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ENGELBURG: Soll Barbie oder Ken die Koffer ziehen?

Kultur in Engelburg ist in die neue Saison gestartet: Am Samstag berichtete der österreichische Kabarettist Stefan Waghubinger, was in seinem Leben alles schiefgelaufen ist.
Nina Rudnicki
Stefan Waghubinger auf der Bühne in der Alten Turnhalle, in der Hand die Steuererklärung. (Bild: Nina Rudnicki)

Stefan Waghubinger auf der Bühne in der Alten Turnhalle, in der Hand die Steuererklärung. (Bild: Nina Rudnicki)

Die ersten Lacher sind zu hören, bevor der österreichische Kabarettist Stefan Waghubinger die Bühne überhaupt betreten hat. Schon mit seinem ersten Satz hat er das Publikum in der Alten Turnhalle in Engelburg für sich eingenommen. «Ich bin seit einem Monat mit meiner Steuererklärung beschäftigt, dabei habe ich noch nicht einmal mit Ausfüllen angefangen», sagt er mit verzweifeltem Gesichtsausdruck.

Waghubinger spielt den desillusionierten Durchschnittsbürger ohne jeden Funken Lebensfreude. «Aussergewöhnliche Belastungen» heisst sein aktuelles Stück, mit dem er auf Tour ist und auch regelmässig im deutschen Fernsehen auftritt. Aussergewöhnliche Belastungen sind die Steuererklärung, aber auch die Grübeleien, in die er gerät.

Auf dem Tisch steht eine Kartonkiste. Nach und nach zieht er Quittungen heraus – etwa die Quittung einer Männerunter­hose aus Naturfasern vom Ökoladen. «50 Euro!», ruft er empört und sagt dann resigniert: «Die hat mir sicher meine Ex-Frau gekauft.» Umweltschützerin sei sie und einen Putzfimmel habe sie. Dabei seien das unvereinbare Eigenschaften: Denn erst seit seine Frau ausgezogen sei, habe sich die Wohnung zu einem Biotop entwickelt – weil jetzt nicht mehr geputzt werde.

Auch die Erziehung seiner Tochter gestaltet sich schwierig. Mit Barbie und Ken spielt sie «Ferienausflug». Zuerst zieht Barbie die Koffer und läuft hinter Ken her. «Wir sind doch nicht in einem arabischen Land», ruft Waghubinger. Doch als die Tochter dieselbe Szene mit einem dunkelhäutigen Ken spielt, interveniert er wieder entsetzt: «Ist es jetzt korrekt, wenn der Schwarzafrikaner die Koffer zieht?»

Es war ein Abend mit bissigem Humor und Pointen im Minutentakt. Umweltschutz, politische Korrektheit, Selbstmörder, andere Kulturen: Waghubinger liess keines der klassischen Comedy-Themen aus. Man hätte sich allerdings ein paar Seiten­hiebe mehr nach oben statt nach unten gewünscht.

Nina Rudnicki

redaktiongo@tagblatt.ch

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