Erbsenzähler sind selten solidarisch

Leserbrief: Fakten liegen auf dem Tisch Ausgabe vom 15. April 2014

Ferdinand Kleger Sulzbergstrasse 28 9404 Rorschacherberg
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Bild: Ferdinand Kleger Sulzbergstrasse 28 9404 Rorschacherberg

Bild: Ferdinand Kleger Sulzbergstrasse 28 9404 Rorschacherberg

Ich möchte auf den Leserbrief von Frau und Herr Eberle aus Goldach eingehen. Grundsätzlich gilt, dass Erbsenzähler noch nie die Welt verbessert haben, es waren und sind immer die Vorausschauenden und die Phantasten, die etwas Zukunftsfähiges bewegten. Wenn wir beim Erbsen zählen sind, hier einige Fakten. Seit Jahren weisen zuständige Stellen in Rorschacherberg und Goldach Sozialhilfeempfänger auf billige Wohnungen in Rorschach hin. Da es im Zentrum genügend solche hat, sind die Empfänger erfolgreich bei der Suche nach einer kostengünstigeren Unterkunft. Man hat dann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Man ist einerseits den «Fall» los und erspart sich die Sozialkosten. Nimmt man nun die Differenz zwischen den Sozialkosten von Rorschach und den beiden anderen Gemeinden, so kommt man gut und gerne auf eine Differenz von 15 Steuerprozenten. Das nennt man dann gemeindeübergreifende Solidarität.

Zusammen mit den zentralörtlichen Aufgaben von Rorschach, die ca. weitere gut zehn Prozent ausmachen, kommt man auf einen unwesentlich höheren Steuerfuss in Rorschach wie in den Randgemeinden, sofern diese dann die weggeschobenen Sozialhilfeempfänger zahlen müssten.

Nach meiner Meinung heisst der Finanzausgleich heute Ressourcenausgleich und gleicht wenigstens teilweise die unterschiedlichen Gegebenheiten von finanzschwächeren Gemeinden aus. Erbsenzähler sind selten solidarisch, es würde ja was kosten. Und weil man sich nur mit Erbsen zählen beschäftigt, fehlen die Ideen für Entwicklungen in der Region und wir werden ständig abhängiger von Leistungen, die es nur noch in St. Gallen gibt.

Angst oder Vorsicht

Angst ist übersteigerte Vorsicht. Angst vor dem Neuen, vor dem Unbekannten, vor möglichen Szenarien. Angst kann schützen, aber Angst lähmt, blockiert. Sie hindert den Fortschritt. Entscheidungen von grosser Tragweite sollten dennoch nicht unüberlegt erfolgen. Möglichst viele der unbekannten Faktoren sollten ausgeleuchtet und gegeneinander abgewogen werden. Vorsicht ist geboten. Mit Annahme der Plus-Minus-Initiative geben wir den drei Gemeindebehörden den Auftrag, diese Auslegeordnung zusammenzustellen. Sollte die Bilanz dann negativ ausfallen, ist die Sache vom Tisch. Und wenn dann aber die positiven Argumente überwiegen sollten, können Sie aus Angst vor dem Neuen trotzdem noch Nein sagen.

Es war einmal...

Im finsteren Mittelalter hausten in Burgen und Schlössern in der Region Rorschach Vögte, die sich ein angenehmes Leben in Saus und Braus gönnten. Ihre Herrschsucht, Gewaltbereitschaft und ihr gieriges Streben nach Macht und Reichtum liess manchen Untertanen erschaudern. Es gab sie nicht, die soziale Gerechtigkeit, nur Herrscher und Befehlsempfänger.

Doch die Zeit verging und dies sollte sich ändern. Nach vielen, vielen Jahren wandelte sich die Denkweise der Menschheit, sie fand den Mut sich gegen das Unrecht zu wehren, und so entstand Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Selbst die unterdrückten Untertanen lernten, zwar sehr langsam, dass alle gleiche Rechte und Pflichten zu erfüllen haben.

In der heutigen Zeit gibt es sie nicht mehr, die bösen Vögte, oder wurden ihnen nur neue Namen gegeben? Nennen sie sich eventuell Stadt- oder Gemeindepräsidenten? Nun sind ja solche Titel nur Wörter um zu verstehen und miteinander zu kommunizieren. Ich persönlich würde, da nostalgisch veranlagt, gerne wieder für kurze Augenblicke in dieser Zeit leben, als die Vögte abgelöst und durch Kaiser und Könige « ersetzt» wurden.

So könnte das heutige brennende Problem, Fusion von Rorschach, Rorschacherberg und Goldach, in Kaiserstadt Ror-Gold-Berg unbenannt werden. König Thomas von Rorschach, König Beat von Rorschacherberg und König Thomas von Goldach hätten schon ihre neuen Wohnsitze: Thomas von Rorschach in der Rheinburg, da kein Schloss oder Burg vorhanden, Beat von Rorschacherberg im Schloss Wartensee, Thomas von Goldach ins Schlösschen Rothenstein.

So könnte der Fusionsgedanke gelöst werden mit einem Kaiser, der die drei Könige ablösen würde und als alleiniger Herrscher die Regentschaft übernehmen könnte. Würden somit nicht die Steuereintreiber entlastet, da nur einer für das Wohl des Kaisers besorgt sein müsste ?

In diesem Moment bin ich aus meiner geschichtlichen Träumerei aufgewacht und zur Erkenntnis gelangt, dass die Untertanen, jetzt Bürger genannt, das Sagen haben, und somit der Kaiser überflüssig würde. Da ja genügend Steuergelder eingetrieben werden, könnte der Kaiser in Pension geschickt, und in der benachbarten Gemeinde Thal in einem Schlösschen seinen Lebensabend verbringen.

Realistisch ist, dass jeder Bürger mit seiner demokratischen Überzeugung mithilft, die Fusion zu verweigern oder sie zu bejahen. Es können viele Gründe für ein Ja oder Nein, Vor-oder Nachteile vorhanden sein, aber diese Entscheidung darf und muss jeder stimmberechtigte Einwohner der drei Gemeinden für sich entscheiden, ohne Politik und Parteien-gläubig zu sein.

Die Geschichtsschreibung wird in einigen Jahren wie folgt aufklären: Es war einmal eine Stadt und zwei Gemeinden oder...