Erfolg dank Fleiss und Freude

GOSSAU. Pius Schäfler feiert in diesem Jahr das 50-Jahr-Jubiläum seiner Firma. Der Gossauer blickt zwar auf eine erfolgreiche Karriere zurück. Doch zu Beginn musste er sich sein Brot hart verdienen und nebenbei auch als Taxifahrer arbeiten.

Manuela Bruhin
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Pius Schäfler zieht 50 Jahre nach der Gründung der gleichnamigen AG Bilanz. (Bild: Ralph Ribi)

Pius Schäfler zieht 50 Jahre nach der Gründung der gleichnamigen AG Bilanz. (Bild: Ralph Ribi)

Für wohl fast jeden Gossauer ist die Pius Schäfler AG ein Begriff. Das Unternehmen im Bereich Papeterie, Bürodesign und Printsystemen ist aus der Gossauer Firmengeschichte nicht mehr wegzudenken. In diesem Jahr feiert die Firma ihr 50jähriges Bestehen. Dies nimmt Gründer Pius Schäfler auch zum Anlass, Bilanz zu ziehen. Dass er in 50 Jahren einmal ein solch erfolgreiches Unternehmen mit über 90 Angestellten führen darf, ist für ihn auch heute keine Selbstverständlichkeit. «Ich musste einige Male hart dafür kämpfen», sagt der gelernte Büromaschinenmechaniker. Das Startkapital im Jahre 1965 war äusserst knapp bemessen. Und doch entschied er sich, im Keller seines Elternhauses Reparaturen an Schreibmaschinen durchzuführen. Mit Nebenjobs wie Taxi fahren oder Auslieferungen hielt er sich über Wasser.

Es dauerte laut Schäfler lange, bis die Firma so weit über dem Berg war. Trotz dieser Umstände bereut Schäfler den Sprung in die Selbständigkeit nicht: «Ich habe meine Arbeit jeden Tag mit Freude ausgeführt.»

42-Stunden-Woche genügt nicht

Vier Jahre nach der Gründung eröffnete Schäfler die Papeterie am Kirchplatz. Nach und nach kamen die Bereiche im Printbereich sowie Bürodesign hinzu. Heute wird in allen Filialen zusammen eine Lohnsumme von rund vier Millionen Franken umgesetzt. Während all der Jahre hat Schäfler viele Geschäftsideen aufgegriffen und verworfen – die Strategie jedoch blieb bestehen. Welches Erfolgsgeheimnis steht dahinter? «Als Unternehmer muss man sich im Klaren sein, dass es mit einer 42-Stunden-Woche nicht getan ist», stellt Schäfler klar. Zudem müsse die Freude an der Arbeit im Vordergrund stehen – und nicht das schnelle Geldverdienen.

Schäfler würde auch heute den Schritt in die Selbständigkeit wagen – wenn auch unter anderen Voraussetzungen. «Es wäre wichtig, mehr Startkapital zur Verfügung zu haben», sagt der Gossauer. Früher sei das Vertrauen der Banken und Lieferanten grösser gewesen. «Heute zählt jedoch nur noch die Erfolgskurve.» Über all die Jahre habe er stets versucht, gleichzeitig zu investieren und die Schulden abzubauen. Dies habe zwar einen langen Atem gebraucht, doch schliesslich überwog klar die Freude, bei keinem Angestellten oder Lieferanten Schulden gemacht zu haben.

Lernen loszulassen

Damit die Erfolgsgeschichte der Schäfler AG fortgeschrieben werden kann, hat sich Pius Schäfler bereits vor langer Zeit mit seiner Nachfolge beschäftigt. Eine Geschäftsleitung vertritt nun seine Belange in den Filialen, das letzte Wort behält Schäfler jedoch als Verwaltungsratspräsident. Zudem ist sein Schwiegersohn Patrick Ammann ebenfalls in der Geschäftsleitung. Pius Schäfler geniesst seinen Ruhestand – und ist trotzdem täglich im Unternehmen anzutreffen. Er geniesse es, mit Angestellten einen «Schwatz» abzuhalten. «Ich musste erst lernen loszulassen. Die Jungen machen es anders, aber auch gut.» Er schenke ihnen Vertrauen; schliesslich habe er das vor 50 Jahren ebenfalls gebraucht.