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Es bitzli Hochdeutsch erwünscht

ST.GALLEN. Ob und wie viel Hochdeutsch im Kindergarten sinnvoll ist, darüber wird vielerorts gewerweisst. Die städtischen Kindergärtnerinnen geniessen diesbezüglich viel Freiheit. Verboten ist nur etwas: gar kein Hochdeutsch.
Odilia Hiller
Im «Kindergartenladen zur Sonnenblume»: Niemand zwingt Jean-Luc, statt Glace «Eis» zu sagen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Im «Kindergartenladen zur Sonnenblume»: Niemand zwingt Jean-Luc, statt Glace «Eis» zu sagen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die kleine Paula streckt ihre Hand weit weg: «Frau Zürcher, lueg emol, mir tuet's do weh.» – «Ja, Paula, ich schaue es mir nachher gleich an», sagt ihre Kindergärtnerin freundlich – auf Hochdeutsch. Paula zuckt nicht einmal mit der Wimper. Frau Zürcher spricht ziemlich oft so.

Für die St. Galler Kindergärtnerin Eva Zürcher ist klar: «Solange ich mit dem Herz dabei bin, spielt es schlicht keine Rolle, ob ich ein weinendes Kind auf Hochdeutsch oder auf Schweizerdeutsch tröste.

» Sie selbst tut es oft auf Hochdeutsch, ganz bewusst. Im Umgang mit Haala, Sophia, Malin, Jean-Luc oder Nikita verwendet sie Hochdeutsch nach eigenen Angaben so selbstverständlich wie Schweizerdeutsch. Von den Kindern erwartet sie nicht im Geringsten, dass sie in der gleichen Sprache antworten. Die erfahrene Leiterin eines städtischen Kindergartens im Schulquartier Grossacker spricht auch nicht von «Hochdeutsch», sondern von der «Standardsprache».

Gemeint ist die schweizerische Ausprägung des Hochdeutschen mit all seinen Helvetismen wie «Samichlaus», «Glace», «Umschwung», «allenfalls», «grillieren» oder «parkieren».

Nicht nur Sprachinseln

Es geht ihr nicht darum, den Kindern möglichst schnell beizubringen, zu sprechen wie eine Disney-Prinzessin oder Jim Knopf. Das Schweizer Hochdeutsch gehört zur hiesigen Lebensrealität – genau wie der Dialekt, findet sie. Deshalb soll es in ihrem Kindergarten auch seinen Platz haben.

«Und zwar nicht nur in <Sprachinseln>, sondern auch im alltäglichen, lebendigen Austausch zwischen mir und meinen Kindergärtlern.»

So liest sie die Wintergeschichte heute auf Hochdeutsch vor. Nicht im Traum käme es ihr in den Sinn, das kleine Mädchen zu korrigieren, das nachher statt von «Krähen» von «Kränen» erzählt. Die Frage von Haala – «Gell, ä Chraie isch en Rab?» – beantwortet sie noch so gerne.

Mundart ebenso wichtig

«Ein differenzierter, hinterfragender Umgang mit der Sprache beim Unterrichten der Jüngsten ist etwas Spannendes», sagt die Kindergärtnerin. Die Kinder in diesem Alter setzen sich sowieso gerne mit sprachlichen Fragen auseinander. Sie sind intensiv damit beschäftigt, zu lernen, sich auszudrücken. Das Erlernen von Versen, Reimen und Liedern in Mundart ist der Kindergärtnerin ebenso wichtig. Verwirrt wirkt die friedliche, fünfsprachige Gruppe kleiner Menschen deshalb keineswegs.

Für den Gebrauch von Mundart und Hochdeutsch gelten in den städtischen Kindergärten gemäss Schulamt die Weisungen des Kantons, wo es heisst: «Im Kindergarten werden erste Grundlagen für die Verwendung von Hochdeutsch als Unterrichtssprache gelegt. Umgangs- und Unterrichtssprache ist Mundart.» Claudia Sturzenegger, Abteilungsleiterin Kindergarten beim städtischen Schulamt, sagt, die Bandbreite in der Umsetzung sei in der Stadt entsprechend gross: «<Verboten> wäre es sicher, überhaupt nie die Standardsprache zu gebrauchen.»

Lehrpersonen entscheiden

Ganz bewusst lasse man die Lehrpersonen mitentscheiden, wie viel und in welcher Form sie Hochdeutsch einbauen. «Zwischen Schulleitungen und Kindergärtnerinnen ist dies regelmässig ein Thema», sagt die Abteilungsleiterin. Von soviel Spielraum können Zürcher und Basler Kindergärtnerinnen nur träumen. Dort gilt bereits seit einigen Jahren: halb-halb.

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