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ENTFLECHTUNG: Waldkirch hat keine Beamten mehr

Waldkirch wird ab Neujahr als erste Gemeinde in der Region Politik und Verwaltung organisatorisch voneinander trennen. Die Gemeinderäte könnten dadurch an Bedeutung verlieren.
Sebastian Schenider

Sebastian Schenider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Lange hat man in Waldkirch darüber gesprochen, nun wird es Realität: das Geschäftsleitungsmodell auf der Gemeindeverwaltung. Morgen Mittwoch gibt der Gemeinderat aller Wahrscheinlichkeit nach die definitive Zusage, so dass die Verwaltungsangestellten und Behörden ab Neujahr loslegen können. Die Idee hinter dem Modell ist, Verwaltungsaufgaben, also das operative Geschäft, von den strategischen und politischen Belangen zu trennen. Der Gemeinderat wird privatwirtschaftlich gesprochen zum Verwaltungsrat, Chefbeamte zu Bereichsleitern. Gemeindepräsident Aurelio Zaccari wirkt entsprechend als CEO und Verwaltungsratspräsident.

Erstes Wahlversprechen eingehalten

Zaccari, der als Nachfolger von Franz Müller seit nun einem Jahr die Geschicke der Gemeinde Waldkirch leitet, ist zufrieden mit dem bisherigen Umbau seiner Verwaltung. Wie im Wahlkampf versprochen, hat er die Umsetzung des Modells prioritär behandelt. Früher als Januar 2018 hätte er die Umstellung indes nicht vollziehen können, sagt er in einem Gespräch. «Wir haben uns die nötige Zeit dafür nehmen müssen.» Zaccari brauchte als frischgebackener Gemeindepräsident ebenfalls Anlaufzeit, musste er sich doch in diesem Jahr in alle neuen Aufgaben hineinknien. Damit ihm das besser gelungen sei, habe er die ständigen Aufgaben als Gemeindepräsident vom Projekt getrennt: «Ich habe neben dem 80-Prozent-Pensum in zusätzlichen Arbeitsstunden als Projektleiter gearbeitet.» Nun sei alles bereit für die Umstellung. Eine Testphase wurde dieser Tage abgeschlossen. Es sind nur Kleinigkeiten, die laut Aurelio Zaccari angepasst werden müssen.

So gibt es auf der Gemeindeverwaltung nun die vier Bereiche Kanzlei, technische Betriebe, Bau und Infrastruktur sowie Finanzen. Alle zwei Wochen setzen sich die Bereichsleiter mit dem Gemeindepräsidenten in der Geschäftsleitung zusammen. Dazwischen wiederum finden die Sitzungen des Gemeinderats statt. «Geschäfte werden in der Verwaltung soweit vorbereitet, dass der Gemeinderat die Grundlage für die Entscheidungsfindung hat», erklärt Zaccari.

Entlastung für die Gemeinderäte

Die Umstrukturierung bringt einige Veränderungen mit sich. So sind sämtliche Kommissionen, in denen auch Gemeinderäte vertreten waren, aufgelöst. Möglicherweise gibt es laut Zaccari in Zukunft weniger Gemeinderatssitzungen. Das Gremium wird entlastet, was aber auch heissen kann, dass seinen Mitgliedern die Innensicht fehlen könnte. Dieses potenzielle Problem ist Zaccari bewusst. Er werde darum versuchen, wann immer nötig die richtigen Leute einzubeziehen. Dies gelte auch für die Angestellten. «Jeder ist ein Fachmann in seinem Gebiet und kann sein Wissen einbringen», sagt Zaccari.

Das neue Modell setzt ein grösseres Vertrauen des Gemeindepräsidenten in seine Angestellten voraus. Denn die 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf der Verwaltung haben nun mehr Kompetenzen und tragen entsprechend mehr Verantwortung. Wem wie viel Kompetenz zusteht, ist in einer Tabelle definiert. Für die Angestellten ist dies laut Zaccari anspornend. «Erstens, weil über Aufgaben und Kompetenzen Klarheit herrscht, und zweitens, weil die Angestellten in ihren Aufgaben aufgehen können.» Dennoch ist klar: Gibt es ein Geschäft, das politisch heikel sein könnte, ist ein Angestellter angehalten, es mit dem Bereichsleiter zu besprechen. Denn für Zaccari ist klar: «Eine vollständige Entflechtung von operativen und strategischen Aufgaben ist nicht möglich.»

In der Umgebung ist Waldkirch die einzige Gemeinde, die auf das Geschäftsleitungsmodell setzt. Und Zaccari weiss nur von wenigen Gemeinden im Kanton, die ebenfalls Bereichsleiter haben. Gut möglich, dass in nächster Zeit auch andere Gemeinden umsteigen. Ein Austausch unter Gemeindepräsidenten findet ohnehin statt. Nicht zuletzt, weil auf die Verwaltungen immer mehr und kompliziertere Aufgaben zukommen, die ein tiefes fachliches Knowhow verlangen.

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