Englisch-Schule erfindet sich neu

Solothurn, Luzern, Winterthur – mehrere International Schools stecken in der Krise, weil die Schülerzahlen einbrechen. In St. Gallen setzen Stiftung, Trägerschaft und Unternehmen nach harzigem Start derweil auf einen Neuanfang.

Christoph Zweili
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Nach den Sommerferien werden 28 Schüler an der International School St. Gallen auf dem Rosenberg unterrichtet. (Bild: Urs Jaudas)

Nach den Sommerferien werden 28 Schüler an der International School St. Gallen auf dem Rosenberg unterrichtet. (Bild: Urs Jaudas)

ST. GALLEN. Drei Millionen Franken benötigen die Initianten der International School St. Gallen für den Neustart – und noch ist nicht der ganze Betrag zusammen. Dafür werden Sponsoren zurück ins Boot geholt und Leistungsvereinbarungen mit dem Kanton und den Trägern geschlossen. «Das Potenzial für eine englischsprachige Schule ist gegeben». Daran glaubt Rolf Brunner, Vize-Verwaltungspräsident der International School St. Gallen (ISSG) und Präsident des Stiftungsrats, felsenfest. «Wir rechnen bis in zehn Jahren mit 100 Kindern; die Unter- und Mittelstufen-Jahrgänge werden in St. Gallen, unterrichtet die älteren in Buchs. Nach den Sommerferien starten wir mit 28 Schülern, die von sechs Lehrern unterrichtet werden. Damit sind wir schön im Budget. Weitere sechs Schüler zeigen Interesse.»

Nicht wenige englischsprachige Privatschulen kämpfen heute mit schwindenden Schülerzahlen. Dass die Stadt Winterthur im Mai ihre International School wegen Insolvenz verloren hat, könnte für die St. Galler eine Trumpfkarte bedeuten. «Wir kämen interessierten Schülern allenfalls bis zum Bahnhof Wil entgegen, um sie hier mit dem Auto abzuholen und in die Gallusstadt oder auch nach Buchs zu fahren», sagt Brunner.

Bereits 2009 ist die ISSG mit einem Startkapital von 2,5 Millionen Franken gestartet, angestossen von der Wirtschaftsregion St. Gallen. Die Schule wurde vom Kanton St. Gallen in den Jahren 2009 bis 2013 mit insgesamt einer Million und von der Stadt St. Gallen mit 150 000 Franken unterstützt. Sie wurde auch mitgetragen von den Kantonen Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden. Richtig zum Fliegen kam das Projekt aber nicht.

Verwirrspiel auf dem Rosenberg

Auch im alten Herrschaftshaus auf dem Rosenberg neben der Universität St. Gallen erwiesen sich die Schülerzahlen als trügerische Grösse, zumindest in den vergangenen zwei Jahren. «Daran wären wir nach fünf Jahren Betrieb auch fast gescheitert», sagt Brunner. Darüber hinaus gab es Differenzen beim Aktionariat: Die SBW-Haus-des-Lernens-Gruppe, verantwortlich für den Aufbau der Schule, hatte im vergangenen Jahr ihren 60-Prozent-Anteil an die Basler Bildungsgruppe verkauft, ohne die Minderheitsaktionärin, die Stiftung, in welcher Brunner als Mitglied des Stiftungsrates amtet, darüber zu informieren. Schliesslich kaufte die SBW ihren Anteil wieder zurück.

«Inzwischen wurde mit der SBW-Gruppe eine Lösung gesucht und gefunden», sagt Brunner. Im Dezember 2014 übernahm die 2002 gegründete International School Rheintal (ISR) in Buchs den SBW-Mehrheitsanteil. «Das ist für uns eine langfristige Option.»

Mit der Firma Hilti kann die ISR auf einen multinationalen Arbeitgeber zählen, der kürzlich zu den 100 besten in Europa gekürt wurde. «Hilti macht viel für die ISR», sagt Brunner. In der Region St. Gallen holt Brunner nun mit Bühler, Huber+Suhner, Abacus, St. Galler Kantonalbank, Raiffeisen sowie Hilti wieder mehrere grosse Firmen ins Boot. In der Trägerschaft sitzen auch die Region St. Gallen-Bodensee und der Kanton Appenzell Ausserrhoden. Und erneut der Kanton St. Gallen, der sich im laufenden Jahr im Rahmen einer Leistungsvereinbarung mit maximal 150 000 Franken an der Anschubfinanzierung beteiligt, wie Peter Kuratli, Leiter Amt für Wirtschaft und Arbeit, sagt.

Bühler setzt auf Schulauswahl

Die Firma Bühler ist seit der Gründung ein Partner der International School St. Gallen, deren Schulprogramme international ausgerichtet sind, so dass die Schüler ein- und austreten können. «Als internationales Unternehmen wollen wir unseren Mitarbeitenden, die mit ihren Familien in die Schweiz kommen, eine entsprechende Auswahl an Schulen für ihre Kinder bereitstellen», sagt Daniel Ziegler, Assistent des Personalchefs bei Bühler und Mitglied des Verwaltungsrates der ISSG.

«Diese Fachkräfte werden von den ansässigen Unternehmen dringend gebraucht», sagt Peter Kuratli. Die Regierung unterstütze daher die beiden internationalen Schulen in Buchs und St. Gallen unter dem Titel der Standortförderung. Internationale Unternehmen wollten ihre Fachkräfte vorübergehend an verschiedenen Standorten einsetzen, je nach Bedarf. Fremdsprachige Familien mit Kindern seien daher bei diesen Wohnortwechseln auf International Schools angewiesen.

Abacus zahlt Shuttlebus

Die Eltern müssen für ein Schuljahr in die Tasche greifen – es kostet zwischen 15 000 und 32 000 Franken, abhängig vom entsprechenden Schuljahr. «Das ist vergleichbar mit den Kosten des Unterrichts in einer öffentlichen Schule», sagt Brunner. Unterrichtet werden die acht Jahrgangsklassen in englischer Sprache – Deutsch und Französisch sind Fremdsprachen. «Wenn wir genug wachsen, wollen wir alle Jahrgänge hier in St. Gallen führen.»

Noch aber gibt es zwei Schulstandorte. Das Softwareunternehmen Abacus finanziert einen Shuttlebus, der die älteren Schüler täglich zur ISR in Buchs bringt – hier werden 140 Schüler von 28 Lehrern unterrichtet. Rolf Brunner schwärmt vom «guten Geist von Buchs», eine Anspielung auf die Co-Schulleitung mit Meg Sutcliffe und Heiner Graf, beide unterrichten seit 13 Jahren an der ISR. Buchs ist mit Containern gestartet, daraus entstanden ist ein Campus. Dass für einmal die Kantonshauptstadt von der Region lernt, wie eine Schule aufgebaut wird, «das hat Charme», sagt Brunner.