerb an.

Hugentobler rechnet nicht damit, dass es gelingen wird, ein neues Projekt aufzugleisen, bevor die Sanierungsarbeiten gemacht werden müssen. «Das bedeutet, dass man den Boden wohl zweimal aufreissen muss.»

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