ERLEBNIS: Ferien mit Hühnern und Kühen

Übernachten auf dem Bauernhof ist äusserst beliebt. Sei es in einem Baumhaus oder auf Strohballen: Verrückte Ideen generieren eine besonders grosse Nachfrage. Auch Bauern aus der Region ziehen mit.

Angelina Donati
Drucken
Teilen
Zurück zur Natur: Ferien oder auch Kurzaufenthalte auf dem Bauernhof sind beliebt. (Bild: PD)

Zurück zur Natur: Ferien oder auch Kurzaufenthalte auf dem Bauernhof sind beliebt. (Bild: PD)

Angelina Donati

angelina.donati

@tagblatt.ch

Aufwachen, wenn der Güggel kräht, tagsüber Tiere beobachten und der Bauernfamilie kleinere Aufgaben abnehmen und sich nachts ins Heu legen: Die ländliche Idylle sehnt sich so manch einer herbei. Ferien- und Freizeitangebote auf dem Bauernhof stossen momentan auf grosses Interesse, wie Andreas Allenspach, Geschäftsführer von Agrotourismus Schweiz, bestätigt. Ein Grund, in der Schweiz die Ferien zu verbringen, sei das Sicherheitsbewusstsein im Hinblick auf die diversen politischen Unruhen in beliebten Ferienorten.

Doch nicht nur ein- oder mehrwöchige Aufenthalte auf dem Bauernhof sind gefragt, sondern auch Kurzferien werden oft und gerne gebucht. Sei es von Familien, Velofahrern, Pilgern und von Geschäftsleuten. Dieser Bedarf spürt auch Christian Enderlin vom Biohof Enderlin in Winden. Enderlins vermieten eine Ferienwohnung sowie zwei Zimmer. «Besonders von April bis Oktober ist die Nachfrage sehr gross.» Die Besucher verbringen den Tag selbstständig, haben aber auch die Möglichkeit, je nach Saison im Betrieb mitzuhelfen. «Manchmal gehen wir auch zu Berg oder bräteln abends zusammen.» Auch schon dachte die Bauernfamilie darüber nach, ein Zimmer mit Strohballen auszustatten. Momentan aber sei man mit Events, wie Betriebsführungen oder Naturkurse und dem Hofladen gut ausgelastet. Dasselbe sagt auch Edith Eigenmann vom Eigenmannshof in Berg SG. Auch die Familie Eigenmann bietet Führungen an, führt einen Hofladen und vermietet ein Eventlokal.

Schlafen im Stroh kann man hingegen bei der Familie Schroter im Hof Wannenwis Waldkirch oder bei der Familie Forrer im Hof Hohenwiesen in St. Gallen. Der Platz bei Schroters reicht gar aus für ein Lager bis zu 30 Personen. «Das romantische Erlebnis und die Ruhe werden höchstens von den Lauten der exotischen Vögel, die auf dem Hof beheimatet sind, unterbrochen», heisst es auf der Homepage.

Ein guter Nebenverdienst für die Bauern

Dass das Bewusstsein für die Natur zugenommen hat, zeigt sich auch anhand der Arten der Übernachtung, wie Allenspach weiter ausführt. Ob Schlafen im Stroh oder in einem Baumhaus – je verrückter die Ideen, desto grösser sei die Nachfrage. «Der Trend geht ganz klar hin zu extravaganten Übernachtungsmöglichkeiten», sagt er. «Der Preis spielt dabei nicht einmal eine grosse Rolle.» Für Landwirte also ein guter Nebenverdienst. Agrotourismus mache heute etwa einen Drittel vom Einkommen der Bauern aus. Setzt das die Bauern nicht unter Druck? «Im Gegenteil. Es entlastet sie eher», sagt Allenspach. Denn die Milchpreise beispielsweise sind nicht steuerbar und so gesehen generieren weitere Angebote ein lukratives Einkommen. «Ausserdem übernachten die Gäste ja nicht nur auf dem Hof, sondern verpflegen sich auch dort und kaufen womöglich noch Produkte aus dem Hofladen ein», führt Allenspach aus. Und weiter: Wenn sie begeistert waren, buchen sie vielleicht später den Stall, der als Eventlokal umgenutzt wurde, um den eigenen Geburtstag zu feiern oder ein Firmenessen durchzuführen.

Mit grossem Spielplatz, Tieren und der Natur punkten die Landwirte mit einem Erlebniswert, der sich von der Hotellerie abhebe, wie Allenspach sagt. Es sei eine Auszeit vom Alltag und wer möchte, erhalte spannende Einblicke in die Landwirtschaft und könne auch aktiv daran teilhaben. Ganz nach dem Motto: Man darf, muss aber nicht.

www.agrotourismus.ch