ENERGIE: Ganz ohne Gas und Öl geht’s nicht

Mit der Abwärme des Kehrichtheizkraftwerkes im Sittertobel werden gegenwärtig knapp 12000 Wohneinheiten in der Stadt CO2–frei beheizt. Doch an eiskalten Tagen müssen die Stadtwerke mit fossilen Brennstoffen nachhelfen.

Daniel Wirth
Drucken
Teilen
Im Kehrichtheizkraftwerk der Stadt St. Gallen im Sittertobel wird aus heissem Dampf Energie gewonnen. Ab dem nächsten Winter fliesst diese vollumfänglich in die Fernwärme. (Bild: Urs Jaudas (1. Februar 2013))

Im Kehrichtheizkraftwerk der Stadt St. Gallen im Sittertobel wird aus heissem Dampf Energie gewonnen. Ab dem nächsten Winter fliesst diese vollumfänglich in die Fernwärme. (Bild: Urs Jaudas (1. Februar 2013))

Daniel Wirth

daniel.wirth@tagblatt.ch

Im Energiekonzept 2050 der Stadt steht, der Ausstoss von Kohlendioxid (CO2) soll verringert werden. Beim Heizen mit Gas und Öl wird umweltschädliches CO2 ausgestossen. Die 11700 Haushalte, die heute ans Fernwärmenetz angeschlossen sind, werden mit Abwärme beheizt, die beim Verbrennen von Abfall im Kehrichtheizkraftwerk (KHK) im Sittertobel entsteht.

Dort werden jährlich 75000 Tonnen Kehricht verbrannt. Daraus entstehen 120 Gigawattstunden Wärme. Gut ein Drittel davon wird in Strom umgewandelt; allerdings ist der Wirkungsgrad bei diesem Prozess wesentlich geringer als bei der Nutzung des circa 380 Grad heissen Dampfes für das Heizen und die Aufbereitung von Warmwasser.

SGSW müssen Erdgas und Heizöl einkaufen

Die St. Galler Stadtwerke (SGSW) wollen die im Energiekonzept festgehaltenen CO2-Ziele erreichen. Die Fernwärme soll einen wesentlichen Teil dazu beitragen. Wer nun aber glaubt, mit dem Anschluss ans Fernwärmenetz ausnahmslos CO2-freie Energie zu beziehen, irrt: Im Winter, an eiskalten Tagen, reicht die KHK-Abwärme nicht aus. St. Gallen ist in diesem Punkt kein Einzelfall.

Die SGSW stecken in einem Dilemma; einerseits wollen sie den CO2-Ausstoss verringern, andererseits haben sie Versorgungssicherheit zu garantieren. Darum müssen sie Erdgas und Öl kaufen, das in Heizkesseln beim KHK oder in den Fernwärmezentralen verheizt wird. 2014 wurden 84,4 Prozent der verkauften Fernwärme mit heissem Dampf aus der Kehrichtverbrennung produziert, 11,8 Prozent aus Gas und 3,8 Prozent aus Öl. Für das Bio- und Erdgas zahlten die SGSW rund 660000 Franken, für das Heizöl 213000 Franken. 2015 sah diese Bilanz etwas anders aus: 79,1 Prozent Abwärme, 20,3 Prozent Gas und 0,6 Prozent Öl. Die SGSW kauften für 1,2 Millionen Franken Gas ein und für 37000 Franken Öl. Im vergangenen Jahr stammten nur 73,6 Prozent der Fernwärme aus der Kehrichtverbrennung, dafür 21,2 Prozent aus Gas und 5,2 Prozent aus Öl. Die SGSW mussten für 1,4 Millionen Franken Gas kaufen und für 356000 Franken Öl. Ulrich Trümpi, Bereichsleiter Wärme bei den SGSW, relativiert diese auf den ersten Blick grossen Beträge für fossile Brennstoffe: «2014 machten wir mir der Fernwärme einen Umsatz von rund sieben Millionen Franken, 2016 waren es schon 8,4 Millionen Franken.» Da das Gas intern bezogen werden könne, bleibe der ganze Umsatz bei den SGSW und die Gewinnmarge ebenso, sagt Trümpi.

Es wird weniger Abwärme «verstromt»

Im KHK wird mit zwei Ofenlinien gearbeitet. Letzten Herbst war eine Linie nach einem Unfall ausgefallen. «In dieser Zeit mussten wir mit konventionellen Heizkesseln Wärme erzeugen, um die Versorgung sicherzustellen», sagt Trümpi. Zudem sei das KHK kontinuierlich ausgebaut worden; hiefür habe die Kehrichtverbrennung heruntergefahren werden müssen. Trümpi ist sich sicher, dass der CO2-Ausstoss mit dem geplanten Ausbau des Fernwärmenetzes (Zweittext) weiter gesenkt würde. Die Anlage sei so umgebaut worden, dass ab dem Winter 2017/2018 die ganze Abwärmeleistung in die Fernwärme fliesse. Es brauche künftig weniger Öl und Gas zum Nachheizen.