Entlastung für Denkmalpflege

Am 1. Januar tritt eine kantonale Verordnung in Kraft, welche die Denkmalpflege und deren Beiträge an Sanierungen neu regelt. Was der Kanton als Sparübung initiierte, könnte für die Stadt zum Glücksfall werden: Sie muss weniger zahlen.

Elisabeth Reisp
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Die Gebäudehülle der Kirche St. Maria-Neudorf soll saniert werden. Die Stadt wird dafür keine Denkmalpflegebeiträge mehr zahlen müssen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Die Gebäudehülle der Kirche St. Maria-Neudorf soll saniert werden. Die Stadt wird dafür keine Denkmalpflegebeiträge mehr zahlen müssen. (Bild: Hanspeter Schiess)

Der Sparauftrag zwingt den Kanton, auf Biegen und Brechen die Kosten zu senken So auch in der Denkmalpflege. 600 000 Franken muss das kantonale Amt für Denkmalpflege im nächsten Jahr einsparen. Die Regierung hat dazu eine neue Verordnung erlassen, die sagt, dass bei Sanierungen nur noch Objekte von kantonaler Ausstrahlung vom Kanton einen Unterstützungsbeitrag erhalten. Das könnte für den Kanton zum Bumerang werden. Denn in der Regel sind es die Objekte von kantonaler und nationaler Bedeutung, deren Sanierung aufwendig und sehr kostspielig ist. Für die Stadt könnte die Verordnung, die am 1. Januar in Kraft tritt, allerdings ein Segen sein.

Entlastung von Grossprojekten

Neu sind die Gemeinden allein für Baudenkmäler von lokaler Bedeutung zuständig. Der Kanton richtet nur noch an Baudenkmäler von kantonaler und nationaler Bedeutung Beiträge aus – ohne Kostenbeteiligung der Gemeinden. So steht es in der Mitteilung der Staatskanzlei von letzter Woche. In der Stadt St. Gallen stehen etliche Baudenkmäler von überregionaler Ausstrahlung. Etwa die Kathedrale, das Klosterviertel, etliche weitere Kirchen und auch zahlreiche der alten «Stickerei-Paläste». Nächstes Jahr stehen bei einigen Sanierungsarbeiten an. So etwa die Innenreinigung der Kathedrale oder die neue Turmeindeckung für die St. Laurenzen-Kirche. Und vor allem wird in den nächsten Jahren für rund zehn Millionen Franken mit der kompletten Sanierung der Kirche Santa Maria Neudorf begonnen, inklusive Pfarrhaus und Pfarreiheim. «Diese Objekte stehen unter kantonalem und teilweise unter Bundesschutz», sagt Niklaus Ledergerber, Leiter der städtischen Denkmalpflege. «Somit ist die Stadt gemäss neuer kantonaler Verordnung von denkmalpflegerischen Beiträgen entlastet.» Bis anhin haben sich Stadt und Kanton den an die Denkmalpflege anrechenbaren Teil von Sanierungen geteilt.

Allerdings hängt momentan vieles in der Schwebe. Die Denkmalpfleger wussten zwar, was auf sie zukommt, die Verordnung haben sie aber auch erst im Dezember erhalten.

Entflechtung von Kompetenzen

Einerseits sieht die Verordnung einen Sparauftrag für den Kanton, anderseits auch eine Entflechtung der Kompetenzen zwischen Kanton und Gemeinden vor. Es sei noch nicht einmal entschieden, welche Objekte von kantonaler Bedeutung seien und welche von kommunaler, bestätigt Michael Niedermann, Leiter der kantonalen Denkmalpflege. «Wir werden dies in einer ersten Phase von Sanierungsprojekt zu Sanierungsprojekt ad hoc entscheiden müssen.»

Stadt hat viele wichtige Bauten

Wie viel der Kanton mit der Neuordnung sparen kann, weiss Michael Niedermann nicht. «Wir haben vom Kantonsrat den Auftrag erhalten, 600 000 Franken zu sparen. Diesen Auftrag müssen wir umsetzen, anders geht es gar nicht.» Man werde versuchen, die Einsparungen gerecht zu verteilen, sagt Niedermann. Das bedeutet: weniger für alle. Dass die Stadt mit der neuen Verordnung unter dem Strich entlastet werden könnte, schliesst auch Niedermann nicht aus.

Grob geschätzt würden künftig noch etwa 30 bis 40 Prozent der denkmalgeschützten Objekte unter Kantonsschutz stehen, «in der Stadt wird dieser Anteil aber sicher höher sein», sagt Niedermann. Somit bleiben der Stadt nur noch die kleineren Objekte, deren Sanierung nicht so hohe Beiträge seitens der Denkmalpflege verursachen. Die Beträge für diese Objekte wird die Stadt künftig allerdings alleine tragen müssen.

Michael Niedermann Kantonaler Denkmalpfleger (Bild: pd)

Michael Niedermann Kantonaler Denkmalpfleger (Bild: pd)

Niklaus Ledergerber Städtischer Denkmalpfleger (Bild: pd)

Niklaus Ledergerber Städtischer Denkmalpfleger (Bild: pd)

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