Entrümpeln leichtgemacht

GOSSAU. Im Hinblick auf den Frühling wird es wieder aktuell: Das Entrümpeln und Entsorgen. Dazu lud das Frauennetz Gossau zwei Referentinnen ein, die verschiedener nicht sein könnten.

Manuela Bruhin
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Werden Sachen nicht mehr gebraucht, ist es Zeit, zu entrümpeln. (Bild: fotolia)

Werden Sachen nicht mehr gebraucht, ist es Zeit, zu entrümpeln. (Bild: fotolia)

Passionierte Aufräumerin? Oder doch lieber leidenschaftliche Sammlerin? Jovita Tönz-Braunwalder, seit 15 Jahren Leiterin des Brocki-Treffs in Gossau, gehört definitiv zur letzteren Gattung. Antike Möbel, Porzellan oder Textilien aus der Vergangenheit lassen ihr Herz höher schlagen. Sie sagt: «Zu Anfangszeiten bedauerte ich so viele Sachen, die ich im Brocki-Treff verkauft habe. Eben, weil sie einfach so gut hierher passten.» Mittlerweile habe sie sich jedoch daran gewöhnt. Dreimal in der Woche ist sie unterwegs, um Jagd auf spezielle und guterhaltene Stücke zu machen.

Leuten helfen

«Antiquitäten auszustellen, ist meine Leidenschaft», erklärte Tönz-Braunwalder am Mittwoch. Das Frauennetz Gossau lud zum Anlass «Ballast abwerfen und Raum für Neues schaffen». Mit rund 70 Anwesenden war der Diskussionsabend bis zum letzten Platz belegt. Zum Thema referierten die beiden Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Neben Jovita Tönz-Braunwalder führte die Herisauerin Mylène Alt, Arbeitsplatz- und Aufräumcoach, durch den Abend. «Ich möchte das Leben für die Menschen einfacher machen», erklärte sie den Anwesenden. Seit sechs Jahren hilft sie Leuten, ihren Arbeitsplatz oder ihr Haus zu entrümpeln. Aufzuräumen sei ihre grosse Leidenschaft, so die 50-Jährige. In ihren Ausführungen erzählte sie von einer Kollegin, die quasi in einem Museum wohne. «Auf ihrem Couchtisch befinden sich fünf Fernbedienungen – alle bis auf den letzten Millimeter genau angeordnet.»

Brauche ich das noch?

In ihrer Tätigkeit hat sie es jedoch meistens mit dem anderen Extrem zu tun – wie beispielsweise der Entrümpelung eines Messie-Hauses. Doch woher kommt diese Sammelwut? In erster Linie sei es vielfach so: «Wenn die Eltern es mit dem Aufräumen nicht so genau nehmen, geben sie dies häufig ihren Kindern weiter», erklärte Alt. Zudem könne das Sammeln eine Art Sicherheit vermitteln – «Dies oder das könnte man ja irgendwann einmal noch brauchen.» Sammelwut könne aber auch Gefühle unterdrücken. «Manche Leute würden nämlich nicht mehr wissen, was sie mit ihrer Zeit anstellen können, wenn sie ihre Sachen nicht mehr zusammensuchen müssten.»

Kleine Einheiten vornehmen

Doch was tun, wenn die Schränke bis zur hintersten Ecke gefüllt sind, der Estrich aus allen Nähten platzt und im Keller nicht einmal mehr ein Blatt Papier Platz hätte? Erst einmal muss sich von diesem Trugschluss verabschiedet werden: «Hätte ich mehr Platz, wäre es hier viel ordentlicher.» Mylène Alt gibt ihren Kunden den Tip, sich kleine Einheiten vorzunehmen – und nicht gleich das gesamte Haus entrümpeln zu wollen. Ansonsten hätte man zu viele Baustellen, und aufgeräumt sei am Ende doch nicht. Die Küchenausrüstung soll also im Verhältnis zur Familiengrösse passen, das Schlafzimmer nicht zur Abstellkammer umfunktioniert werden und im Badezimmer keine «Müsterli, die so schön aussehen und sicher einmal benutzt werden» gehortet werden. Falle das Entsorgen von alten Sachen schwer, empfiehlt Alt, sich mit einem kleinen Ritual zu verabschieden. Oder die verblasste Bluse und den Teller aus dem Urlaub für einige Wochen in einen Karton zu stecken – und sich dann zu fragen, ob man die Sachen vermisste hätte.

Und für all diejenigen, die sich das Aufräumen gleich für morgen vorgenommen haben, hat Alt eine weitere Anmerkung, die vielleicht nicht so grossen Anklang finden dürfte: «Mit dem Aufräumen kann jetzt begonnen werden – der perfektere Moment wird nämlich nicht kommen.»

Jovita Tönz-Braunwalder Leiterin Brocki-Treff in Gossau (Bild: Manuela Bruhin)

Jovita Tönz-Braunwalder Leiterin Brocki-Treff in Gossau (Bild: Manuela Bruhin)

Mylène Alt Arbeitsplatz- und Aufräumcoach (Bild: Manuela Bruhin)

Mylène Alt Arbeitsplatz- und Aufräumcoach (Bild: Manuela Bruhin)