ENERGIE: Wuchtiges Ja zur Fernwärme

Mit über 80 Prozent Ja-Stimmen haben die St. Gallerinnen und St. Galler den 65,5-Millionen-Kredit für den Ausbau des Fernwärmenetzes angenommen. Dieses wächst damit bis 2022 weiter in den Osten der Stadt.

David Gadze
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Das Kehrichtheizkraftwerk Sittertobel ist sozusagen der Brenner der städtischen Fernheizung. (Bild: Benjamin Manser (9. August 2017))

Das Kehrichtheizkraftwerk Sittertobel ist sozusagen der Brenner der städtischen Fernheizung. (Bild: Benjamin Manser (9. August 2017))

David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Das städtische Fernwärmenetz kann weiter ausgebaut werden. Mit einem an Deutlichkeit kaum zu überbietenden Resultat haben die St. Galler Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Ja gesagt zum Kredit von 65,5 Millionen Franken für die zweite Etappe des Netzausbaus: 85,89 Prozent sprachen sich mit einem fast schon nordkoreanisch anmutenden Stimmenanteil für die Erweiterung des Netzes in die östlichen Stadtgebiete aus. Damit wird noch mehr Abwärme aus dem Kehrichtheizkraftwerk im Sittertobel künftig Wohnliegenschaften und Bürogebäude beheizen.

Der Kredit geht zu Lasten der Investitionsrechnung der St. Galler Stadtwerke und soll über die Einnahmen aus dem Verkauf der Fernwärme an die Bezüger amortisiert werden.

Keine Ausgabe, sondern Investition in die Zukunft

Er sei vom Resultat «überwältigt», sagte Stadtrat Peter Jans gestern im Waaghaus an der Verkündung des Abstimmungsergebnisses. Er habe zwar mit einer deutlichen Zustimmung gerechnet. «Aber ich habe nicht erwartet, dass der Wert aus dem Jahr 2010 übertroffen wird.» Damals hatten 82,9 Prozent der Stimmberechtigten Ja gesagt zum (letztlich nicht realisierten) Bau eines Geothermie-Kraftwerks und der ersten Ausbauetappe des Fernwärmenetzes. Die Zeiten hätten sich inzwischen geändert, sagte Jans. Hohe Beträge für Infrastrukturprojekte seien nicht mehr so selbstverständlich. Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger hätten aber verstanden, dass es sich bei den 62,5 Millionen Franken nicht um eine Ausgabe handle, sondern um eine «Investition in die Zukunft». Das Abstimmungsresultat deutete Jans als «Vertrauensbeweis». Das klare Votum des Stimmvolks verpflichte den Stadtrat und die Verwaltung aber dennoch, die Mittel sinnvoll und wirtschaftlich einzusetzen.

Die letzte Ausbauetappe

Der Direktor der Technischen Betriebe attestierte den St. Gallerinnen und St. Gallern, langfristig und konsequent zu denken. Sie wüssten, dass die Abhängigkeit von den fossilen Energien reduziert werden müsse. Das deutliche Ja sei eine Bekräftigung des Auftrags an den Stadtrat und die St. Galler Stadtwerke, das Energiekonzept 2050 tatkräftig umzusetzen.

Mit der Fernwärme könnten zwar nicht alle, aber doch ganz viele Stuben in der Stadt beheizt werden, sagte der Direktor der Technischen Betriebe. Dies trage dazu bei, den CO2-Ausstoss im Wärmebereich um rund zehn Prozent zu reduzieren. Das sei ein substanzieller Beitrag an die im Energiekonzept definierten Ziele. So würden ab 2022, wenn der Ausbau der zweiten Etappe abgeschlossen sein soll, jährlich rund 1000 Tanklastwagen Heizöl eingespart. Heute sind es 473 Tanklastwagen oder 7,5 Millionen Liter Heizöl pro Jahr – also noch halb so viel.

Aus heutiger Sicht sei die zweite Ausbauetappe auch die letzte, sagte Peter Jans. Allenfalls würde das dereinst fertig ausgebaute Netz in den angeschlossenen Gebieten noch weiter verdichtet, die Erschlies­sung weiterer Quartiere sei aber nicht geplant. Es sei aber nicht auszuschliessen, dass sich in Zukunft aufgrund von Effizienzsteigerungen beim Kehrichtheizkraftwerk neue Möglichkeiten eröffnen.