Ermin Busch prägte das Seeufer

RORSCHACH. Wenige Tage vor Weihnachten ist Ermin Busch im Alter von 81 Jahren gestorben. Der Tiefbauspezialist hat mit seinem ausgeprägten Verständnis für den Wasserbau die Region geprägt. Durch den Bau von Häfen und Strassenbauprojekte.

Otmar Elsener
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Ermin Busch, hier auf einem Bild aus dem Jahr 2007, war auch nach der Pensionierung als Berater tätig. (Archivbild: Rudolf Hirtl)

Ermin Busch, hier auf einem Bild aus dem Jahr 2007, war auch nach der Pensionierung als Berater tätig. (Archivbild: Rudolf Hirtl)

Über der Todesanzeige für Ermin Busch Menzi steht das altgriechische Motto «Panta Rhei – Alles fliesst». Treffend für einen Menschen, der während des Zweiten Weltkrieges in Deutschland am Rhein aufgewachsen war und sich zeitlebens einer besonderen Beziehung zum Wasser erfreute. Der Tiefbau-Spezialist Ermin Busch, der aus einer Baumeisterfamilie stammte, wollte sich 1963 in der Schweiz weiterbilden. Er fand eine Stelle beim kantonalen Baudepartement. Die geplanten zwei Jahre verlängerten sich zu einem ganzen Leben als Wahlschweizer, die «schöne Bodenseegegend», wie er sie selber beschrieb, wurde ihm geliebte Heimat. Als er 1981 das Schweizer Bürgerrecht erwarb, hatte er sich im Kanton und in unserer Region längst einen ausgezeichneten Ruf als vielseitig interessierter Ingenieur mit einem ausgeprägten Verständnis für den Wasserbau erworben.

Seeufer für die Öffentlichkeit

1971 wechselte er von der Staatsstelle zum Ingenieur-Unternehmen Wälli AG in Arbon. In dieser Firma, in der er bis zu seiner Pensionierung 1999 tätig war, konnten viele junge Ingenieure von seinem Wissen und seiner Erfahrung profitieren. In unserer Gegend legen zahlreiche Projekte Zeugnis von seiner Tätigkeit ab, so die Häfen in Horn und Steinach. Einzigartig seefreundlich gestaltete er die Uferwege in der Rietlibucht sowie die Anlage zwischen Horn und Steinach. Weitsichtig sah er die Notwendigkeit des Baus von getrennten Rad- und Fusswegen voraus. Er setzte gegen viel Widerstand durch, dass die Ufer, wo möglich, mit einem Schilfgürtel renaturiert und Sträucher aller Art gepflanzt wurden. «Es wurde damals tatsächlich behauptet, dass alles Unsinn sei, was da am See gebaut würde, kaum jemand würde die Anlagen beleben. Die Realität überholte schnell solche Meinungen», schrieb Busch 2011 in einem Leserbrief an das Tagblatt. Wie recht er hatte, beweisen die Scharen von Menschen, die sich heute zu allen Jahreszeiten auf den von ihm geplanten Seeuferwegen bei Spaziergängen oder Velofahrten erholen.

Die Landschaft geschont

Auch im Strassenbau finden sich schöne, von Busch sorgfältig projektierte Anlagen. Ingenieure werden oft als nüchterne Technokraten bezeichnet. Nicht so Ermin Busch. Für ihn waren die umweltschützerischen Aspekte besondere Anliegen, die er entsprechend seiner persönlichen Überzeugung sehr hartnäckig verteidigen konnte, was öfters auch zu Auseinandersetzungen mit der Bauherrschaft und Privatpersonen führte. «Das muss man doch!», war ein von ihm in seinem rheinländischen Deutsch oft gehörter Ausspruch. Mit seiner Beharrlichkeit war er für seinen Arbeitgeber nicht immer ein «pflegeleichter» Mitarbeiter. Heute ist die Eingliederung des Autobahnzubringers Arbon ein mustergültiges Beispiel für eine einfühlsame Realisierung einer Verkehrsanlage, welche die Landschaft geschont hat und von gleichzeitig gebauten Wanderwegen, Weihern und Biotopen umsäumt ist. Diese Fussstapfen seiner Ingenieurtätigkeit werden so auch von einer breiten Öffentlichkeit wahrgenommen.

See und Meer

Kurz nachdem er am Bodensee heimisch wurde, zuerst in Rorschacherberg, ab 1977 in Rorschach im historischen Haus an der Mariabergstrasse 28, kaufte sich Ermin Busch eine Segeljolle und wurde Mitglied des Segelclubs Rietli. Segeln wurde sein liebstes Hobby, später erwarb er ein Familienboot und lernte den Bodensee rundum kennen. Er wagte sich auch aufs Mittelmeer, in späteren Jahren auf den Atlantik, den er einmal auf einer Segelyacht und einmal mit seiner Gattin Elisabeth als Passagier auf einem russischen Dreimaster-Schulsegelschiff überquerte. Die Planung des Goldacher Seeufers ermöglichte es ihm, das Segelclub-Gelände den Bedürfnissen des Clubs anzupassen. 1994 ernannten ihn die Segelclub-Mitglieder zum Ehrenmitglied. Die Öffentlichkeit trauert mit seiner Familie um einen Menschen, der mit seinen Werken ein Vermächtnis hinterlassen hat, das Generationen überdauern wird. Sogar seine Vision eines freien Seeufers von der Mündung der Goldach bis zur Mündung des Alten Rheins wird vielleicht eines Tages noch Wirklichkeit werden.

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