Er bringt das kühle Blonde

Während andere ihre Ferien geniessen, arbeitet René Widmer besonders lang: Für Schützengarten liefert er von frühmorgens bis vier Uhr nachmittags Getränke aus. Anschliessend wirtet er im eigenen Restaurant bis in die Nacht hinein.

Michael Zwicker
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Seit 15 Jahren liefert René Widmer für Schützengarten Getränke aus. (Bild: Ralph Ribi)

Seit 15 Jahren liefert René Widmer für Schützengarten Getränke aus. (Bild: Ralph Ribi)

In der Lagerhalle der Brauerei Schützengarten warten René Widmer und seine Kollegen, bis es sieben Uhr schlägt. Die Tore der Halle sind geöffnet und die Lieferwagen, auf die sich 1100 Kilogramm Getränke laden lassen, stehen bereit. Draussen regnet es an diesem Sommertag in Strömen, und in der Halle kreisen Hubstapler geschäftig um die mehrere Meter hoch gestapelter Harasse und Fässer voller Schützengarten-Bier. «In wenigen Minuten können wir mit dem Einladen beginnen», sagt Widmer, der seit 15 Jahren für Schützengarten Getränke ausliefert. «Wegen der Nachtruhe müssen wir aber noch kurz warten.»

Ausgekugelte Schulter

Mit dem Glockenschlag geht es los. Widmer lädt die in den Lieferscheinen vermerkte Zahl Harasse und Fässer ein. Dann fährt er vor die nächste Halle, in der er Kohlesäureflaschen und Eisteekonzentrat für das Restaurant Waldegg in Teufen bereitgestellt hatte. Beim Verladen wird er ein erstes Mal nass, was einige Flüche über das Wetter nach sich zieht. Und dies, obwohl die gelbe Firmenregenjacke mit dazugehöriger Baseballmütze und das gute Schuhwerk den Regen weitgehend abhalten. «Das Wetter ist in diesem Beruf das grösste Übel», sagt er während er in die Fahrerkabine steigt und sich das Gesicht mit einem Tuch abtrocknet. Mit den Lieferwagen, wie er einen fahre, würden auch die etwas schwieriger zugänglichen Beizen und Restaurants angefahren – etwa das Aussichtsrestaurant Waldegg. Im Winter müsse er oft die Ketten montieren. Einen Unfall habe er in all den Jahren als Chauffeur aber erst einmal gebaut: «Der Lieferwagen kam auf verschneitem Untergrund ins Rutschen.» Und er sei, weil er nichts mehr unternehmen konnte, aus dem bereits von der Strasse abgekommenen Auto gesprungen, das weiter unten in einen Baum prallte. «Dabei habe ich die Schulter ausgekugelt.»

«Schwatz mit den Wirten»

Und auch die Tour von heute geht in hügelige Regionen. In Grub fährt Widmer auf eine kiesige Seitenstrasse und hält vor einem unauffälligen Wohnhaus. «Hier wohnt ein etwa 70jähriger Mann, der einen kleinen Getränkehandel betreibt», sagt Widmer. Er stellt die vollen Harasse in die offene Garage und nimmt die bereitgestellten leeren mit. Auf dem Weg nach Heiden erzählt er, dass sein Bruder auch bei der Brauerei Schützengarten arbeite. Durch ihn habe er dazumal von der freien Stelle erfahren. «Gelernt habe ich eigentlich Käser, aber seit der Rekrutenschule nicht mehr auf dem Beruf gearbeitet.» In Heiden angekommen, bringt der 59jährige Vater von vier Kindern Harasse und Fässer mit dem Warenlift in den Keller des Hotels Bö's und lässt sich die Lieferung an der Réception mit einer Unterschrift bestätigen. Auf die Frage hin, was ihm an diesem Beruf am meisten gefällt, antwortet er knapp: «Der Schwatz mit den Wirten.»

Eigenes Restaurant

Wirt ist er selber auch. Zusammen mit seiner Lebenspartnerin führt er in Muolen das Restaurant Bären. «Um vier Uhr bin ich mit den Lieferungen meistens fertig, und die Gäste kommen unter der Woche normalerweise erst nach Feierabend in den <Bären>.» Zeit für seine Hobbies finde er aber trotz dieser Doppelbelastung. «Ich bin Jass-Schiedsrichter und jasse viel», sagt Widmer. Lange war er zudem Vizepräsident des FC Bischofszell.

Zuletzt fährt Widmer mit dem Lieferwagen Teufen an, wo ihm die Wirtin von der «Waldegg» nach getaner Arbeit einen Kaffee serviert. Nach einem kurzen Schwatz und einigen Scherzen muss Widmer aber weiter. Erstmals zurück zur Brauerei, um die leeren Harasse und Fässer ab- und volle wieder aufzuladen. Dann geht es weiter. Zwei Touren stehen heute noch an, bevor René Widmer Feierabend hat – und im Restaurant Bären seiner zweiten Arbeit nachgeht.

Bild: MICHAEL ZWICKER

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