ENERGIE: Die höchsten Strompreise

Die St. Galler Stadtwerke senken 2017 die Strompreise. Dennoch sind die Tarife die höchsten aller 77 Gemeinden im Kanton St. Gallen. Doch das kann sich relativ rasch wieder ändern.

Daniel Wirth
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Bei den Preisen für Elektrizität ist die Stadt St. Gallen im kantonalen Vergleich ganz oben angesiedelt. (Bild: Benjamin Manser (1. Januar 2015))

Bei den Preisen für Elektrizität ist die Stadt St. Gallen im kantonalen Vergleich ganz oben angesiedelt. (Bild: Benjamin Manser (1. Januar 2015))

Daniel Wirth

daniel.wirth@tagblatt.ch

Die Kunden der St. Galler Stadtwerke (SGSW) haben im November einen Brief erhalten: Auf das Jahr 2017 werden die Strompreise gesenkt. Das freut die Einwohner der Stadt. Doch der Tarif für eine Kilowattstunde (kWh) ist für die Kunden eine abstrakte Grösse. Beim Kernstrom-Mix sinkt er von 25.90 auf 24.02 Rappen im Normaltarif, beim St. Galler Basistrom von 26.90 auf 25.02 Rappen, beim St. Galler Ökostrom von 28.90 auf 27.02 Rappen und beim St. Galler Ökostrom plus von 30.90 auf 29.02 Rappen pro Kilowattstunde. Doch wie wirkt sich das auf die Kosten in einem Jahr für elektrische Energie aus?

Bei einer Familie in einer Vier-Zimmer-Wohnung bewegt sich die Einsparung zwischen 35 und 50 Franken – im Jahr. Und das bei Kosten für Strom von 1400 Franken jährlich. Zum Vergleich: In Mörschwil zahlt eine gleich grosse Familie in einer gleich grossen Wohnung etwas mehr als 900 Franken (Tagblatt vom 4. November). Warum ist der Strom im kommenden Jahr in der Stadt weitaus teurer als in den umliegenden Gemeinden? «Die meisten Gemeinden im Grünen Ring kaufen den Strom auf dem freien Markt», sagt Peter Graf, Mitglied der SGSW-Geschäftsleitung und zuständig für Energie und Marketing. Die Preise für elektrische Energie seien gegenwärtig ausserordentlich tief. Das hat gemäss Graf verschiedene Gründe. Einer ist die Überproduktion. Die SGSW können aber nicht die gesamte elektrische Energie auf dem freien Markt kaufen. Sie müssen einen beachtlichen Teil der Kraftwerke Sernf-Niederenbach (SN Energie) abnehmen. Diese Gesellschaft besteht seit 1929; die Stadt St. Gallen gehörte zu den Gründerinnen zusammen mit der Glarner Gemeinde Schwanden. Heute hält St. Gallen gut einen Drittel der Aktien der SN Energie AG. Rund die Hälfte des Stroms, den die SGSW von der SN Energie AG beziehen, erhalten sie zu Marktpreisen, für die andere Hälfte zahlen sie die effektiven Produktionskosten, die derzeit deutlich höher liegen als auf dem freien Markt.

Das Energiekonzept 2015 verpflichtet die SGSW

Die SGSW bieten ihren Kunden einen Strommix an: vom Atomstrom bis zum Ökostrom. Das haben andere St. Galler Gemeinden nicht oder nicht derart ausgeklügelt. Mit den Mehreinnahmen, die mit dem Verkauf von Ökostrom erzielt werden, fördern die SGSW den Ausbau erneuerbarer Energien sowie den Zubau von Wärmekraftkopplungsanlagen. Zudem speisen die St. Galler mit dem Strompreis einen Energiefonds, mit dem das Amt für Umwelt und Energie Massnahmen fördert, die zur Energiewende beitragen, die mit dem Energiekonzept 2050 angepeilt wird: Elektrofahrzeuge, Fassadendämmungen und vieles mehr. Andere st. gallische Gemeinden machen das nicht im gleichen Ausmass wie die Stadt.

Von 2009 bis 2012 hatte die Stadt tiefere Strompreise als umliegende Gemeinden. Das könne in Zukunft wieder der Fall sein, sagt Markus Schwendimann, Mitglied der SGSW-Geschäftsleitung und zuständig fürs Elektrizitätsnetz. Bei den Kosten für die Netznutzung liegt die Stadt im kantonalen Vergleich im Mittelfeld; dieser Teil des Tarifschlüssels trägt zur Preisreduktion bei.