ENERGIE: Abwärmenetz fast am Ziel

Das Abwärmenetz zwischen St. Gallen und Gossau steht kurz vor dem Durchbruch. Zur Realisierung muss die öffentliche Hand 1,5 Millionen einschiessen – à fonds perdu.

David Gadze
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David Gadze

david.gadze@tagblatt.ch

Dieses Wochenende stimmen die St. Galler Stimmbürgerinnen und Stimmbürger über den 62,5-Millionen-Kredit für den Ausbau des städtischen Fernwärmenetzes ab. Dieses würde in die östlichen Quartiere erweitert. Schon bald könnte auch im Westen der Stadt der Startschuss für ein alter­natives Fernwärmenetz fallen: Das Energienetz GSG (Gossau–St. Gallen–Gaiserwald) will im ­Industriegebiet, genau an der Grenze zwischen St. Gallen und Gossau, ein Wärmenetz aufbauen. Dabei würde die Abwärme grosser Betriebe ins Netz gespeist und zum Heizen oder Kühlen ­anderer Betriebe (oder Wohnungen) genutzt. Man bezeichnet sie auch als «kalte Fernwärme».

Gestern haben die Verantwortlichen an der Plenumsversammlung des Energienetzes GSG im Neubau der City Garage, wo dieses Jahr bereits ein vorgezogener Netzanschluss erstellt worden ist, über den Stand des Projekts orientiert. Dieses steht kurz vor dem Durchbruch: Mit den vier wichtigsten Abwärmebezügern im Initialcluster habe man Vorverträge unterzeichnet, sagte Marco Huwiler, Leiter Innovation bei den St. Galler Stadtwerken. Sie erklären sich bereit, die Abwärme zu einem Preis von 16 Rappen pro Kilowattstunde zu beziehen. Zum Vergleich: Die Steinemann Technology AG, einer der Bezüger, bezahlt derzeit rund 11 Rappen pro Kilowattstunde. Die Investitionskosten für die ersten beiden Etappen würden rund 5,5 Millionen Franken betragen und dank Fördergeldern auf knapp 5,1 Millionen sinken.

Es braucht das Bekenntnis der öffentlichen Hand

Damit das Projekt umgesetzt werden kann, reichen die Absichtserklärungen der Betriebe allein jedoch nicht. Es braucht auch das Bekenntnis der öffentlichen Hand in Form einer Anschubfinanzierung von 1,5 Millionen Franken – à fonds perdu. Aus dem Energiefonds der Stadt St. Gallen sind 350000 Franken vorgesehen, aus jenem von Gossau 150000 Franken. Weiter müssten die St. Galler Stadtwerke 500000 Franken, die Stadtwerke Gossau 150000 Franken und die St. Gallisch-Appenzellische Kraftwerke AG (SAK) 350000 Franken als Einmaleinlage einschiessen. Dadurch würden die Investitionskosten auf rund 3,6 Millionen sinken. «Nur so können wir einen Preis von 16 Rappen pro Kilowattstunde erreichen», sagte Huwiler.

Wird das Geld gesprochen, soll Mitte 2018 eine gemeinsame Betreibergesellschaft gegründet werden. Die 3,6 Millionen sollen je zur Hälfte durch die Aufnahme von Aktienkapital und ein Bankdarlehen finanziert werden. Ins Aktienkapital von 1,8 Millionen würden die Stadtwerke von St. Gallen und Gossau sowie die SAK je 600000 Franken investieren. Geplant ist, dass sich auch die Gemeinde Gaiserwald mit einem tieferen Betrag an der AG beteiligt, um bei künftigen Netzausbauten in Abtwil weiterhin als Partner im Boot zu sein.

Die Stadtparlamente von St. Gallen und Gossau entscheiden im März über die Investitionsvor­lagen – und zwar über die gesamten Summen (1,45 Millionen in St. Gallen und 900000 Franken in Gossau). «Im Sinne der Transparenz wollen wir dem St. Galler Stadtparlament den Totalbetrag vorlegen», sagt Huwiler. Der Verwaltungsrat der SAK entscheidet ebenfalls im März über die Beteiligung. Sagt einer der drei Partner Nein, werde es «schwierig».

Inbetriebnahme in rund zwei Jahren

Der Baustart ist für Anfang 2019 geplant, Ende 2019 soll die erste Etappe in Betrieb genommen werden. In dieser würden Steine­mann Technology und Schläpfer Altmetall mit der Abwärme der Ernst Sutter AG versorgt. In einer zweiten Etappe würden dann 2020 die City Garage und die Max Bersinger AG ans Wärmenetz angeschlossen. Danach sind weitere Etappen vorgesehen.

www.energienetz-gsg.ch