ENDSPURT: Wer nach langem Wahlkampf in Gossau wo feiern wird

Mit dem kommenden Wahlsonntag endet für die sieben Gossauer Kandidaten auch der Wahlkampf. Geführt wurde dieser vor allem in gedruckter Form. Schlecht ist er wohl nicht verlaufen, es zeichnet sich eine hohe Stimmbeteiligung ab.

Sebastian Schneider
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Sebastian Schneider

sebastian.schneider@tagblatt.ch

Viele Wege führen ins Rathaus, und viele Möglichkeiten gibt es, um auf sich aufmerksam zu machen. Zum direkten Kontakt mit potenziellen Wählerinnen und Wählern auf der Strasse, in Cafés und an Veranstaltungen gehören auch Werbekanäle, um die Präsenz breit in die Öffentlichkeit zu streuen. Diesem Zweck dienen heute nicht nur Broschüren, Plakate und Zeitungsinserate; die Digitalisierung hat ein zusätzliches Feld auf­getan. Seit Jahren sind es Stimmberechtigte gewohnt, auf Wahl-Homepages zu stossen und via soziale Netzwerke Informationen und Meinungen über Kandidaten zu erhalten. In Gossau hingegen ist der klassische, analoge Weg bedeutender als der elektronische, wie eine Auswertung zeigt. Nur drei von sieben Kandidaten etwa haben eine Wahl-Internetseite aufgebaut. Auch soziale Medien werden wenig genutzt.

Keine Debatte auf Facebook

Wie sich am Ende eines langen Wahlkampfs in Gossau zeigt, ist Facebook als Instrument für die Meinungsbildung ziemlich unbedeutend. Von den sieben Anwärtern auf ein Exekutivamt bespielen nur drei Facebook aktiv als Werbe­kanal. So sind etwa Bilder von Wahlaktionen in der Stadt nur auf den Seiten der beiden Stadtratskandidatinnen Claudia Martin (SVP) und Monika Gähwiler-Brändle (SP) zu sehen. Stadtpräsidentkandidat Wolfgang Giella (parteilos) verbreitet auf Facebook sein Flugblatt und Einladungen zu Wahlveranstaltungen. Gelobt, kommentiert oder weiterverbreitet werden elektronische Inhalte insgesamt wenig. Ein Beispiel: Dieser Tage erreichte Giellas neue Facebook-Seite gerade einmal 27 Gefällt-mir-Angaben; bei Monika Gähwiler waren es auch nur 53. Von einer lebendigen politischen Debatte auf sozialen Medien kann so nicht die Rede sein.

Bei den weiteren Kandidaten ist die Präsenz auf Facebook noch überschaubarer. Während von Querkopf Max Brunner gar nichts zu finden ist, stellt Bruno Egli hin und wieder etwas Politisches auf seine Seite. Wenig Begeisterung an Facebook scheint auch Stadtratskandidat Stefan Harder von der Flig zu haben; er hat lediglich sein Profilbild ausgetauscht. Ähnlich sieht es bei Da­niel Lehmann, Stadtpräsidentkandidat der CVP, aus. Seine Werbelokomotive dampft definitiv woanders.

Offensichtlich wird die Zeitung nach wie vor als wichtiges Instrument für die politische Debatte erachtet. In den vergangenen Wochen wurden alleine im «Tagblatt» Dutzende Leserbriefe abgedruckt. In der Zeitspanne vom 25. Oktober bis zum Montagabend, 20. November, haben 44 Leserbriefe zu den Er­satzwahlen die «Tagblatt»-Redaktion erreicht. An der Zahl der Zuschriften gemessen, liegt Daniel Lehmann deutlich vorne. 17 Autoren bekunden, dass sie ihn unterstützen und wählen. Damit hat der Aufruf der CVP, man möge doch Leserbriefe für Daniel Lehmann schreiben, Früchte getragen. Allerdings wurde genau dieser Aufruf in zwei Leserbriefen kritisiert. So oder so ist Lehmann der «Leserbrief-König». Denn die zweitgrösste Unterstützung kommt mit grossem Abstand: Acht Leserbriefschreiber warben für Claudia Martin. Dicht gefolgt wird Martin von Monika Gähwiler mit sieben Zuschriften. Für den auswärtigen Wolfgang Giella schrieben immerhin sechs Leser, für Stefan Harder deren drei.

Auffällig an der Leserbrief-Debatte ist, dass kaum Leserinnen in Erscheinung treten. Der Anteil weiblicher Schreiberinnen liegt bei etwas mehr als zehn Prozent.