Erstaunlich wenig Vandalismus

ST.GALLEN. Das Urban-Gardening-Projekt der Stadt hat seine erste Saison hinter sich. Organisatoren und Gärtner sind überrascht, wie gut das Gärtnern mitten in der Stadt funktioniert hat. Es wurde nichts zerstört, einzig Mundraub ist vorgekommen.

Elisabeth Reisp
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Urban Gardening wird offenbar respektiert, die Beete vor der FHS haben die Saison schadlos überstanden. (Bild: Peer Füglistaller)

Urban Gardening wird offenbar respektiert, die Beete vor der FHS haben die Saison schadlos überstanden. (Bild: Peer Füglistaller)

Es braucht einen an Blauäugigkeit grenzenden Optimismus, um an exponierten Stellen Gemüsebeete zu bewirtschaften. St.Gallen hat es gewagt, zusammen mit den Quartiervereinen Südost und Gallusplatz sowie der Fachhochschule (FHS). Nach der ersten Saison «Clever geniessen» ziehen die Beteiligten eine positive Bilanz. Und sind darüber selber erstaunt.

Giesskanne als einziger Verlust

Wer mitten in der Stadt Hochbeete plaziert und darin Gemüse und Kräuter zieht, muss damit rechnen, dass die Arbeit zerstört wird. «Ich war nach jedem Wochenende überrascht, dass keine Pflanzen beschädigt wurden», sagt Hapiradi Wild vom Quartierverein Südost. Sie hat sich für das Projekt in ihrem Quartier eingesetzt und eines der Beete, die an der Linsebühl- und an der Lämmlisbrunnenstrasse standen, mit anderen Hobbygärtnern gehegt und gepflegt. Einzig zur Olma sei eine Giesskanne verschwunden. «Und hie und da wurde etwas von den Kräutern oder vom Gemüse stibitzt.»

Tips von Studenten

Mit dem Vorplatz der FHS direkt beim Hauptbahnhof ist ebenfalls ein stark frequentierter Standort gewählt worden. Das Hochbeet habe die Saison aber unbeschadet überstanden, sagt Silvia De Luca, Projektleiterin an der FHS. Mit zwei weiteren Freiwilligen hat sie das Beet, das täglich Hunderten Passanten und Studenten ausgesetzt war, bewirtschaftet. «Vereinzelt hatten wir Zigarettenstummel zwischen dem Gemüse, aber keine Beschädigungen», sagt De Luca. Nicht nur darüber war sie überrascht. Auch die vielen spontanen Begegnungen mit Passanten habe sie nicht erwartet. «Nicht selten haben uns Passanten oder auch Studierende Tips gegeben.» Die Ernte haben die FHS-Gärtner an die Studierenden und an die Belegschaft der Fachhochschule verteilt. Teilweise sei auch heimlich genommen worden. «Aber wir gingen auch davon aus, dass es ein Projekt für die Öffentlichkeit ist.»

Grünes Licht für nächstes Jahr

Eine Weiterführung des Projektes würden beide Hobbygärtnerinnen begrüssen. Hapiradi Wild: «Dann aber in grösseren oder mehreren Kisten.» Wenn wie in ihrem Fall sich sechs Leute die Arbeit teilen, wäre es schön, wenn es mehr zu ernten gäbe. Auch sähe Wild die Hochbeete lieber näher bei den Wohnungen der Helfer als direkt an der Strasse. «Vor allem aus Sicherheitsgründen», sagt die Mutter zweier Kinder.

Um die Weiterführung brauchen sich die Urban Gardener nicht zu sorgen. «Die Container sind angeschafft und werden jetzt auch gebraucht», sagt Harry Künzle, Leiter Amt für Umwelt und Energie. Sicher noch zwei Sommer lang werden die Hochbeete aufgestellt. «Erst nach dem dritten Mal machen wir einen Marschhalt und prüfen eine Weiterführung.» Dann könne es durchaus sein, dass grössere Container angeschafft werden «oder vielleicht sogar etwas Ständiges aufgestellt wird».