Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Er bewahrt gestern für morgen

Der ehemalige Stadtpolizist Josef Eberhard hat mit anderen Pensionären den historischen Polizeiposten an der Unterstrasse renoviert. Er interessiert sich für Geschichte, verklärt sie aber nicht. Sein Glas sei halbvoll, sagt er.
Katharina Brenner
Josef Eberhard steht als St. Galler Stadtpolizist 1983 hinter der Kamera. (Bild: pd)

Josef Eberhard steht als St. Galler Stadtpolizist 1983 hinter der Kamera. (Bild: pd)

Nach Dienstschluss zog Josef Eberhard auf dem Polizeiposten seine Uniform aus und fuhr nach Hause. «Mit der Uniform habe ich auch die Gedanken an die Arbeit abgelegt», sagt der 70-Jährige. 40 Jahre lang war Eberhard Stadtpolizist, die meiste Zeit in den Quartieren Lachen, Heiligkreuz und Rotmonten. Seit sieben Jahren ist er pensioniert.

Josef Eberhard Pensionierter Polizist, Mitglied IG Historischer Polizeiposten (Bild: Katharina Brenner)

Josef Eberhard Pensionierter Polizist, Mitglied IG Historischer Polizeiposten (Bild: Katharina Brenner)

Zu Hause habe er wenig über die Arbeit gesprochen. Dort wollte er abschalten: bei der Gartenarbeit, beim Pflegen der Oldtimer, beim Spielen mit den drei Kindern. Sie sind längst erwachsen. Das älteste seiner sechs Grosskinder ist 18 Jahre alt. «Wenn ein Fall mich beschäftigt hat, hat meine Frau das schon gemerkt.» Aber Ablenkung sei noch immer das Beste gewesen, sagt Eberhard. «Mehr raten einem die Psychologen heute auch nicht.» Früher habe es diese Art der Betreuung für Polizisten nicht gegeben. Die Ausbildung sei heute sachbezogener. «Der Beruf ist anspruchsvoller geworden.» Neue Formen der Kriminalität seien aufgekommen, Beschimpfungen und Tätlichkeiten hätten zugenommen.

Dabei hat Eberhard seine Ausbildung zu einer Zeit gemacht, als viele die Polizei und den Staat am liebsten abgeschafft hätten. «<Macht aus dem Staat Gurkensalat> war 1968 ein beliebter Slogan», sagt er. Letztlich habe die Polizei von diesem Wandel aber auch profitiert: Zuvor habe Disziplin an allererster Stelle gestanden. Das habe sich geändert.

Für Ruhe und Ordnung sorgen

Er sei unter anderem Polizist geworden, weil er in einem Staat leben möchte, der funktioniert, sagt Eberhard. «Das geht nur mit Ruhe und Ordnung. Sonst bricht Chaos aus. Dazu wollte ich meinen Beitrag leisten.» Ist ihm das gelungen? «Ja, eigentlich schon», sagt er.

Gibt es Erlebnisse, die ihm besonders in Erinnerung geblieben sind? «Diese Frage kommt immer, wenn ich über meine Arbeit spreche», sagt Eberhard und überlegt dennoch kurz. Ein paar Mal habe er Männer beruhigt, die ihre Frauen mit dem Tod bedrohten. «Ich konnte sie im Gespräch umstimmen. Das war ein sehr schönes Gefühl.»

Krimis müssen nicht blutig sein

Gerne schaue er Krimis, blutig müssten sie aber nicht sein. Überhaupt – heute werde alles so aufgebauscht. Die Medien leisten dazu einen grossen Beitrag, sagt Eberhard. «Wenn wir immer nur lesen, wie schlecht alles ist, glauben das die Leute auch.»

Dabei hätten viele schon vor 50 Jahren gesagt, alles sei ganz furchtbar. Wenn aber drei in einer Beiz darüber reden, wie schlecht es ihnen ginge, und ein vierter komme dazu und sage, alles sei gut, seien die anderen drei auch wieder gut drauf. «Es ist eben alles Ansichtssache. Und das bekannte Glas ist bei mir immer halbvoll.»

Wenn Eberhard redet, redet er auch mit den Händen. Er führt sie vom einen Ende des Holztischs zum anderen, hebt sie an und legt sie wieder ab. Seine 70 Jahre merkt man ihm nicht an. Heute sitzt Eberhard wieder auf einem Polizeiposten, aber nicht mehr als Polizist, sondern als Hobbyhistoriker. Zusammen mit drei anderen Pensionären, zwei Männern und einer Frau, hat er den historischen Polizeiposten an der Unterstrasse 45 renoviert. Vergangene Woche haben sie die Einweihung gefeiert. Zwei Gruppen hätten sich bereits für eine Besichtigung angemeldet.

Der Polizeiposten von 1907

Zwei Räume und eine Zelle haben die Mitglieder der Interessengemeinschaft Historische Polizeiposten in Absprache mit der Denkmalpflege hergerichtet. Sie haben alte Fotos gesichtet, die Wände gestrichen, den Boden geölt und die Möbel so arrangiert, wie sie früher dort standen. Von 1907 bis 1933 war der Posten in Betrieb.

Es sei ihm ganz wichtig, zu betonen, dass nicht er, sondern die Interessengemeinschaft den Posten renoviert habe, sagt Eberhard. Eine seiner Aufgaben war es, den Fischgratboden zu restaurieren. Bevor er Polizist wurde, arbeitete Eberhard als Zimmermann im Tessin. Aufgewachsen ist er auf einem Bauernhof in Waldkirch. Als er im Tagblatt las, dass die Polizei Auszubildende suche, sei das genau das Richtige gewesen. «Ich wollte damals gerne etwas anderes machen.»

Die Geschichte der Polizei interessiert ihn weiterhin. «Ich möchte für kommende Generationen aufarbeiten, wie es früher war», sagt er. Aber er sei kein Ewiggestriger. Eberhard geht mit der Zeit, nutzt das Internet: «Ich schätzte die neuen Möglichkeiten sehr.» Wer sie richtig nutze, lebe heute besser als früher.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.