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Energie-Lehrstück aus St.Gallen

ST.GALLEN. St.Gallen bohrt, und alle schauen hin: Die Akzeptanz des Geothermieprojekts in der Bevölkerung beeindruckt Teilnehmer eines neuen HSG-Lehrgangs über erneuerbare Energien. Der Stadtrat sucht im Referat nach Erklärungen für das «Phänomen».
Ralf Streule
Lernen vom Stadtrat: Fredy Brunner (links) wird von HSG-Professor Rolf Wüstenhagen als Referent vorgestellt. Thema: Wie verschafft sich eine Stadt bei der Bevölkerung Akzeptanz für ein teures, risikoreiches Energie-Grossprojekt? (Bild: Urs Jaudas)

Lernen vom Stadtrat: Fredy Brunner (links) wird von HSG-Professor Rolf Wüstenhagen als Referent vorgestellt. Thema: Wie verschafft sich eine Stadt bei der Bevölkerung Akzeptanz für ein teures, risikoreiches Energie-Grossprojekt? (Bild: Urs Jaudas)

Er bleibe lieber beim Hochdeutsch, sagt Fredy Brunner, nachdem er in einer kurzen Einleitung sein Englisch präsentiert und sich dafür entschuldigt hat. Der Stadtrat steht im Rathaussaal vor einer internationalen Gruppe: Die Zuhörer stammen aus Norwegen und Frankreich, aus Deutschland und der Schweiz. Es sind Mitarbeiter von Sonnen-, Gezeiten- oder Windenergie-Unternehmen, aber auch von öffentlichen Verwaltungen.

Zum «Kick-off» des neuen HSG-Weiterbildungsprogramms «Renewable Energy Management» (siehe Kasten) konnte HSG-Professor Rolf Wüstenhagen den FDP-Stadtrat für ein Referat gewinnen. Brunner soll den Teilnehmern erklären, wie er als Direktor der Technischen Betriebe dem St. Galler Geothermieprojekt Akzeptanz verschafft hat.

Grosser Rückenwind unfassbar

Die Hauptfrage, die im Referat beantwortet werden soll: Wie bringt man 82,9 Prozent einer bürgerlich regierten Stadtbevölkerung dazu, Ja zu einem solch teuren und risikoreichen Energieprojekt zu sagen? Ein Abstimmungsergebnis, das in St. Gallen von vielen fast als selbstverständlich angesehen wurde, bei der internationalen Gruppe aber anerkennendes Kopfnicken auslöst.

Unumwunden gibt Brunner in seinem Referat zu, dass «der grosse Rückenwind» fürs Geothermieprojekt auch für ihn «noch jetzt unfassbar» sei. Es sei wohl weniger als Erfolg der Direktion als vielmehr als «Phänomen» zu deuten.

«Ansteckende Vision»

Ein Phänomen aber, welches durch bewusst offene Kommunikation Vorschub erhalten habe. Man habe die Bevölkerung früh über die möglichen Risiken informiert und aufgezeigt, dass ein Verzicht auf Geothermie ebenfalls ein Risiko darstelle. Ängste, wie es sie im Zusammenhang mit den seismischen Messungen vor einem Jahr gegeben habe, seien ernst genommen worden.

Zudem sei die Vision, einen grossen Teil St. Gallens mit erneuerbarer Energie aus dem Untergrund zu beheizen, wohl ansteckend, sagt Brunner. Innerhalb des Geothermie-Projektteams habe sich eine grosse Dynamik entwickelt - die sich wohl auch auf die Bevölkerung übertragen habe.

Wenig wissen und entscheiden

Dass das Projekt bei allen städtischen Parteien sehr grosse Zustimmung erhalten habe, habe vielleicht auch damit zu tun, dass dieses durch ihn als bürgerlichen Politiker vertreten wurde. «Ein grüner Stadtrat hätte wohl mehr Probleme gehabt, die Vorlage durchzubringen.»

Schliesslich gab Fredy Brunner den Teilnehmern seine persönlichen Tips mit auf den Weg, welche ein visionäres Grossprojekt wie die Geothermie rasch voranbringen würden: «Manchmal dürfen wir nicht zu viel wissen, um einen Entscheid fällen zu können.» Oder, etwas salopper: «Wenn Sie Neuland betreten wollen, schicken Sie Ihre Juristen in die Ferien.»

Zusammenarbeit weiter pflegen

Brunners Referat vom Montagabend war nicht die erste Zusammenarbeit zwischen dem städtischen Geothermie-Team und der HSG. Punktuell sei der «Good- Energies-Lehrstuhl» von HSG-Professor Rolf Wüstenhagen der Stadt schon mehrmals beratend zur Seite gestanden, sagt Brunner. Ein Austausch zwischen «Wissenschaft und Praxis» mache auch in Zukunft Sinn. Ziel sei es, in der Region ein «Wissensnetz» in Sachen erneuerbare Energien aufzubauen. Für kommendes Jahr sei zudem ein weiteres gemeinsames Projekt vorgesehen: Die Konferenz der «European Climate Alliance» werde 2012 wohl in St. Gallen stattfinden.

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