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ERINNERUNG: Das Schicksalsjahr 1918

Im Vergleich zu anderen Jahren gibt es 2018 für St. Gallen wenig runde Gedenktage (siehe Spalten links und rechts). Dafür ist 1918 umso wichtiger.
Reto Voneschen
An die tragischen Ereignisse des Jahres 1918, das in vielerlei Hinsicht ein Wendepunkt der St. Galler Stadtgeschichte war, erinnert auch das Soldatendenkmal im Kantonsschulpark. (Bild: Reto Voneschen (3. Juli 2010))

An die tragischen Ereignisse des Jahres 1918, das in vielerlei Hinsicht ein Wendepunkt der St. Galler Stadtgeschichte war, erinnert auch das Soldatendenkmal im Kantonsschulpark. (Bild: Reto Voneschen (3. Juli 2010))

Reto Voneschen

reto.voneschen@tagblatt.ch

Anfang 1918, also genau vor 100 Jahren, stand die Welt immer noch im Ersten Weltkrieg. Wie lange dieser noch dauern und wer am Schluss siegreich sein würde, war für die breite Öffentlichkeit damals noch offen. Bis zum Sieg der Entente-Mächte (in erster Linie Frankreich, Grossbritannien, USA, Italien) über die Mittelmächte (in erster Linie Deutschland, Österreich und das Osmanische Reich) brauchte es weitere Schlachten und Tausende von Toten vor allem an der Westfront. Kriegsmüdigkeit und Hunger machten sich allerdings bei allen europäischen Kriegsführenden bemerkbar, in den Armeen genau so wie in der schlecht versorgten Zivilbevölkerung.

Krieg und Textilkrise bringen soziale Not

Die Stadt St. Gallen hatte unter dem Ausbruch des «Grossen Krieges» 1914 stark gelitten: Die schon vorher leicht rückläufige Textilindustrie brach weitgehend zusammen. Die Umstellung auf Produkte, die die Kriegsführenden gebrauchen konnten, brachten einzelnen Unternehmern zwar grosse Gewinne, insgesamt konnten sie die wirtschaftlichen Probleme der Stadt und ihrer beiden Vororte Tablat und Straubenzell aber nicht auffangen. In der Zeit vor der Arbeitslosenversicherung, vor der Erwerbsausfallentschädigung für Armeeangehörige und vor der AHV, gerieten viele Arbeiterfamilien durch den Krieg in Not. Sie waren fürs nackte Überleben auf Hilfsmassnahmen der Gemeinden angewiesen. Dazu gehörten etwa Suppenküchen oder die verbillige Abgabe von Kartoffeln.

Diese soziale Not führte am Ende des Ersten Weltkriegs zum Generalstreik. Die schlechte Versorgungslage der Bevölkerung begünstigte auch die Ausbreitung der Spanischen Grippe. Von Juli bis Ende 1918 wurden 20218 Grippefälle, 1505 daraus resultierende Lungenentzündungen und 327 Todesfälle registriert. Entgegen landläufiger Meinung traf es dabei mehr Zivilisten als Soldaten. Landesstreik wie Grippewelle beeinflussten die Weiterentwicklung der Sozial- und Gesundheitspolitik.

Durch die Stadtverschmelzung im Sommer 1918 zu Gross-St. Gallen

Mitten in diese Zeit des Umbruchs fiel ein lokaler Vorgang, der die spätere Entwicklung der Gallusstadt stark beeinflussen sollte: Sie vereinigte sich per 1. Juli 1918 nach langer Vorbereitungszeit mit Tablat und Straubenzell zu Gross-St. Gallen. Die Stadt erhielt damit ihre heutige Ausdehnung. Vorher umfasste sie nur das Gebiet der heutigen Alt- und Innenstadt; sie reichte also vom Stadtpark bis zur Kreuzbleiche sowie von Rotmonten bis St. Georgen und Riethüsli. Neu kamen Tablat (mit St. Fiden, Neudorf, Stephanshorn, Langgasse, Heiligkreuz) sowie Straubenzell (mit Lachen, St. Otmar, Bruggen und Winkeln) dazu. Zum Jubiläum «100 Jahre Stadtverschmelzung» sind bereits verschiedene Aktivitäten geplant. So soll dazu Anfang Juli in der Schriftenreihe der Stadt ein Buch erscheinen, das die damaligen Vorgänge darstellt und historisch einordnet.

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