ENGELBURG: «Bobby ist ein Lausbub»

Für seine Tiere verzichtet das Ehepaar Ledergerber nur allzu gerne auf Ferien. Nicht nur sie haben Freude an ihrem Minizoo im Chapf, sondern Menschen von weit her. Am meisten Streicheleinheiten gibt’s für die Esel.

Corinne Allenspach
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«Was wir Menschen nicht gern haben, haben auch die Tiere nicht gern», sagen Alex und Maria Ledergerber, bevor sie die Esel Lotti (links) und Bobby wegen der Sommerhitze und der lästigen Fliegen zurück in den schattigen Stall bringen. (Bild: Benjamin Manser)

«Was wir Menschen nicht gern haben, haben auch die Tiere nicht gern», sagen Alex und Maria Ledergerber, bevor sie die Esel Lotti (links) und Bobby wegen der Sommerhitze und der lästigen Fliegen zurück in den schattigen Stall bringen. (Bild: Benjamin Manser)

Corinne Allenspach

corinne.allenspach@tagblatt.ch

Ferien? Maria und Alex Ledergerber winken ab. Ein einziges Mal haben es der 73-Jährige und die 69-Jährige versucht, haben sie zwei Wochen Wallis gebucht. Aber nach einer Woche war es ihnen verleidet, sind sie wieder heimgereist. «Wir haben es nicht mehr ausgehalten ohne unsere Tiere», sagt Maria Ledergerber, während ihr Mann Salat ins Hühnergehege legt. Ausserdem bräuchten sie gar keine Ferien: «Wir haben es so schön hier.» Freudig gackernd machen sich die Barnevelder Zwerge über die saftig-grünen Blätter her. Auch ein schwarzer Hase wohnt im gleichen Gehege. Seit sein Gspänli gestorben ist, hat er in den Zwerghühnern neue Freunde gefunden. Ein paar Meter weiter dösen Geissen im Schatten, Pferde grasen, Esel und Pony warten auf Streicheleinheiten, Bienen schwirren im grossen Garten von Blüte zu Blüte. Und immer wieder kommentiert der Barnevelder Güggel das Geschehen mit lautstarkem Krähen.

Der Italiener ist Hahn im Korb

Bräuchte man Sujets für ein Bilderbuch, hier fände man sie zuhauf. «Da vorne haben wir auch noch einen schönen Güggel», sagt Alex Ledergerber. «Güggel, wo bisch, bibibi», lockt er, und schon steht er da. Stolzerhobenen Hauptes, all seine Hühner um sich geschart, der wahrhaftige Hahn im Korb. «Ein Italiener», sagt Ledergerber und ergänzt: «Das ist die Rasse.» Ein Prachtsgüggel, er habe einfach keine gute Stimme. Sagt’s und schon startet der Güggel einen weiteren Krähversuch. Das Ehepaar schmunzelt. Es tönt mehr nach quietschender Türe. Früher, da hatten Ledergerbers noch mehr Tiere. Gänse und Enten im Teich, aber auch Kühe, zuerst Milch-, dann Mutterkühe, mit denen sie einen Teil ihres Lebensunterhalts verdienten. Und einen Hund, «einen ganz speziellen», den sie kürzlich einschläfern mussten. Alex Ledergerber arbeitete als Chauffeur bei Coop, 32 Jahre lang. Jeden Morgen stand er um 4 Uhr auf, nachmittags hatte er Zeit für die Tiere und die zwei inzwischen erwachsenen Kinder. Sein Herz für Tiere bescherte ihm vor Jahren den Titel «Engelburger des Jahres», verliehen vom Verkehrsverein.

Lotti begleitet den Chlaus, Bobby frisst die Kamera

Tiere, die halten einen auch jung, sind sich Ledergerbers einig, die all die Jahre nie krank waren. «Und sie geben einem viel, auch wenn es einem mal nicht so gut geht.» Nach der Tagwache um 6.30 Uhr geht’s täglich um 7 Uhr in den Stall. Zu viel wurde das dem Paar noch nie: «Tiere musst du gern haben, sonst kannst du dich nicht um sie sorgen», sagen sie und schon knabbert Pony Balou an Alex Ledergerbers Hosensack. «Nein, heute habe ich nichts für dich», sagt er und krault des Ponys Mähne. Neugierig strecken die beiden Esel Lotti und ihr Sohn Bobby ihre Nasen in alles rein. Sogar die Kamera des Fotografen ist nicht sicher. «Bobby ist ein Lausbub», sagt Maria Ledergerber und lacht. Dafür sei Lotti extrem lieb. Die Eselin ist längst im ganzen Dorf bekannt. Am Palmsonntag jeweils geht Maria Lederberger mit ihr in die Kirche. Per Los wird ein Kind bestimmt, das auf den Esel draufsitzen darf. Auch mit dem Chlaus ist Lotti jedes Jahr unterwegs. «Unsere Esel bescheren uns und anderen viele Highlights», sagt Maria Ledergerber, die nebst den Tieren noch viele weitere Hobbys pflegt. Tanzen, singen, wandern, gärtnern, Leckeres fürs kleine Hoflädeli zubereiten oder lismen. Dabei führt sie weiter, was ihre Mutter begonnen hat: Katzen stricken mit Jungtieren im Bauch. Diese seien so beliebt bei den Leuten, dass sie kaum nachkomme. Sonntags ist zudem jeweils ab 10 Uhr die Besenbeiz geöffnet bei Ledergerbers im Chapf.

Und täglich kommen Mamis oder Papis vorbei. Dann zupfen die Kinder Gras, füttern die Tiere, streicheln die Esel. Ledergerbers stört’s nicht, im Gegenteil. «Wir haben ja auch Freude an den Tieren, dann sollen die anderen ebenfalls Freude haben.» Schon nähert sich die erste Mutter mit Kinderwagen. Sie komme regelmässig, sagt sie. «Es ist ein richtiger Familientreff hier.»

Was haben Ledergerbers gesagt? Sie bräuchten gar keine Ferien, weil es bei ihnen so schön ist? Wie wahr.