ERINNERUNGEN: Ferien, und was bleibt

Nun ist sie vorbei, die «schönste Zeit des Jahres». Was von den Ferien bleibt, sind aber oft nicht die Traumstrände, sondern Unplanmässiges. Die Redaktion über Knochenbrüche, Platzangst und Spinnenattacken.

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Spinnenjagd Noch am Abend vorher war es der herrlichste Ort auf Erden. Millstream-Chichester Nationalpark in Westaustralien. Campingplatz mit sieben Plätzen, direkt am Fluss. Tiefrote Erde, eine Stille, die wohltuender nicht sein könnte, und beim Baden knabbern die gut genährten Katzenfische an den Zehen. Dusche und WC gibt es nicht, beziehungsweise sind nach dem letzten Gewitter überschwemmt. Dafür mangelt es nicht an Eukalyptusbäumen, die erst noch um Welten besser riechen als jede Toilette. Das muss sich auch die handtellergrosse Spinne gedacht haben, die sich nach der Morgentoilette kurzerhand am Rücken meines Freundes festkrallt und dort auf dem T-Shirt seelenruhig rauf und runterkrabbelt. Mit der Ruhe ist es schlagartig vorbei, als ich sie erblicke. Wie wird man ein solches Monstrum los, ohne es anfassen und anschauen zu müssen? Mit einem Schlag mit dem vollen Abfallsack. Gedacht, geschnappt, getan. «Du musst mich sicher nicht schlagen», beschwert sich mein Freund und nimmt sofort Reissaus, während ich ihn verfolge und schreiend mit dem Abfallsack wedle. Wir müssen ein wahrlich kurioses Bild abgegeben haben. Immerhin hat sich die Aktion gelohnt. Nach einer gefühlten Ewigkeit seilt sich die Spinne freiwillig vom Rücken ab. Das T-Shirt haben wir, frisch gewaschen, bei nächster Gelegenheit verschenkt. Zu viel Erinnerung ist manchmal ungesund. (cor)