ENERGIEWENDE: Das Netz zu Ende spinnen

Das Fernwärmenetz soll bis 2022 in den Osten der Stadt erweitert werden. Über den Kredit von 65,5 Millionen Franken entscheidet die Stimmbevölkerung.

David Gadze
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Das städtische Fernwärmenetz ist seit 2010 ausgebaut worden (im Bild der Untere Graben). Jetzt soll die zweite Etappe folgen. (Bild: Urs Bucher)

Das städtische Fernwärmenetz ist seit 2010 ausgebaut worden (im Bild der Untere Graben). Jetzt soll die zweite Etappe folgen. (Bild: Urs Bucher)

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

7,5 Millionen Liter Heizöl oder eine Kolonne von 473 Tanklastwagen. So viel wird jährlich in der Stadt St. Gallen dank der Fernwärme aus dem Kehrichtheizkraftwerk eingespart. Nun soll sich diese Menge verdoppeln: Für insgesamt 65,5 Millionen Franken will die Stadt das Fernwärmenetz in einer zweiten Etappe in den östlichen Gebieten der Stadt ausbauen. Am 26. November entscheiden die Stimmbür-gerinnern und Stimmbürger über den Kredit zu Lasten der Investitionsrechnung der St. Galler Stadtwerke. Die Amortisation soll durch Einnahmen aus dem Verkauf der Fernwärme erfolgen. Gestern haben Stadtrat Peter Jans und Marco Letta, Unternehmensleiter der St. Galler Stadtwerke, vor den Medien den Ausbau begründet.

Ein Kernstück des Energiekonzepts

Mit der Erweiterung des Fernwärmenetzes könne künftig ein deutlich grösserer Teil der Abwärme aus der Kehrichtverbrennung genutzt werden, sagte Jans. Der «Energieminister» sprach von einer Vorlage, die nicht nur finanziell von Bedeutung sei, sondern insbesondere auch energiepolitisch: Die Fernwärme sei eine der wichtigsten Massnahmen des Energiekonzepts 2050, um den Anteil nicht erneuerbarer Energien – vor allem Erdöl – zu verringern. Zudem fliesse weniger Geld für fossile Energieträger ins Ausland, dafür werde die regionale Wertschöpfung gesteigert.

Marco Letta sprach von einem «Potenzial ohne Ende», das noch nicht ausgeschöpft sei. Im Osten der Stadt gebe es viele alte Wohnhäuser, die über Öl- und Gasheizungen verfügten. Von den insgesamt knapp 5000 Mehrfamilienhäusern auf Stadtgebiet – fast ein Drittel aller Gebäude – liegen rund 3600 in der Talsohle, also dort, wo das Fernwärmenetz gebaut ist und wird. Davon sind etwas mehr als 600 angeschlossen.

Danach nur noch punktuell erweitern

Weitere Ausbauschritte, etwa in den Westen der Stadt oder in die Wohngebiete auf den Hügeln, seien danach nicht geplant, sagte Jans. Ein Grund sei die abnehmende Rentabilität in weniger dicht besiedelten Gebieten, ein anderer die Menge der zur Verfügung stehenden Wärme beziehungsweise der Umstand, dass dann noch mehr fossil zugeheizt werden müsste. Dadurch würde sich das Verhältnis von erneuerbaren und nichterneuerbaren Energien verschlechtern. Allenfalls würde das bestehende Netz aber später noch verdichtet, wofür zusätzliche Kredite notwendig wären, sagte Letta.

Für die Erweiterung des Netzes muss in der Lukasmühle eine weitere Fernwärmezentrale erstellt werden – das «Herzstück» der zweiten Ausbauetappe, wie es im Abstimmungsbüchlein heisst. Dank ihr soll der hohe Wärmebedarf in den Wintermonaten abgedeckt werden können. Die Kosten dafür belaufen sich auf knapp 22 Millionen Franken, also rund ein Drittel des gesamten Kredits. Die Baubewilligung liegt bereits vor. Läuft alles nach Plan, sollen die Fernwärmezentrale 2019 und das Fernwärmenetz 2022 fertiggestellt sein.