ENERGIE: Bevölkerung zum Stromsparen animieren

Strom wird im kommenden Jahr mit einer Ausnahme teurer. Abgaben an den Bund zur Förderung von erneuerbaren Energien sind ein Grund dafür. Rorschacherberg will mit einem Wettbewerb sensibilisieren.

Jolanda Riedener
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Die Gemeinden der Region haben die Strompreise fürs kommende Jahr publiziert: Vielerorts wird der Strom 2018 teurer, in Goldach dagegen kostet er pro Kilowattstunde sogar etwas weniger. Die Berechnungen der Eidgenössischen Elektrizitätskommission Elcom zum Vergleich basieren auf dem Verbrauch in einer 5-Zimmer-Wohnung mit Elektroherd und Tumbler (Kathegorie H4).

Die Beschaffungskosten für Strom seien zwar teurer geworden, die Technischen Betriebe Goldach hätten jedoch die Netznutzungspreise fürs kommende Jahr zum Teil deutlich senken können. Daraus folgt ein leicht reduzierter Stromtarif. Tatsächlich unterscheidet sich der Netznutzungspreis in den Gemeinden stark: Damit ist der Preis für den Stromtransport vom Kraftwerk bis ins Haus gemeint. Weiter gehören die Kosten für Wartung und Ausbau des Stromnetzes, zum Beispiel bei Freileitungen, Masten und Transformatoren dazu. «Goldach hat Anstrengungen unternommen, um näher an die Kostenwahrheit zu kommen», sagt Anton Sax, Leiter der Technischen Betriebe Goldach. Die Elektrizitätsversorgung Rorschacherberg konnte Energie ebenfalls zu günstigen Konditionen beschaffen und den Netznutzungstarif senken. Gemäss Mitteilung der Gemeinde Rorschacherberg wird der Strom trotzdem teurer. Grund dafür seien die steigenden Bundesabgaben zur Förderung der erneuerbaren Energien.

Rorschacherberg wird ausschliesslich mit nachhaltiger Energie aus Schweizer Wasserkraft versorgt. Auf die Lieferung von Atomstrom verzichtet die Gemeinde. Um den nachhaltigen Umgang mit Energie zu fördern, hat die Gemeinde ausserdem einen Wettbewerb lanciert, der zum Stromsparen animieren soll.

Mit Stromsparen bis zu 3000 Franken gewinnen

«Der Wettbewerb soll ein Anreiz zum Stromsparen schaffen», sagt Dieter Graf, Gemeinderat in Rorschacherberg. Fünf Prozent ihres Stromverbrauchs müssen die Wettbewerbsteilnehmer einsparen, um an der Verlosung teilzunehmen. Gemäss Graf sei das für Familien einfacher als für einen Singlehaushalt. «Wir regen die Bevölkerung ausserdem dazu an, Tipps zum Stromsparen zu teilen», sagt Graf. Er sei gespannt, wie die Aktion anläuft, und hoffe in erster Linie, fürs Stromsparen zu sensibilisieren.

Rorschacherbergerinnen und Rorschacherberger, die am Wettbewerb mitmachen wollen, müssen sich bis spätestens am 31. Dezember bei den Technischen Betrieben anmelden. Der Wettbewerb ums Stromsparen dauert dann ein Jahr lang, vom 1. Oktober 2017 bis am 30. September 2018.

«Lassen Sie Ihre Wäsche an der frischen Luft trocknen oder geniessen Sie einen romantischen Abend daheim mit Kerzenlicht», lauten etwa Ratschläge zum Stromsparen der Gemeinde. Je mehr Haushalte mitmachen, umso höher werde die Gewinnsumme: Pro eingesparte kWh Strom gehen 10 Rappen in einen Gewinntopf, maximal gibt es 3000 Franken zu gewinnen.

Wasserkraft, Atomstrom oder Fotovoltaik?

Auch in Untereggen steigen die Strompreise leicht wegen der gesetzlichen Abgaben auf Bundesebene. Untereggen bietet wie Rorschacherberg ausschliesslich Strom aus Wasserkraft an. Weiter nimmt die Elektra Untereggen überschüssig produzierte Energie aus privaten Fotovoltaikanlagen in ihr Netz auf und entschädigt die Energielieferanten mit 10 Rappen pro Kilowattstunde. In den Gemeinden Rorschach, Rheineck, Goldach, Tübach, Thal und Steinach können die Einwohner zwischen drei verschiedenen Stromqualitäten wählen: Dem sogenannter Graustrom, der grösstenteils aus Kernenergie besteht, einem Mischprodukt, das vor allem aus Energie von Wasserkraft besteht, sowie einer Variante aus verschiedenen nachhaltigeren Quellen wie Solar- und Windenergie.

Gemäss Anton Sax nutzen etwa zwei Drittel der Golacher Bevölkerung das Standardpaket «Naturstrom Basic» mit Strom aus Wasserkraft und Goldacher Fotovoltaikanlagen. Der restliche Drittel bezieht Graustrom. Grund dafür sei gemäss Sax das feh- lende Vertrauen in die Herkunft des Stroms. Zwar würden sich nur wenige Kunden für die teu- rere, nachhaltige Stromqualität «Naturstrom Star» entscheiden – einer Mischung aus Goldacher Fotovoltaik sowie Wasser- , Windkraft und Biomasse – dennoch nehme die Nachfrage etwas zu.

Jolanda Riedener

jolanda.riedener@tagblatt.ch

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