Eric Pédat – der welsche Rückhalt

Für wen schlägt das Herz? Für Servette Genf oder den FC St. Gallen? Eric Pédat nuschelt leise ein französisches Fluchwort durchs Telefon und lacht. «Schwierige Frage», sagt er. «Für <Saint Servette>. Am Sonntag spielen St. Gallen und Servette unentschieden.

Merken
Drucken
Teilen
Goalie Eric Pédat bei einem Spiel der Nationalliga-B-Saison 1993/94. Links Verteidiger Heribert Koch, in der Mitte Stürmer Radoslaw Gilewicz. (Bild: Tagblatt-Archiv)

Goalie Eric Pédat bei einem Spiel der Nationalliga-B-Saison 1993/94. Links Verteidiger Heribert Koch, in der Mitte Stürmer Radoslaw Gilewicz. (Bild: Tagblatt-Archiv)

Für wen schlägt das Herz? Für Servette Genf oder den FC St. Gallen? Eric Pédat nuschelt leise ein französisches Fluchwort durchs Telefon und lacht. «Schwierige Frage», sagt er. «Für <Saint Servette>. Am Sonntag spielen St. Gallen und Servette unentschieden.» Seine Liebe zur Ostschweiz sei geblieben, obschon er seit über 15 Jahren wieder am Genfersee wohne.

Pédat und St. Gallen, St. Gallen und Pédat, das stimmte Anfang der 1990er-Jahre, das stimmte aber auch später, als er den Club längst wieder Richtung Genf verlassen hatte. 1993 wechselte der Torhüter von der West- in die Ostschweiz. Damals steckte der FC St. Gallen in einer schwierigen Phase. Der Club war gerade in die Nati B abgestiegen, Goalie Jörg Stiel hatte den FC St. Gallen vorübergehend verlassen. Auf der Suche nach Ersatz wurde der neue FC-St. Gallen-Trainer Uwe Rapolder in Genf fündig. Der damals 26jährige Eric Pédat war bei Servette hinter Marco Pascolo nur zweite Wahl und nahm das Angebot an.

«Nie blieb ein Welscher länger»

«Es ging sehr schnell: Am Morgen erhielt ich den Anruf aus St. Gallen, am Abend übernachtete ich schon im Hotel in Abtwil», erzählt der heute 45-Jährige. «Einen Tag später habe ich in Genf alle meine Sachen geholt und zog nach St. Gallen – nur mein Hund hat mich begleitet.» Es sei der Beginn einer schönen Zeit gewesen, sagt Pédat. Einerseits sportlich: Pédat stieg mit St. Gallen 1994 auf und erreichte danach zweimal die Finalrunde. Aber auch auf menschlicher Ebene: Er habe schnell Freunde gefunden, sei umsorgt worden von Teamkollegen. «Nie ist ein Romand länger in St. Gallen geblieben», scherzt er.

Die Unterschiede zwischen ihm, dem Welschen, und seinen St. Galler Teamkollegen hätten sich aber schnell offenbart. Oft habe er sich Sprüche anhören müssen. Zum Beispiel, wenn er seinen Hund zum Training in die Lukasmühle mitnahm. Wenn er mit seinem klapprigen Auto vorfuhr. Oder wenn er seinen Pulli mal nicht schön regelmässig in die Hose gesteckt habe. «Äusserlichkeiten waren den Ostschweizern immer wichtiger als mir.»

Pédats Deutsch ist noch heute flüssig, nur selten sucht er nach Wörtern. Er scherzt am Telefon, kommt ins Schwärmen, erzählt Episoden, die zeigen, wie sehr St. Gallen eine zweite Heimat geworden ist. Damit zu tun hat auch seine Frau Patricia: eine Gossauerin, die er in dieser Zeit kennengelernt hat. Heute wohnt Pédat mit ihr und zwei Söhnen, elf und dreizehn Jahre alt, in Mont-sur-Rolle und arbeitet als Sportkoordinator im Schulinternat Rosey in Rolle.

Pédat erinnert sich gut an seine St. Galler Kollegen: Marco Zwyssig, Patrick Winkler, Sascha Müller, die polnischen Mitspieler Tamás Tiefenbach und Radoslav Gilewicz. Auch heute besuche er St. Gallen hin und wieder, auch mal ein Spiel in der AFG Arena. Die Fussballbegeisterung in der Ostschweiz fasziniere ihn.

Liebling der Fans trotz Fehlstart

Als er selber für die Espen spielte, hatte er das Publikum mit seiner lockeren und herzlichen Art bald auf seiner Seite. Obwohl die NLB-Saison schlecht begonnen hatte: Wie geschlagene Hunde seien sie nach der 2:0-Startniederlage in Gossau zurück zu ihrem Reisebus geschlichen, erinnert sich Pédat. Ein Spiel, das die Mannschaft geweckt habe.

Die Liebe zwischen ihm und dem Publikum besiegelt habe dann eine Schlüsselszene, sagt Pédat: Nach einem Heimspiel gegen Locarno, in dem ihm früh ein schlimmer Fehler passiert sei, habe das Publikum zu seiner Überraschung am Schluss seinen Namen gerufen. Er habe vor Freude seine Handschuhe einem Fan auf die Tribüne gereicht.

Seine grössten Erfolge aber feierte Pédat nicht mit St. Gallen, sondern mit Servette. Mit den Genfern gewann er 1999 die Meisterschaft und 2001 den Cup. Darauf warfen die Genfer Sparta Prag, Real Saragossa und die Hertha BSC Berlin aus dem Europacup. «Der Höhepunkt meiner Karriere», sagt Pédat. Seine stärksten Zeiten habe er ohnehin nach dreissig gehabt: Er sei zwar immer ein stabiler, aber ein vorsichtiger Torhüter gewesen. Erst spät habe er gelernt, «nicht nur keine Fehler machen zu wollen» und forscher zu spielen. Die «wirklich grossen Spiele» habe er erst in dieser Phase seiner Karriere gemacht.

Nur ins Nationalteam hat es Pédat nie geschafft, das Bedauern darüber ist ihm anzuhören. Einerseits habe wohl seine Körpergrösse damit zu tun – aber auch, dass er zu spät Lockerheit gewonnen habe.

Karrierenende selber bestimmt

Seine spätere Lockerheit habe ihm dann aber das Aufhören einfacher gemacht. Obschon er bei Servette noch hätte weiterspielen können, nahm er 2002 das Angebot des Instituts an. Das Schöne sei: Er selber habe über sein Karrierenende entschieden, nicht der Club oder sein Körper.

Ralf Streule

Pédats Tip: FC St. Gallen – Servette 1:1 (morgen, 13.45 Uhr)

Eric Pédat FCSG-Goalie von 1993 bis 1996 (Bild: Quelle)

Eric Pédat FCSG-Goalie von 1993 bis 1996 (Bild: Quelle)