ERLEBNIS: «Der Zirkus war noch nie so wichtig wie heute»

Von Freitag bis Sonntag gastiert der Circus Royal mit seinem neuen Programm «Im Zeichen des Tigers» in Gossau. Elf Monate wird das Zirkusteam nun unterwegs sein.

Perrine Woodtli
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Der Regen machte das Aufbauen den Zirkusarbeitern gestern nicht leichter. (Bilder: Benjamin Manser)

Der Regen machte das Aufbauen den Zirkusarbeitern gestern nicht leichter. (Bilder: Benjamin Manser)

Perrine Woodtli

perrine.woodtli@tagblatt.ch

Die Gossauer Bundwiese gleicht an diesem Donnerstag einem tiefen Sumpf. Überall wird gehämmert und gebohrt. Der Regen strömt den Arbeitern das Gesicht runter. Mit ihnen möchte man jetzt nicht tauschen. Langsam nimmt die Manege Form an, die überdimensionale Krone wird auf das Zelt gesetzt. Gestern ist das Team des Circus Royal in Gossau angekommen, heute heisst es: Manege frei!

Oliver Skreinig, wie streng ist das Zirkusleben?

Eigentlich gar nicht. Alles läuft normalerweise im Takt wie ein Uhrwerk. Gestern war aber alles ein wenig chaotisch. Von unseren 108 Mitarbeitern sind diese Saison viele neu dabei. Wir stehen am Anfang der Tournee, der Ablauf muss sich noch einpendeln. Schlaf gab es also nicht viel.

Sie bleiben jeweils drei bis vier Tage an einem Ort. Können Sie sich die Ortschaften überhaupt anschauen?

Ganz ehrlich: Ich war bereits 21AABB22Mal in Bern, habe es aber noch nie wirklich in die Stadt, geschweige denn zu den Bären geschafft. Dafür bleibt mir leider keine Zeit. In Gossau kenne ich aber natürlich den Walter-Zoo.

Sie sind dieses Jahr elf Monate unterwegs. Was macht denn ein Zirkusdirektor in der restlichen Zeit des Jahres?

Die Zeit zwischen den Touren ist meist intensiver, da man bereits wieder planen muss. Ich schaue aber, dass ich jedes Jahr zehn Tage frei mache und verreise. Am besten weit weg in die USA.

Der Circus Royal ist nicht der einzige Zirkus in der Schweiz. Wie wollen Sie sich von den anderen abheben?

Wir haben unter anderem ein modernes Programm. Wir sind zudem der einzige Schweizer Zirkus, der noch «echten» Zirkus macht. Als vor 300 Jahren die ersten Zirkusse aufkamen, stand klar das Tier an erster Stelle. Die Artisten kamen erst später hinzu. Nur wir präsentieren, so gesehen, noch den ursprünglichen Zirkus. Unter anderem natürlich mit unseren Raubkatzen.

Genau wegen diesen geraten Sie regelmässig in die Kritik. Prallt das an Ihnen ab?

Im Gegenteil: Es trifft mich sehr. Wir haben die genau gleichen Tierschutzgesetze einzuhalten wie ein Zoo oder ein Privathalter. Den Vorwurf, wir würden unsere Tiger entwürdigen oder schlecht behandeln, ist Blödsinn. Wir werden regelmässig kontrolliert. Die Leute müssen zuerst bei sich anfangen, bevor sie gegen andere schiessen. Denn wenn sie das täten, würde ihnen bewusst werden, dass jeder jeden Tag die Würde eines Tieres verletzt. Indem wir einen Billigburger kaufen oder einen Hund an der Leine halten. Mir tut es zudem weh, dass viele Tierschützer Falschmeldungen verbreiten.

Was meinen Sie mit Falschmeldungen?

Vor der Tour habe ich mal erwähnt, dass wir einen Elefanten im Programm haben. Tierschützer schossen sofort gegen uns, weil wir einen Elefanten alleine halten – obwohl sie nichts Näheres wussten. Das verbreitete sich schnell. Bei dem Elefanten handelt es sich um einen aufblasbaren für einen Gag. Es gab ein Drama um einen aufblasbaren Elefanten. So wird unehrlich informiert. Das ist schade, denn ich beantworte jederzeit Fragen. Wir haben nichts zu verstecken.

All diese Diskussionen halten Sie also nicht davon ab, Tiere ins Programm aufzunehmen?

Nein. Zu einem Zirkus gehören einfach Tiere. Wir achten gut auf sie. Viele glauben, dass wir die Tiger nur haben, weil sie mehr Geld einbringen. Das ist Unsinn. Im Gegenteil: Die Tiger kosten uns einen Haufen Geld.

Nicht nur die Tiger, sondern der ganze Zirkus kostet viel Geld. Wie kann das rentieren?

Mit viel Idealismus und dem guten Willen der Banken. Irgendwie geht es immer auf, wir sind ja noch hier. Trotz der vielen schlaflosen Nächte.

Was hat denn der Zirkus noch für einen Stellenwert bei uns?

Einen sehr hohen. Der Zirkus ist die einzige Unterhaltung, die für eine ganze Familie gemacht ist. Man erlebt im Zirkus etwas Unvergleichbares gemeinsam. Gerade in dieser erschreckend anonym gewordenen Welt ist das heute doch umso wichtiger. Ich behaupte, der Zirkus war noch nie so wichtig, wie er es heute ist.


 

Manege frei auf der Bundwiese

Zirkusausflug Seit über 50 Jahren lockt der Circus Royal jedes Jahr Tausende Besucher an. Der 1963 gegründete Schweizer Zoo gastiert von heute Freitag bis am Sonntag mit seinem neuen Programm «Im Zeigen des Tigers» in Gossau auf der Bundwiese. Heute sowie morgen finden die Vorstellungen jeweils um 15 Uhr sowie um 20 Uhr statt. Am Sonntag lädt der Zirkus um 11 Uhr sowie um 15 Uhr zu zwei weiteren Vorstellungen ein. Die Zirkuskasse ist täglich von 10 bis 20 Uhr geöffnet. Telefonische Reservierungen sind möglich unter 0848 848 049.

www.circusroyal.ch