ERDBEBEN: Bereit, wenn die Erde bebt

Am Montagabend zittert in der Schweiz die Erde. Auch in der Region am See haben Einwohner das Beben gespürt. Für den Fall einer stärkeren Erschütterung sind die Gemeinden gerüstet, eine sogar zu gut.

Alain Rutishauser, Simon Roth
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Die Einsturzgefahr bei Hochhäusern, hier die Skylounge Towers in Rorschach, ist nicht höher als bei Einfamilienhäusern. (Bild: Hardy Buob)

Die Einsturzgefahr bei Hochhäusern, hier die Skylounge Towers in Rorschach, ist nicht höher als bei Einfamilienhäusern. (Bild: Hardy Buob)

Alain Rutishauser, Simon Roth

redaktionot@tagblatt.ch

Es scheppert und klimpert. Am Montagabend hat in der Schweiz nach 21 Uhr die Erde gebebt. Auch in der Region am See war die Erschütterung spürbar. Eine Einwohnerin aus Rorschach erzählt, dass das Glas ihres Kronleuchters aneinanderschlug. Nach ein paar Sekunden war der Spuk wieder vorbei. Laut dem Schweizerischen Erdbebendienst der ETH Zürich hatte das Erdbeben die Stärke 4,6 auf der Richterskala. Schäden sind in der Region keine zu beklagen.

Erst die Feuerwehr, dann der Bevölkerungsschutz

Trotzdem müssen die Gemeinden auf alle Eventualitäten vorbereitet sein. «Wir haben dieses Jahr unsere Schutzpläne aktualisiert», erklärt Paul Lutz, Stadtrat von Rheineck. «So wissen wir im Ernstfall, wie zu handeln ist, beispielsweise wo der Verkehr umgeleitet werden muss oder wo Leitungen verlaufen.» Für einen schwereren Erdbeben- oder Katastrophenfall wäre man vorbereitet. «Unsere Zivilschutzanlage fasst 200 Betten, davon sind 80AABB22vom Militär reserviert. Ausserdem bietet auch die Turnhalle Platz für einige Betten.»

Robert Raths, Gemeindepräsident von Thal, hat nichts vom Erdbeben gemerkt. «Ich weiss auch von einigen Einwohnern, dass sie ebenfalls nichts gespürt haben», sagt er. «Im Ernstfall könnten wir aber auf die Hilfe der Bevölkerung, der Feuerwehr und im grösseren Rahmen des Zivilschutzes zählen.»

Auch in Steinach ist der Ablauf ähnlich. «Im kleinen Ausmass kümmert sich die örtliche Feuerwehr darum», sagt Roland Brändli. «Erst wenn die Feuerwehr nicht mehr nachkommt, beispielsweise, wenn ganze Häuser einstürzen würden und eine Evakuation nötig wird, schreitet der regionale Bevölkerungsschutz ein.»

Wenn die Rede von einstürzenden Häusern ist, sind auch Hochhäuser gemeint, beispielsweise die Skylounge Towers in Rorschach. «Wenn sie erdbebensicher gebaut sind, ist die Einsturzgefahr bei Hochhäusern nicht höher», erklärt Clotaire Michel, Seismologe und Bauingenieur der ETH Zürich. «Auch der Wind wird mitberücksichtigt.» So schwingen Hochhäuser bei starkem Wind bis zu einen Meter mit, um nicht einzustürzen. «Schlecht gebaute Hochhäuser dagegen, beispielsweise in Italien, sind viel gefährdeter als Einfamilienhäuser.»

Die Politischen Gemeinden Goldach, Rorschach, Rorschacherberg, Steinach und Tübach haben für den Bevölkerungsschutz zusammengespannt. Im Fall eines Grossereignis übernimmt der regionale Führungsstab (RFS) die Koordination der Einsatzkräfte. In Zusammenarbeit mit Kanton und Bund würden regelmässig Gefahren- und Risikoanalysen durchgeführt. «Aufgrund dieser Einschätzungen entwickeln wir Szenarien und führen Übungen für den Ernstfall durch», sagt Patrick Rieder, Leiter des RFS. Mehrere Male sei die Eventualität eines Erdbebens bereits durchgespielt worden. Rieder betont, dass Szenarien mit Wasser wie etwa Überschwemmungen am See wahrscheinlicher sind. «Dennoch müssen wir für jeden Fall vorbereitet sein.»

Schärfere Vorschriften für öffentliche Bauten

Beat Hirs, Gemeindepräsident von Rorschacherberg, versichert, dass jedem Einwohner ein Platz in einem Schutzraum, beispielsweise im Pflegeheim Pelago, zugewiesen ist. Im Gemeindehaus existiert ein Raum für den Kulturgüterschutz. Zusätzlich gebe es ein Konzept zur Sicherstellung der Trinkwasserversorgung in Notlagen.

In Goldach gibt es sogar mehr Plätze in den Schutzräumen als Einwohner. Im November erst wurde das Pflegeheim La Vita fertig saniert und unter anderem auf den aktuellen Stand in Punkto Erdbebensicherheit gebracht. «Trotz der freien Plätze in den Schutzräumen muss im Gebiet Wuhr bei Neubauten ein Schutzraum gebaut werden», sagt Gemeindeschreiber Richard Falk. Dies schreibe der Kanton vor, da sich das Gebiet zwischen Bahnlinien und Autobahn befinde.

In Untereggen wurde vor einem Jahr der Kindergarten umgebaut. Damit einher ging die Verbesserung der Erdbebensicherheit des Gebäudes. «Bei öffentlichen Bauten gelten schärfere Vorschriften», sagt Norbert Rüttimann. Die Schutzräume der Gemeinde böten Platz für alle Einwohner. Diese befinden sich in der Mehrzweckhalle, im Industriegebiet Böhler sowie im Feuerwehrdepot.

Hinweis

Weiterführende Informationen des Schweizerischen Erdbebendienstes (SED) finden sich unter: www.seismo.ethz.ch