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ENGELBURG: Mit 90 Jahren den Durchbruch geschafft

Wer etwas wirklich will, erreicht es auch: Für Pio Krapf sind das mehr als schöne Worte. Seine Hartnäckigkeit hat ihm schon manchen Erfolg beschert. Mit 90 Jahren kreiert er Karten mit St. Galler Stickereien.
Corinne Allenspach
Ein Novum in der Schweiz: Pio Krapfs Karten mit echten St. Galler Stickereien werden seit kurzem in der ­Papeterie Markwalder in St. Gallen verkauft. Für den Einkauf zuständig ist Martina Christen. (Bild: Ralph Ribi)

Ein Novum in der Schweiz: Pio Krapfs Karten mit echten St. Galler Stickereien werden seit kurzem in der ­Papeterie Markwalder in St. Gallen verkauft. Für den Einkauf zuständig ist Martina Christen. (Bild: Ralph Ribi)

Corinne Allenspach

corinne.allenspach@tagblatt.ch

Geduld ist nicht seine Stärke. Hartnäckigkeit dafür umso mehr. Diese brauchte Pio Krapf zeitlebens auch. Dass er just zu seinem 90. Geburtstag den Durchbruch geschafft hat mit einer Schweizer Neuheit, freut den Engelburger besonders: «Für mich ist das ein Riesenerfolg.»

Es war nach seiner Pensionierung, als Krapf angefangen hat mit Malen und mit dem Kreieren von Glückwunschkarten. Über 200 Aquarelle sind seither entstanden, und Karten aller Grössen, Farben und Stilrichtungen. Ein Ziel verfolgte Krapf, der 40 Jahre lang bei der St. Galler Stickereifirma Bischoff Textil gearbeitet hat, besonders hartnäckig: Glückwunschkarten mit echten St. Galler Stickereien. Und zwar nicht nur für den Eigengebrauch, sondern für den Verkauf im Handel. Ideen hatte Krapf zur Genüge, vor rund zwei Jahren wurde der Engelburger erstmals vorstellig beim grössten Schweizer Kartenproduzenten, dem ABC-Verlag. Abwimmeln habe man ihn anfangs wollen, erinnert er sich. «Sie sagten, es kämen täglich Leute, die etwas Besonderes zeigen wollen.» Und sowieso sei es schwierig, einen Termin zu finden. Aber Krapf bestand darauf. Schliesslich gewährte man ihm in einem ersten Gespräch 30 Minuten. Der damals 88-Jährige reiste nach Bern, der Grundstein war gelegt. Weitere Treffen und eine erspriessliche Zusammenarbeit folgten. Und jetzt ist es geschafft: Krapfs Stickerei-Karten sind seit kurzem im Handel erhältlich. Design und Stickereien lieferte der Engelburger, produziert hat die Karten der ABC-Verlag mit einer Auflage von einigen tausend Stück.

Auf Schifflistickmaschine in Diepoldsau produziert

«Speziell ist sicher, dass die Stickerei-Karten komplett in der Schweiz hergestellt werden», sagt Christoph Stucki, Art Director beim ABC-Verlag. «Das ist ein Novum.» Seines Wissens sind es aktuell die einzigen derartigen Karten im Land. Handgemachte Karten aus Asien mit Stickereien gebe es hingegen schon länger, weiss Stucki, seit 20 Jahren beim ABC-Verlag tätig. Die Schweizer Variante sei aber viel hochwertiger, was sich auch im Preis zeige. Die Karte kostet im Laden 14.50 Franken. Stucki: «Im asiatischen Raum könnten wir vier Karten kaufen zum gleichen Preis.»

Die Stickerei, die Pio Krapf ausgewählt hat, ist aus dem Museum der Bischoff Textil AG. Eine belgische Stickerei aus dem 19. Jahrhundert, die inzwischen für teure Unterwäsche verwendet wird. Krapf hat sie mit Hilfe von Designern angepasst und auf einer 9,3 Meter langen Schiffli-stickmaschine in Diepoldsau herstellen lassen. «Irrsinnig, die Karte ist einmalig schön», schwärmt Krapf, während seine Finger über die edlen Stickereien streichen. Auch beim ABC-Verlag freut man sich. «Es ist sicher eine spezielle Karte», sagt Christoph Stucki. Besonders gefalle ihm die Kombination der Stickereien mit verschiedenfarbigem Hintergrund. «Dadurch bekommt die Stickerei jedesmal eine andere Wirkung.» Und einen anderen Verwendungszweck. So können die Karten als Trauer-, Glückwunsch- oder Alles-Gute-Karte verwendet werden.

Erhältlich sind sie in Deutschland und der Schweiz, in der Region in der Papeterie Markwalder in St. Gallen. Dort sind sie die derzeit teuersten Karten, wie Martina Christen sagt, zuständig für den Einkauf beim ABC-Verlag und seit 37 Jahren im Markwalder tätig. «Aber sie sind den Preis absolut wert.» Martina Christen hat ebenfalls Freude an den Karten. Sie erinnert sich noch gut, wie gestickte Hochzeitskarten und solche mit gestickten Taschentüchern einst sehr gefragt waren, als sie jung war.

Die einen nennen es Sucht, für Krapf ist es Leidenschaft

Wer Pio Krapf kennt, weiss, dass er sich über seinen Erfolg zwar freut, es aber nicht dabei bewenden lässt. Vielmehr hat der ehemalige Schulratspräsident, der erste Stiftungspräsident der Alten Turnhalle Engelburg und der Gründungspräsident des Kiwanis-Clubs Gaiserwald-Tannenberg bereits neue Ideen, die er genauso zielstrebig verfolgt wie so vieles in seinem Leben. «Viele Leute sagen, das sei eine Sucht», sagt Krapf. «Aber für mich ist Kreieren eine Leidenschaft, die mich unheimlich erfüllt.»

So sitzt er auch im hohen Alter weiterhin bis spät in die Nacht an seinem Bürotisch und tüftelt. Die neuste Idee: Pralinenschachteln gestalten mit St. Galler Stickereien. Daheim in Engelburg türmen sich bereits die Deckel. «Den Inhalt schenke ich jeweils meiner Frau», sagt Krapf. Aber auch sein Schmunzeln lässt keinen Zweifel daran, dass es ihm ernst ist: «Ins Schachtel-Business einzusteigen würde mich wahnsinnig reizen.» Bei Lindt wurde er bereits vorstellig – obwohl man ihn auch dort zuerst abwimmeln wollte.

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