Er heisst Paul, sein Bruder Peter

Paul Odermatt ist ein Kind des Wildparks. Sein Vater hatte ihn oft mitgenommen auf Peter und Paul. Der neue Präsident der Wildparkgesellschaft will an der Grundausrichtung des Tierparks nichts ändern. Aber drei Projekte gilt es anzupacken.

Fredi Kurth
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Paul Odermatt, der neue Präsident der Wildparkgesellschaft, in seinem «Revier» auf Peter und Paul. (Bild: Urs Bucher)

Paul Odermatt, der neue Präsident der Wildparkgesellschaft, in seinem «Revier» auf Peter und Paul. (Bild: Urs Bucher)

Der Wechsel von Karl Müller zu Paul Odermatt ging leise vonstatten. Wohl nur wenige nahmen somit zur Kenntnis, dass die Wildparkgesellschaft seit einem halben Jahr von einem neuen Präsidenten geführt wird. Der Vorgang entspricht der Idylle des Tierparks und dessen Akzeptanz in der Bevölkerung von St. Gallen und Umgebung. Sogar Tierschutzorganisationen haben nichts auszusetzen an der losen Gefangenschaft von Hirschen, Steinböcken, Gemsen und so weiter: Im September wurde der Wildpark vom Schweizer Tierschutz für die vorbildliche Tierhaltung gepriesen.

Luchsgehege, Kirchlihaus

«Peter und Paul soll bleiben, wie er ist», sagt Paul Odermatt. Was nicht heisst, dass der Vorstand der Wildparkgesellschaft sich untätig der Zukunft aussetzt. Bald soll das Luchsgehege in Richtung Wittenbach ausgedehnt werden, wenn auch unwesentlich. In jener Ecke sollen die beiden Luchse auch einmal kurz für eine Impfung festgehalten werden. Mittelfristig muss das Kirchlihaus am südlichen Eingang des Wildparks renoviert oder ersetzt werden. Im rund hundert Jahre alten Haus mit den farbigen Läden, in dem das Wärter-Ehepaar Walter und Regula Signer wohnt, hat die Bausubstanz gelitten. Statt einer Sanierung komme eher ein Nachbau in Frage, sagt Odermatt. «Oder etwas ganz Neues.»

Ein Schauhof geplant

Gleich daneben steht der Bauernhof von Bruno Mösli, welcher der Ortsbürgergemeinde gehört. Dieser soll künftig als Schauhof die Attraktion Wildpark erweitern. «Er kommt sicher», sagt Odermatt. «Offen ist noch in welcher Form.» Erweiterung und Anpassung dürften rund eine Million Franken kosten.

Die früheren Vorhaben allerdings sind ausgeführt. Die Felsensanierung für 4,8 Millionen Franken und das von der Dietschweiler-Stiftung gespendete Informationszentrum habe den Wildpark nun auf einen Stand gebracht, der eine Generation lang hinhalten sollte. Odermatt kann sich eine solche Einschätzung erlauben. Sein Vater hatte bei Morant Strassenbau gearbeitet und seit Gründung des Wildparks häufig dort zu tun gehabt. Da ging auch der junge Paul gerne mit. Sein Bruder heisst Peter. Nicht zufällig. Vater und Mutter Odermatt haben sie bewusst nach den Namen des Tierparks getauft.

Offener Park zieht Leute an

Paul Odermatt war als Baumeister in der gleichen Branche tätig wie sein Vater. Der Wildpark ist nun seine Hauptbeschäftigung. Drei- bis viermal pro Woche ist er auf Peter und Paul. Er kennt alle Tiere, rund 85 an der Zahl, wenn auch nicht mit Namen – weil die meisten gar keinen Namen haben. Aber er kennt auch viele Leute, die er dort oben trifft, solche, die täglich ihren Rundgang machen oder aus sonst irgendeinem Grund Peter und Paul besuchen. «Schauen Sie, heute ist ein trüber Tag. Es regnet und doch sehen wir Menschen hier oben.» Odermatt erklärt auf diese Weise, weshalb der Wildpark eine offene Institution bleiben soll, wie dies seit seiner Gründung 1892 der Fall ist. «Würden wir zum Beispiel Eintritt verlangen, ging die jederzeit mögliche Begehung und damit die spontane und sehr breite Verbundenheit der Bevölkerung verloren.»

Umgekehrt will man die Gesellschaft selber jedoch nicht öffnen, sondern weiterhin auf 40 Mitglieder beschränken. Ein elitärer Anstrich ist nicht zu vermeiden. Aber eingebunden sind ausschliesslich Körperschaften und Personen, die auf ihre Art den für alle offenen Wildpark ermöglichen. «Sehr dankbar sind wir auch allen Gönnern», sagt Odermatt.

Kein Visitor's Center

Eines wird sich in diesen Tagen doch noch ändern: Das Informationszentrum erhält einen andern Namen. Die allgemeine Bezeichnung habe falsche Erwartungen geweckt, sagt Odermatt. Man habe ein Visitor's Center erwartet, in dem die Besucher, vorwiegend Schulen, informiert würden. Doch man muss sich dort selber informieren. Im Moment erscheinen ungefähr zwei bis drei Klassen alle zwei Tage. Damit ist die Gesellschaft fürs erste zufrieden.

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